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Der Ausbau der erneuerbaren Energien gewinnt an Dynamik, doch das Tempo reicht nicht zum Erreichen der Klimaziele. Vor allem Wärme und Verkehr bremsen, moniert das DIW.
Der Ausbau von Photovoltaik und Windkraft legt zu, dennoch verfehlt Deutschland weiterhin den notwendigen Zielpfad bis 2030. Dieses Resümee zieht das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), ein wirtschaftswissenschaftliches Forschungsinstitut mit Sitz in Berlin, in seinem Energiewende-Monitor für das zweite Halbjahr 2025. Studienautor Wolf-Peter Schill erklärt: „Bei der Energiewende sehen wir derzeit Fortschritte in vielen Bereichen, aber insgesamt noch nicht das Tempo, das für Klimaschutz und Energiesouveränität wünschenswert wäre.“ Schill leitet am DIW den Forschungsbereich „Transformation der Energiewirtschaft“.
Ein Blick auf die installierte Leistung verdeutlicht die Dimension. Ende 2025 erreichte die Photovoltaik 117.000 von 215.000
MW, die das Erneuerbare-Energien-Gesetz für 2030 vorsieht. Damit liegt gut die Hälfte des Zielwertes vor.
Die Windkraft an Land kommt auf knapp 60
Prozent des angestrebten Niveaus. Deutlich größer fällt der Rückstand bei der Windkraft auf See aus.
Auch beim aktuellen Ausbautempo bleibt laut dem DIW Abstand zum Zielpfad. Das Forschungsinstitut definiert den für das Erreichen der 2030-Ziele notwendigen Ausbaupfad mit einem Indexwert von 100. Die Photovoltaik erreicht im zweiten Halbjahr 2025 einen Indexwert von 88 und damit 88
Prozent des erforderlichen Tempos. Die Windkraft an Land kommt auf einen Indexwert von 61, die Offshore-Windenergie lediglich auf 22. Damit nähert sich die Photovoltaik dem Zielpfad am stärksten an, während Offshore weiterhin deutlich zurückliegt.
Wärme und Verkehr bremsenNeben der Stromerzeugung untersucht der Monitor die Sektorenkopplung. Hier erkennt das DIW zwar Fortschritte, sieht jedoch weiterhin erheblichen Nachholbedarf. Wärmepumpen erreichten im zweiten Halbjahr 2025 einen Anteil von 48
Prozent an den neu installierten Heizungen. Schill betont mit Blick auf das Ziel der Klimaneutralität 2045: „Wir brauchen insbesondere bei Wärmepumpen und Elektrofahrzeugen eine deutlich stärkere Beschleunigung.“
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Die Energiewende braucht noch mehr Tempo, vor allem im Bereich der Elektromobilität (zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken) Quelle: DIW Berlin |
Im Verkehrssektor zeigt der Monitorbericht des DIW ein ähnliches Bild. Batterieelektrische Pkw erreichten im zweiten Halbjahr 2025 einen Anteil von 20,4
Prozent an den Neuzulassungen. Bei elektrischen Lastkraftwagen lag der Anteil bei 10,9
Prozent, bei elektrischen Sattelzügen bei 4,5
Prozent. Trotz des Aufwärtstrends ist damit die Mehrheit der neu zugelassenen Fahrzeuge weiterhin fossil betrieben.
Schill warnt vor widersprüchlichen politischen Signalen. „Wenn der Ausbau der Erneuerbaren gebremst wird, droht ein unguter Kreislauf“, sagt er. Die Stromnachfrage steige derzeit langsamer als erwartet, unter anderem wegen des verhaltenen Hochlaufs von Elektromobilität und Wärmepumpen. Ein verzögerter Ausbau könnte jedoch später zu Engpässen führen, sobald die Nachfrage anzieht, so der Studienautor.
Batteriespeicher legen zuBei der Flexibilität im Stromsystem registriert das DIW ebenfalls Veränderungen. So sei die Anzahl der Stunden mit negativen Großhandelspreisen im zweiten Halbjahr 2025 deutlich zurückgegangen. Diese Entwicklung werten die Berliner Wissenschaftler als Hinweis darauf, dass Angebot und Nachfrage besser zusammenfinden.
Zugleich wachse der Markt für Großbatterien. Wie das DIW mitteilt, stieg der Zubau von 711.000
kWh im ersten Halbjahr 2025 auf 828.000
kWh im zweiten Halbjahr. Das entspricht einem Plus von 17
Prozent. Damit gewinnen Speicher an Bedeutung für die Integration erneuerbarer Energien, auch wenn das DIW weitere Anstrengungen für notwendig hält.
Nach Einschätzung des Instituts bieten technologische Fortschritte, gesunkene Kosten und verbesserte Genehmigungsverfahren derzeit günstige Voraussetzungen. Schill argumentiert, eine beschleunigte Energiewende diene nicht nur dem Klimaschutz, sondern stärke auch Industrie und Energiesouveränität. Der Ersatz von Öl und Gas durch erneuerbaren Strom, Elektrofahrzeuge und Wärmepumpen senke die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten deutlich. Die Politik müsse diese Rahmenbedingungen konsequent nutzen und den eingeschlagenen Kurs fortsetzen.
Weitere Details zum
aktuellen Energiewende-Monitor 7/2026 stellt das DIW
auf seiner Internetseite bereit.
Mittwoch, 11.02.2026, 16:36 Uhr
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