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Enerige & Management > Bilanz - Erneuerbare helfen EnBW über Vertriebsverluste hinweg
Quelle: Fotolia / Minerva Studio
BILANZ:
Erneuerbare helfen EnBW über Vertriebsverluste hinweg
Der baden-württembergische Energiekonzern EnBW hat im ersten Halbjahr 2022 weniger verdient. Der Bereich erneuerbare Energien entwickelte sich allerdings positiv.
 
Die ersten sechs Monate des Geschäftsjahres 2022 waren geprägt von der anhaltend volatilen Marktsituation infolge des russischen Kriegs in der Ukraine, heißt es im Halbjahresbericht, den EnBW am 12. August vorlegte. Trotz der daraus resultierenden Belastungen habe man das operative Konzernergebnis gegenüber dem Vorjahr weitestgehend stabil gehalten. Das sei vor allem auf die positive Entwicklung bei den erneuerbaren Energien zurückzuführen, die Belastungen in anderen Bereichen ausglichen.

Finanzvorstand Thomas Kusterer erklärte mit Verweis auf die hohen Energiepreise an den Großhandelsmärkten: „Die integrierte Aufstellung der EnBW entlang der gesamten energiewirtschaftlichen Wertschöpfungskette und unsere solide Innenfinanzierung sorgen hier jedoch für Stabilität. An unserer Jahresprognose auf Konzernebene halten wir daher fest.“

Mit 26.312 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erzielte EnBW im ersten Halbjahr einen Umsatz von 27,12 Mrd. Euro und ein bereinigtes operatives Ergebnis (Adjusted Ebitda) von 1,42 Mrd. Euro. Das entspricht einem leichten Rückgang von 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Das auf die Aktionäre entfallende Konzernergebnis stieg im ersten Halbjahr 2022 von -163 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum auf aktuell +564 Mio. Euro. Die Erhöhung führt das Unternehmen auf die außerplanmäßigen Abschreibungen im Bereich der konventionellen Erzeugung in Höhe von rund 700 Mio. Euro im vergangenen Jahr zurück. Dem stehen unausgesprochen Zuschreibungen in diesem Jahr gegenüber. Der bereinigte Konzerngewinn lag bei 300 Mio. Euro, ein Rückgang um knapp die Hälfte im Vergleich zu Januar bis Juni 2021.

Vertrieb und Netze als Sorgenkinder

Vor allem die Geschäftssegmente Systemkritische Infrastruktur (Netze) und Intelligente Infrastruktur für Kundinnen und Kunden (Vertriebe) spiegeln mit teils deutlichen Einbrüchen (-9 % und -49 %) die schwierige Gesamtsituation wider. Das Adjusted Ebitda im Vertriebsbereich halbierte sich in den ersten sechs Monaten 2022 fast auf 115 Mio. Euro. Vor allem die hohen Beschaffungskosten für Strom und Gas wirkten sich hier negativ aus.

Bei den Netzen stiegen die Kosten in erster Linie durch den Einsatz von Reservekraftwerken. Um Versorgungssicherheit und Netzstabiilität aufrechtzuerhalten, mussten sie im ersten Halbjahr 2022 häufiger und zu höheren Kosten hochfahren.

Gleichzeitig konnten die erneuerbaren Energien ihren Ergebnisbeitrag deutlich steigern. Gründe dafür waren bessere Windverhältnisse, höhere Marktpreise sowie die Fertigstellung neuer, förderfrei erbauter großer Solarparks in Brandenburg. Hier steigerte sich das Adjusted Ebitda um 43 % auf 547 Mio. Euro.
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Kennzahlen EnBW
in Mio. Euro 30.6.22 30.6.21 Veränderung
Adj. Ebitda 1.424,2 1479,4 -3,7 %
Adj. Konzernüberschuss 299,8 594,3 -49,6 %
Konzernüberschuss 563,9 -162,8
Beschäftigte 26.312 24.894 5,7 %
Quelle: EnBW

Festhalten an Klimazielen und Prognose

Kusterer betonte: „Auch vor dem Hintergrund des Russland-Ukraine-Kriegs halten wir unverändert an unserer strategischen Aufstellung sowie unseren Klimazielen fest. Wir müssen den Übergang zu einer langfristig CO2-freien Energieversorgung in Deutschland deutlich beschleunigen.“ Ebenfalls festhalten will man bei EnBW − trotz erhöhten Unsicherheiten durch die Marktschwankungen − an der Prognose für das Konzernergebnis im Gesamtjahr 2022. Das Adjusted Ebitda wird in einer Bandbreite von 3,03 bis 3,18 Mrd. Euro erwartet, was einer Steigerung von 2 bis 7 % gegenüber 2021 entspricht. Die Investitionen des Konzerns lagen im ersten Halbjahr 2022 mit 1,07 Mrd. Euro auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Der größte Teil entfiel auf Wachstumsprojekte wie den Ausbau der Netze, die Sicherung von Flächenrechten zur Entwicklung eines Offshore-Windparks in der Schottischen See sowie den Ausbau der Ladeinfrastruktur für die Elektromobilität.
 

Günter Drewnitzky
Redakteur
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