• Strom: Kalenderjahr legt ein Päuschen ein
  • Gas: Seitwärts ins Wochenende
  • Rheinenergie leitet Generationswechsel ein
  • Sattes Gewinn-Plus bei den Stadtwerken Aachen
  • VNG kauft Gas-Union
  • Kohleausstieg zwingt zu mehr Erneuerbaren-Ausbau
  • Bundesrat stimmt Kohleausstieg zu und fordert EEG-Reform
  • Europäisches Handelssystem soll grüne Gase puschen
  • XXL-Fundamente für Arcadis Ost 1
  • KWKG: Die wichtigsten Neuerungen
Enerige & Management > Stromnetz - Engpassmanagement auf Verteilnetzebene erfolgreich getestet
Bild: Jonas Rosenberger
STROMNETZ:
Engpassmanagement auf Verteilnetzebene erfolgreich getestet
Über die Verbindung zweier Online-Plattformen haben Netzbetreiber und Unternehmen für eine Netzentlastung zwischen dem Norden und dem Süden auf Verteilnetzebene gesorgt.
 
Dabei haben erstmals zwei „SINTEG“-Projekte zusammengearbeitet: „C/sells“ mit dem Fokus auf Süddeutschland und Solarenergie und „enera“ mit dem Fokus auf Norddeutschland und Windenergie, wie aus einer Mitteilung der Bayernwerke hervorgeht. Beide Projekte suchen Lösungen, wie zukünftig dezentrale Anlagen statt konventionellen Kraftwerken das Stromnetz stabilisieren können. Sie haben dafür Online-Plattformen entwickelt, auf denen dezentrale Anlagen ihre Flexibilität für das Stromnetz zur Verfügung stellen können.

Bei dem Testabruf wurde nach Koordination mit den beteiligten Netzbetreibern Avacon Netz, Bayernwerk Netz und EWE Netz auf Anforderung des Übertragungsnetzbetreibers Tennet der Stromverbrauch eines Speichers im windreichen Niedersachsen erhöht, um Strom aus erneuerbaren Energien aufzunehmen. Gleichzeitig haben im Gebiet des Bayernwerks im laststarken Süden Biogas- und KWK-Anlagen mehr Strom eingespeist, um die Stromnachfrage vor Ort zu decken. So wurde die im Stromnetz zu transportierende Strommenge reduziert und so dazu beigetragen, Transportengpässe zu beheben.

Zusammenarbeit auf allen Netzebenen erforderlich

„Wir werden in Zukunft Millionen dezentraler Anlagen brauchen, um das Übertragungsnetz zu stabilisieren“, sagte Tennet-Geschäftsführer Tim Meyerjürgens. Dafür müssten die Netzbetreiber auf allen Ebenen zusammenarbeiten und neue Werkzeuge entwickeln, um das Potenzial von KWK-Anlagen, Wärmepumpen, Biogasanlagen, Batteriespeichern, Elektroautos, Power-to-Gas-Anlagen und anderen dezentralen Anlagen für mehr Sicherheit im Stromnetz nutzen zu können. „Unser Test hat gezeigt, wie das erfolgreich funktioniert.“

Die Zukunft der Energieerzeugung ist aus Sicht der beteiligten Verteilnetzbetreiber dezentral und findet in den Verteilnetzen statt. Die Unternehmen sind sich einig, dass dadurch auf Verteilnetzbetreiber neue Aufgaben zukommen, auch was die Unterstützung der Übertragungsnetzbetreiber bei der Stabilisierung des Netzes betrifft.

Elektromobilität, Wärmepumpen und elektrische Speicher können steuerbar Strom aufnehmen und abgeben. Dadurch sei es möglich, sie dem Netz als flexible Kapazitäten zur Stabilisierung zur Verfügung zu stellen, heißt es in einer Stellungnahme der Netzbetreiber. Damit sie zukünftig auch zur Stabilisierung des Höchstspannungsnetzes eingesetzt werden können, müssten sich auch die unterschiedlichen Spannungsebenen abstimmen und koordinieren. „Die vom Kunden getriebene, dekarbonisierte Energiewelt von morgen wird dezentral und digital organisiert sein“, ist Egon Westphal, Technik-Vorstand beim Bayernwerk, überzeugt.

Im Norden ist Verbrauch, im Süden Einspeisung das Gebot der Stunde

„Unser Hybridspeicher in Varel eignet sich aufgrund seiner Kombination von Lithium-Ionen- und Natrium-Schwefel-Speichertechnologien sehr gut, schnell das Stromnetz mit mehr als 24 MWh Kapazität zu entlasten und damit die Abschaltungen von Windenergieanlagen zu vermeiden“, gibt Hendrik Brockmeyer, Managing Director von „be.storaged“, ein Beispiel.

In der Enera-Region im Nordwesten Niedersachsens erhöhten zudem in vorangegangen Abrufen neben der großen Batterie auch Industrieanlagen, wie eine Papier- und Kartonfabrik sowie ein elektrischer Gastransportverdichter, ihre Last. Bei EWE weist man auf die Möglichkeit hin, die Netze durch Verbrauch von Strom statt durch Verbrennung von Gas zu entlasten. Eine Power-to-Gas-Anlage im niedersächsischen Werlte kann ihre Gas-Produktion zeitweise erhöhen. Damit wird gleichzeitig die Sektorkopplung vorangetrieben und grünes Gas produziert.

„Wir haben in der C-sells-Region im Süden Deutschlands gezielt die Einspeisung von mehreren Biogasanlagen aus unserem Pool ins Verteilnetz erhöht, um den Engpässen entgegenzuwirken“, erklärte Tobias Nitze von Next Kraftwerke. Auch weitere Biogasanlagen waren beteiligt.

Ein lokaler Mix aus Erzeugern und Verbrauchern habe zur Behebung der Engpässe beigetragen, sagte Klaus Nagl von der Consolinno Energy GmbH. Die von Consolinno entwickelte, KI-basierte Software hatte beim Testabruf die netzdienliche Steuerung kompletter Quartiere und Nahwärmenetze übernommen.
 

Günter Drewnitzky
© 2020 Energie & Management GmbH
Montag, 06.04.2020, 14:06 Uhr

Mehr zum Thema