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Enerige & Management > Bilanz - Enercity wächst trotz gesunkenem Gewinn
Bild: ldprod, Fotolia
BILANZ:
Enercity wächst trotz gesunkenem Gewinn
Trotz leichter Delle in der 2020er Bilanz hält Enerctiy an den Wachstumsplänen für 2025 und dem Ausstieg aus der Kohleverstromung für 2030 fest.
 
Die Enercity AG ist im vergangenen, dem ersten Corona-Jahr, ziemlich unbeschadet durch all die Irrungen und Wirrungen der Pandemie gekommen. Die einer digitalen Medienrunde präsentierten Geschäftszahlen für 2020 kommentierte Vorstandschefin Susanna Zapreva mit einem Wort: „Solide“.

Den um rund 19 % gestiegenen Umsatz von gut 3,7 Mrd. Euro (ein neues Rekordniveau!) trübte etwas das um 15 % gesunkene Vorsteuerergebnis von ziemlich genau 100 Mio. Euro − immerhin bewegte sich das Ebit trotz Corona und der viel zu warmen Tage im Winter 2019/2020 im symbolträchtigen dreistelligen Bereich. Beide Effekte haben den Regionalversorger aus Hannover nach Worten von Finanzvorstand Marc Hansmann rund 20 Mio. Euro gekostet.

Von dieser kleinen Delle zeigte sich Susanna Zapreva völlig unbeeindruckt. Die gebürtige Österreicherin hat weiterhin eine Verdoppelung des Ebits auf 220 Mio. Euro bis Mitte der 2020er Jahre voll auf dem Schirm, Vergleichsjahr für diese Betrachtung ist 2016.

Ihr Optimismus basiert nicht nur allein auf dem deutlich, um gleich mehr als 50 % gestiegenen Stromabsatz, bei dem auf die Lieferungen an Kunden außerhalb von Hannover ein Anteil von immerhin etwa 40 % entfallen ist. In Schwung gekommen sind zudem die Geschäfte im Dienstleistungs-, im Wärme- und im E-Mobilitätssektor.

Bei der Elektromobilität könnte sich Enercitys vor gut drei Jahren erfolgter Einstieg bei der Wallbe GmbH mit Sitz im ostwestfälischen Schlangen (Kreis Lippe) als Glücksgriff erweisen. Mit seinen Schnelllade- und Bezahllösungen hatte der 2008 gegründete Mittelständler zuletzt deutlich an Standing im schnell wachsenden Mobilitätsmarkt gewonnen. Unmittelbar vor der Bilanzpressekonferenz segnete Enercitys Aufsichtsrat den Verkauf der gut 50-prozentigen Wallbe-Beteiligung an die Compleo Charging Solutions AG aus Dortmund ab. Beide Unternehmen, die demnächst fusionieren, haben zusammen europaweit 45.000 Ladepunkte ausgeliefert, Tendenz sicherlich steigend.

Den Kaufpreis von gut 35 Millionen Euro wollen sich Enercity und die bisherigen Wallbe-Gesellschafter zu zwei Dritteln „cash“ und zu einem Drittel in Aktien bezahlen lassen. Nach diesem Deal ist Enercity an dem börsennotierten Unternehmen unmittelbar mit 2,5 % beteiligt. Sollte der Börsenwert der Compleo-Aktien steigen, was beim sich abzeichnenden Ausbau der Elektromobilität nicht unwahrscheinlich ist, dürfte der Wert von Enercitys Aktienpaket sicherlich steigen – und den Verkauf der Beteiligung noch lukrativer machen.

Die Bilanzpressekonferenz nutzte Vorstandschefin Zapreva ein weiteres Mal, um den bereits angekündigten Ausstieg aus der Kohleverstromung im Jahr 2030 zu untermauern. Bis 2025, so der Zeitplan, soll der erste Block des kohlegefeuerten Heizkraftwerks Hannover-Stöcken abgeschaltet werden.

Das Aus für den zweiten Block des Kraftwerkes, das unter anderem das nahe gelegene Werk von VW Nutzfahrzeuge und die Produktionsanlagen des Reifenherstellers Continental versorgt, hat Enercity für 2030 angekündigt. Eine Bürgerinitiative sammelt in Niedersachsens Landeshauptstadt unterdessen Unterschriften für ein Bürgerbegehren, um den Kohleausstieg bereits auf das Jahr 2026 vorzuziehen.

Diesem Vorhaben erteilte Zapreva nicht zum ersten Mal eine Absage mit dem Hinweis, dass Enercity einfach Zeit für die Umsetzung all der Pläne brauche, um die Wärmeversorgung auch künftig sicherzustellen.

Um das eigene Stromerzeugungsportfolio weiter ergrünen zu lassen (Anteil derzeit: 36,6 %), setzt Enercity weiterhin zum einen auf die Windenergie an Land. Wie so viele andere Projektierer und Investoren bekommt aber auch Enercity die lang andauernden Genehmigungsverfahren zu spüren. Nach Zaprevas Worten haben sich deshalb die für die beiden kommenden Jahre geplante Vorhaben mit einem Volumen von zusammen rund 200 MW jeweils auf die Folgejahre verschoben.

„Wir brauchen unbedingt eine Beschleunigung der Antragsverfahren“, forderte die Enercity-Chefin. Als Reaktion auf den schleppenden Ausbau der Windenergie hat Enercity begonnen, die eigene Solar-Aktivitäten auszubauen: „Das wird noch einiges von uns kommen.“

Bis 2025 plant Enercity insgesamt für alle Geschäftsbereiche Investitionen von insgesamt 1,5 Mrd. Euro.
 

Ralf Köpke
© 2022 Energie & Management GmbH
Freitag, 26.03.2021, 16:46 Uhr

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