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Enerige & Management > Heizkraftwerke - EnBW will Klärschlamm zu Wärme und Strom machen
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HEIZKRAFTWERKE:
EnBW will Klärschlamm zu Wärme und Strom machen
In einer Onlineveranstaltung können sich Bürger am 23. Juni über eine geplante Klärschlammverwertungsanlage der EnBW an der Mühlstraße in Walheim informieren.
 
Die EnBW plant, auf ihrem Kraftwerksgelände in Walheim in die umweltgerechte Verwertung von kommunalem Klärschlamm zu investieren. In einem ersten Schritt soll dort eine Anlage für die thermische Behandlung von entwässerten Klärschlämmen aus der Region errichtet werden. Gleichzeitig könne damit auch dezentral „grüne“ Energie in Form von Wärme und ausreichend Strom zur Eigenversorgung erzeugt werden.

Der geplante Neubau werde im Wesentlichen aus einem nach außen abgedichteten Klärschlammbunker, einem Ofen zur Verbrennung des Klärschlamms mit Wärmeauskopplung und einer hocheffizienten Rauchgasreinigung bestehen. Ein Schleusensystem sowie spezielle Filter sorgen für eine geruchsneutrale Anlieferung und Lagerung des Materials, versichert das Unternehmen. Grund ist das Verbot der weiteren landwirtschaftlichen Verwertung von Klärschlamm.

Klärschlammverwertung muss neu organisiert werden

Auf Städte und Gemeinden komme daher ein Entsorgungsproblem für Klärschlamm zu, berichtete EnBW-Projektleiter Andreas Pick. „Neben der Projektierung der Anlage prüfen wir derzeit den Aus- und Aufbau eines Nah- und Fernwärmenetzes in Walheim und den benachbarten Gemeinden.“ Mittelfristig ist zudem eine bauliche Erweiterung angedacht, um zusätzlich aus der anfallenden Asche Phosphor zurückgewinnen zu können.

Aktuell werde Klärschlamm in Baden-Württemberg überwiegend in Zementwerken und Kohlekraftwerken mitverbrannt. Letztere aber stünden bald nicht mehr zur Verfügung, da der Ausstieg aus der Kohleverstromung beschlossene Sache ist. „Schließlich wollen wir unseren Kunden auch weiterhin eine gewohnt zuverlässige Verwertung ihrer Klärschlämme bieten“, erklärte Leo Homann, Geschäftsführer der MSE Mobile Schlammentwässerungsgesellschaft.

 
Fotomontage der geplanten Klärschlammverwertung in Walheim
Bild: EnBW/Uli Deck

Phosphorrückgewinnung in Zukunft obligatorisch

Die EnBW-Tochter MSE soll in Zukunft die geplante Anlage beliefern. MSE ist unter anderem spezialisiert auf die Verwertung von Klärschlamm und dessen Verbrennungsrückständen. Der Bedarf für eine solche Anlage sei groß, die für die gesamte Region von Bedeutung sei. Das Thema Klärschlamm betreffe viele Kommunen. Homann erinnerte zugleich daran, dass Betreiber kommunaler Kläranlagen künftig gesetzlich verpflichtet sind, Phosphor zurückzugewinnen.

Der Mineralstoff werde für die Düngemittelherstellung benötigt, müsse allerdings heute zu 100 % importiert werden. Daher sei es sinnvoll, ihn zurückzugewinnen. Nur bei einem geringen Anteil der Klärschlämme werde ab 2032 eine Mitverbrennung in Zementwerken oder auch in Abfallverbrennungsanlagen noch möglich sein, etwa wenn der Phosphorgehalt zu gering für ein sinnvolles Recycling ist.

Weiterer Ablauf des Projekts

Das Projekt in Walheim durchlaufe jetzt ein mehrmonatiges Genehmigungsverfahren beim Regierungspräsidium Stuttgart. Vorbehaltlich eines positiven Genehmigungsbescheids und der endgültigen Investitionsentscheidung der EnBW könnte mit dem Bau der Anlage frühestens 2023 begonnen werden und nach etwa zweijähriger Bauzeit die Inbetriebnahme erfolgen. Das Unternehmen rechnet für die Realisierung des Vorhabens mit einem hohen zweistelligen Millionenbetrag.

2023 könnten möglicherweise die beiden Kohleblöcke in Walheim endgültig stillgelegt werden, die derzeit noch als Netzreserveanlagen in Betriebsbereitschaft gehalten werden müssen. Diese Entscheidung treffen letztlich jedoch die Bundesnetzagentur und der Übertragungsnetzbetreiber Transnet BW. Damit stellt die Entscheidung zur Planung der Klärschlammverwertungsanlage für den Kraftwerksstandort Walheim den Startpunkt einer Transformation hin zu einem modernen Umwelttechnikstandort dar.

Frühzeitiger Dialog mit der Öffentlichkeit

Damit sich Anwohner und Interessierte frühzeitig ein eigenes Bild machen können, lädt die EnBW zu einer Onlineinformationsveranstaltung ein. Diese findet am Mittwoch, dem 23. Juni, um 18 Uhr statt. Dort stellen die Fachleute des Unternehmens den aktuellen Stand der Planungen vor und beantworten Fragen zum Projekt. Wer an der Veranstaltung teilnehmen möchte, kann sich direkt über die Projektseite einwählen.

Die Projektseite der EnBW   für die Anlage in Walheim steht im Internet bereit.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Dienstag, 08.06.2021, 12:56 Uhr

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