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Enerige & Management > Stromnetz - EnBW sucht Finanzpartner für sein Übertragungsnetz
Hauptschaltleitung der Transnet in Wendlingen bei Stuttgart, Quelle: Transnet BW
STROMNETZ:
EnBW sucht Finanzpartner für sein Übertragungsnetz
EnBW will bei Transnet BW einen Finanzpartner an Bord nehmen. Noch ist der Übertragungsnetzbetreiber eine hundertprozentige Tochter des baden-württembergischen Energiekonzerns.
 
Angesichts des stark steigenden Bedarfs an Lösungen im Kontext von Energie- und Mobilitätswende plane man bis 2025 ein deutliches Wachstum in allen strategischen Geschäftsfeldern, heißt es in einer Mitteilung von EnBW. Um dieses Wachstum zu realisieren, sei ein ausgewogenes Verhältnis von Investitionen und den dafür zur Verfügung stehenden Investitionsmitteln wichtig.

Vor diesem Hintergrund prüfe die EnBW jetzt Optionen, beim Übertragungsnetzbetreiber Transnet BW mit Sitz in Stuttgart einen langfristigen Finanzpartner für eine Minderheitsbeteiligung von maximal 49,9 % an Bord zu nehmen. Bisher befindet sich der Übertragungsnetzbetreiber zu 100 % im Besitz des Karlsruher Energieunternehmens.

EnBW-Finanzvorstand Thomas Kusterer erklärte dazu: "Der entstehende finanzielle Zufluss würde für Wachstumsinvestitionen zur Verfügung stehen und damit den weiteren Ausbau unseres Gesamtportfolios in ausgewogener Form unterstützen." Zwischen 2021 und 2025 plane die EnBW, rund 12 Mrd. Euro zu investieren, davon mehr als 6 Mrd. Euro in die Strom- und Gasnetze sowie rund 4 Mrd. Euro in erneuerbare Energien und Fuel Switch-Projekte.

Die Transnet BW für einen Minderheitsgesellschafter zu öffnen, ist aus Sicht von Kusterer folgerichtig: "Partnerschaften sind in einer vernetzten Energiewirtschaft mehr denn je sinnvoll und notwendig", sagte er. Man habe in den vergangenen Jahren bereits mehrere strategische und kapitalintensive Projekte und Geschäftsfelder für Partner geöffnet – zuletzt etwa die Verteilnetze der Netze BW in Baden-Württemberg für mehr als 200 Städte und Gemeinden. Als weitere Beispiele für erfolgreiche Partnerschaften nannte Kusterer die Offshore-Windparks EnBW Hohe See/Albatros und EnBW Baltic 2.

Dirk Güsewell, EnBW-Vorstand für das Ressort Systemkritische Infrastruktur und Aufsichtsratsvorsitzender bei Transnet BW: "Wenn die Energiewende gelingen soll, muss die Netzinfrastruktur und speziell das Übertragungs- und Transportnetz für Strom und Gas weiter massiv ausgebaut werden. Das ist und bleibt elementarer Bestandteil unserer energiepolitischen Verantwortung und unserer strategischen Ausrichtung." Gerade das überregionale Stromnetz der Transnet sei ein Rückgrat der Energiewende in Baden-Württemberg und ganz Deutschland. Daher wolle man in jedem Fall Mehrheitsgesellschafter der Transnet bleiben.

Finanzierungslast auf mehrere Schultern verteilen

In den Ausbau des deutschen Übertragungsnetzes fließen bereits jetzt erhebliche Investitionen: Der Netzentwicklungsplan bis 2035 (Fassung 2021) weist allein für die Transnet fast 10 Mrd. Euro an Investitionsbedarf aus. Unter anderem für die Gleichstromleitungen Südlink und Ultranet. Die neue Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag ambitionierte Klimaziele bereits für das Jahr 2030 vorgegeben. Das wird sowohl einen stark erhöhten Zubau an erneuerbaren Energien – und Netzen – als auch einen vorgezogenen Kohleausstieg nach sich ziehen.

"Wenn gleichzeitig im Norden mehr Windkraftanlagen entstehen und im Süden mehr konventionelle Kraftwerke abgeschaltet werden, muss noch mehr Strom durch die Übertragungsnetze in den Süden fließen", betonte Güsewell. Werner Götz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Transnet: "Die Energiewende ist ein Kraftakt. Um den zu schaffen, ist es sinnvoll, die Finanzierungslast auf mehrere Schultern zu verteilen. Für unser Unternehmen ist es wichtig, dass die EnBW die Mehrheit behalten wird und so Kontinuität sichert."

Entscheidungen darüber, ob die Überlegungen zur Öffnung der Transnet BW in die Tat umgesetzt werden, und wenn ja, wann und in welcher Form, gebe es noch nicht, betonten die EnBW-Vorstände. Auch wurde kein Preis für einen möglichen Anteilskauf genannt.

Mitarbeiterzahl mehr als verdreifacht

Die ehemalige EnBW Transportnetze AG firmiert seit dem Jahr 2012 unter dem Namen "TransnetBW GmbH". Mit der Namensänderung entsprach man damals einer europäischen Vorgabe zur weitergehenden Entflechtung des Strom- und Erdgasmarktes. Damit verfolgte die Europäische Kommission das Ziel, den Wettbewerb auf den Elektrizitätsmärkten zu stärken. Über das Modell des sogenannten "Unabhängigen Transportnetzbetreibers", der weitreichende Entflechtungsvorschriften berücksichtigen muss, war der Verbleib der Transnet im EnBW-Konzern möglich. Vor allem aber bisher übliche Konzern-Dienstleistungen wie beispielsweise in den Bereichen Datenverarbeitung, Personalwirtschaft oder auch Netzinstandhaltung waren im Gegenzug untersagt.

An den Start gegangen war Transnet seinerzeit mit 340 Mitarbeitenden, heute sind es fast 1.200. Der Unternehmenssitz befindet sich in Stuttgart, die Hauptschaltleitung, von der aus das gesamte 380- und 220-kV-Netz mit einer Länge von 3.200 Kilometer überwacht und gesteuert wird, ist in Wendlingen. Die Umsatzerlöse für 2020 bezifferte Transnet mit 7,6 Mrd. Euro.
 

Günter Drewnitzky
Redakteur
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