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Enerige & Management > Stromnetz - EnBW räumt Bund Vorkaufsrecht für Anteile an Netztochter ein
Quelle: Shutterstock / peopleandmore
STROMNETZ:
EnBW räumt Bund Vorkaufsrecht für Anteile an Netztochter ein
Das Interesse des Bundes am Einstieg bei einem weiteren Stromnetz-Betreiber ist aktenkundig. EnBW bittet aber um Geduld und eröffnet nun das Bieterverfahren für die Tochter Transnet BW.
 
Die Kaufinteressenten für den Übertragungsnetz-Betreiber Transnet BW balgen sich möglicherweise nur um ein knappes Viertel des südwestdeutschen Unternehmens. Die Mutter Energie Baden-Württemberg (EnBW) hat dem Bund jedenfalls ein Vorkaufsrecht für einen der beiden zu veräußernden Minderheitenanteile von 24,95 % eingeräumt. Das teilt EnBW zum Start des Bieterverfahrens − im Branchensprech "Marktansprache" genannt − am 19. August mit.

Die Karlsruher haben sich der Mitteilung zufolge mit der bundeseigenen KfW-Bank auf eine "Call Option" für das Unternhmen Transnet BW geeinigt, das die Übertragungsnetze in Baden-Württemberg betreibt. Damit bleibt der Bund im Bieterverfahren formal außen vor, kann aber direkt im Anschluss bevorzugt zum Zuge kommen. Dafür müsste die KfW-Bank dann lediglich den mit dem eigentlich erfolgreichen Bieter ausgehandelten Preis zahlen.

Bund über die KfW bereits bei 50 Hertz im Osten mit im Boot

Die Bundesregierung hält bereits seit 2018 ein Fünftel am ostdeutschen Stromnetz-Betreiber 50 Hertz. Damals hatte der belgische 50 Hertz-Mehrheitseigner Elia (80 %) die restlichen Altanteile des australischen Infrastrukturfond IFM übernommen und an die KfW weiter verkauft. An IFM-Anteilen hatte zuvor auch der chinesische Quasi-Netzmonopolist SGCC Interesse bekundet. Das Vorkaufsrecht bei Transnet BW könnte also auch dazu dienen, unliebsame Partner an einem deutschen Netzbetreiber auszubremsen.

EnBW ist bei dem gesamten Deal lediglich auf frisches Geld aus, weniger auf strategische Partner. Das zeigt die Zerstückelung der zum Verkauf stehenden 49,9 % am Tochterunternehmen auf zwei 24,95-%-Tranchen. Damit liegen die potenziellen Einkäufer unterhalb einer Sperrminorität von 25,1 %. Zudem soll die Beteiligung über eine noch zu gründende Zwischengesellschaft erfolgen.

Entsprechend wiederholt EnBW die bereits im Februar gegebene Begründung für das Bieterverfahren: Es soll Geld her für "Wachstumsinvestitionen", die sich bis 2025 auf 12 Mrd. Euro belaufen sollen. 6 Mrd. Euro will EnBW künftig in Strom- und Gasnetze stecken, weitere 4 Mrd. Euro sind für erneuerbare Energien und Fuel-Switch-Projekte (Umstellung von Kohle auf Erdgas und perspektivisch Wasserstoff) vorgesehen. EnBW bleibe langfristig Mehrheitsgesellschafter.

Branchenkreise beziffern den Gesamtwert der zu veräußernden Anteile auf etwa 1 Mrd. Euro, je Minderanteil also etwa die Hälfte. Den Umsatz für das vergangene Jahr gab Transnet mit 9 Mrd. Euro an. Seit Februar hatte EnBW nach Kaufinteressenten Ausschau gehalten. Zuletzt sickerte durch, dass zum Bieterkreis neben dem Versicherungskonzern Allianz (München) und dem Investment-Riesen Blackrock (USA) auch Banken unter Führung der Stuttgarter SV Sparkassenversicherung gehören könnten.
 

Volker Stephan
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Freitag, 19.08.2022, 14:12 Uhr

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