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STUDIEN:
Elia Group veröffentlicht Plan zum klimaneutralen europäischen Energiesystem
Die Elia Group veröffentlichte eine Studie mit dem Titel "Roadmap to Net Zero". Sie soll den Weg zum Aufbau eines klimaneutralen europäischen Energiesystems bis 2050 beschreiben.
 
Die Elia Group, bestehend aus den Übertragungsnetzbetreibern 50Hertz/Deutschland und Elia/Belgien veröffentlichte am 19. November die Studie "Roadmap to Net Zero". Sie beschreibt einen Fahrplan zum Aufbau eines klimaneutralen europäischen Energiesystems bis 2050. Chris Peeters, CEO der Elia Group sagte: "Mit der Veröffentlichung dieser neuen Studie wollen wir dazu beitragen, den effizientesten Weg zum Erreichen von Netto Null bis 2050 zu definieren."

Zur Bekämpfung der globalen Erderwärmung sind enorme Anstrengungen in der gesamten Gesellschaft erforderlich. Ungewissheit bestehe aktuell noch über die notwendigen Maßnahmen und Strategien zur Erreichung des Ziels der Klimaneutralität. Deshalb untersuchte die Elia Group mit Fokus auf das Stromsystem drei der wichtigsten Dimensionen: Energiebilanz, Flexibilität und Angemessenheit von Investitionen. Ziel sei, in einem System mit einem hohen Anteil an erneuerbaren Energien die Erzeugung und den Bedarf im Gleichgewicht zu halten und dafür sorgen, dass das Licht auch bei "Dunkelflaute" an bleibt.

Zwei verschiedene Pfade untersucht

Zwei verschiedene Transformationspfade zur völligen Vermeidung von Klimagasemissionen wurden untersucht. Der "ELEC-Pfad" geht von einer weitgehenden Elektrifizierung aller Energieverbräuche aus. Der Endstrombedarf in Europa im Jahr 2050 würde dann um 70 % gegenüber dem heutigen Bedarf steigen. Im "MOL-Pfad" wird davon ausgegangen, dass die Endnachfrage nach Strom in Europa im Jahr 2050 aufgrund eines höheren Anteils erneuerbar erzeugter Moleküle am Endenergieverbrauch nur um 30 % steigen wird.

Europa fehle es derzeit an erneuerbaren Energiequellen, die es braucht, um bis 2050 das Ziel der Klimaneutralität zu erreichen. Die Analyse zeige, dass auch künftig die hier verfügbaren erneuerbaren Energiequellen nicht ausreichen werden, um den gesamten Energiebedarf zu decken. Europa könnte über genügend erneuerbare Energien verfügen, um seinen direkten Elektrifizierungsbedarf zu decken, wenn der Ausbau der erneuerbaren Energien um das Dreifache beschleunigt wird, die Effizienz steigt und mehr Interkonnektoren gebaut werden, folgert die Studie.

Der CEO von 50 Hertz, Stefan Kapferer, sagte: "Für Deutschland ist die Beschleunigung des Erneuerbaren-Ausbaus sogar noch wichtiger. Wir wollen bereits im Jahr 2045 klimaneutral werden." Für den nichtelektrischen Energiebedarf müssten aber gasförmige Energieträger (grüne Moleküle) von anderen Kontinenten importiert werden. Der Gesamtstrombedarf werde beim MOL-Pfad um 1.800 Mrd. kWh höher liegen als beim Elec-Pfad. Dies entspreche der jährlichen Produktion von etwa 400.000 MW Offshore-Windenergie oder dem Dreifachen des heutigen Strombedarfs in Deutschland.

Keine Gasproduktion als Backup für grünen Strom nötig

Die Erzeugung aus erneuerbaren Energiequellen ist von Natur aus schwankend und verursacht tägliche, wöchentliche und saisonale Schwankungen in der Energieversorgung. Ein gut konzipiertes Energiesystem sei in der Lage, diese Schwankungen auf effiziente Weise zu bewältigen, ermittelte die Studie. Man brauche dafür keine großen Mengen grüner Moleküle, schreiben die Autoren. Langfristige Schwankungen könnten durch ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Windenergie (mehr Erzeugung im Winter) und Sonnenenergie (mehr Erzeugung im Sommer) minimiert werden, so dass ein saisonal bedingtes Ungleichgewicht zwischen Stromerzeugung und -bedarf vermieden wird.
 
Zwei Szenarien für die Energiewende: Der Netzausbau muss der Beschleunigung des Ausbaus erneuerbarer Erzeugung auf das 1,5-fache, 3-fache oder 4-fache des heutigen Niveaus folgen. Zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken
Quelle: Elia Group

Mittelfristige Schwankungen könnten durch den Ausbau von Interkonnektoren ausgeglichen werden, die die Auswirkungen lokaler Einbrüche in der EE-Versorgung verringern. Tägliche Schwankungen könnten durch die Nutzung der Flexibilität von Elektrofahrzeugen, Wärmepumpen und Heimspeichern der Endverbraucher ausgeglichen werden, sagte die Elia-Studie. Es werde immer noch Engpässe geben, beispielsweise im Winter, in denen die Nachfrage hoch, die erneuerbare Erzeugung aber gering ist, so dass abrufbare Kapazitäten benötigt werden. Diese würden aber selten und kurz sein.

Dafür solle Europa einen Rahmen für Partnerschaften zwischen Ländern mit unterschiedlichem erneuerbaren Potenzial schaffen und die erforderliche Netzinfrastruktur schneller errichten. Die Elektrifizierung von Mobilität und Wärme sollte Priorität haben, da dies der Schlüssel zur Erreichung der Klimaneutralität ist, fordert die Studie. Die Elektrifizierung schafft Flexibilität, was die Integration erneuerbarer Energien weiter erleichtert und den Endenergiebedarf senke. Grüne Moleküle sollten nur zur Dekarbonisierung von Sektoren, in denen eine Elektrifizierung nicht möglich ist, eingesetzt werden.

Die Studie "Roadmap to Net Zero   " ist über die Internetseite der Elia Group als PDF in englischer Sprache downloadbar.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Freitag, 19.11.2021, 16:21 Uhr

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