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Enerige & Management > Wasserstoff - Elektrolyseure sollen Massenware werden
Quelle: Shutterstock / petrmalinak
WASSERSTOFF:
Elektrolyseure sollen Massenware werden
Elektrolyseure sind teuer, weil sie weitgehend von Hand gefertigt werden. Um sie künftig industriell produzieren zu können, entwickelt das Fraunhofer IPA eine automatisierte Fertigung.
 
Da Wasserstoff bei der Energie- und Verkehrswende eine wichtige Rolle spielt, braucht die Welt in absehbarer Zeit massenhaft neue Elektrolyseure. Doch die werden bisher noch weitgehend in Handarbeit gefertigt, was sehr viel Zeit braucht, teuer und fehleranfällig ist. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA wollen deshalb zusammen mit Partnern aus Forschung und Industrie die Fertigung von Elektrolyseuren durchgängig automatisieren.

"Ziel ist eine automatisierte Elektrolyseurfabrik im Gigawatt-Maßstab", sagt Friedrich-Wilhelm Speckmann vom Zentrum für digitalisierte Batteriezellenproduktion (ZDB) am Fraunhofer IPA. Die dort innerhalb eines Jahres produzierten Elektrolyseure sollen also eine aufaddierte Nominalleistung von mindestens 1.000 Megawatt haben.

Ein Elektrolyseur besteht im Wesentlichen aus zwei Elektroden – der positiv geladenen Anode und der negativ geladenen Kathode – und einem Separator, in diesem Fall einer Protonen-Austausch-Membran (PEM). Um die Leistung zu erhöhen, werden viele solcher Elektrolysezellen zu einem sogenannten Stack gestapelt. Dieses Stacking geschieht bisher noch größtenteils in Handarbeit, könnte in Zukunft aber von Robotern erledigt werden.

Weil aber nicht nur das Stacking, sondern die gesamte Produktionslinie automatisiert werden soll, müssen die Forscherinnen und Forscher auch sämtliche vor- und nachgelagerte Prozesse, bis zum Einfahrvorgang der Gesamtsysteme, berücksichtigen. Dabei reichen die Aufgaben von der Fabrik- und Produktionsplanung über die Bauteiltests bis hin zu den End-of-Line-Prüfständen. Zusätzlich werden im Konsortium auch neuartige Stackdesigns entwickelt, die zukünftige Produktionsverfahren vereinfachen und somit beschleunigen.

Roboter und Sensoren für die Elektrolyseurfabrik

Um die automatisierte Elektrolyseurfabrik verwirklichen zu können, bauen die Projektpartner zunächst eine Fertigungslinie nach dem aktuellen Stand der Technik auf. Diese wird dann Stück für Stück modular angepasst und erweitert, damit die einzelnen Prozesse besser als bisher ineinandergreifen und automatisiert ablaufen. Dabei klären die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine ganze Reihe offener Fragestellungen, zum Beispiel: Welche Robotertopologie eignet sich für das Stacking am besten? Wie muss ein Roboter die Bauteile greifen und wie schnell darf er sich dabei maximal bewegen, um die sensiblen Komponenten nicht zu beschädigen? Welche optischen Sensoren sollen zur Qualitätssicherung in die Anlage integriert werden?

Antworten auf diese und viele weitere Fragen will das Forschungsteam bis 31. März 2025 gefunden haben. Dann läuft das Forschungsprojekt "Industrialisierung der PEM-Elektrolyse-Produktion" (PEP.IN) aus, welches das Bundesfoeschungsministerium mit mehr als 20 Millionen Euro fördert. Beteiligt sind an dem Verbundprojekt neben dem Fraunhofer IPA auch die Fraunhofer-Institute ISE und Umsicht, die MAN Energy Solutions SE, die H-TEC Systems GmbH, die Audi AG, die VAF GmbH, das Zentrum für Brennstoffzellen-Technik GmbH und das Forschungszentrum Jülich GmbH. 
 

Alternativprojekt setzt auf Alkalische Wasserelektrolyse

Auch an anderer Stelle in Deutschland wird an einer Industrialisierung der Elektrolyseur-Fertigung gearbeitet: Mit dem Projekt „EcoLyzer BW“ planen das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und das Unternehmen Ecoclean, ein international wettbewerbsfähiges Elektrolysesystem in Serie zu entwickeln und auf den Markt zu bringen. Dabei gehen sie technologisch einen etwas anderen Weg als das Projekt PEP.IN.

Grundlage für Ecolyzer ist eine vom ZSW entwickelte Systemtechnik für die Alkalische Wasserelektrolyse in der 1-Megawatt-Leistungsklasse. Sie kommt im Gegensatz zu anderen Technologien (PEM bzw. Hochtemperaturelektrolyse) ohne den Einsatz von ressourcenkritischen Edelmetallen und seltenen Erden aus. „Das macht sie einerseits günstiger, andererseits sind keine Rohstoffengpässe beim Markthochlauf zu erwarten“, so Marc-Simon Löffler, Leiter des Fachgebiets Regenerative Energieträger und Verfahren.

Im Vollausbau liefert der Elektrolyseur, der mit zwei Blöcken von je 0,5 MW ausgestattet werden kann, bei einer Effizienz von rund 70 Prozent etwa 20 Kilogramm Wasserstoff pro Stunde − auf einem Druckniveau von 16 bar. Das Verbundprojekt mit Ecoclean läuft bis März 2024 und wird vom Umweltministerium Baden-Württemberg mit rund 2,1 Mio. Euro gefördert.
 

Peter Koller
Redakteur
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Mittwoch, 19.01.2022, 13:55 Uhr

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