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Enerige & Management > Startklar - Eine Million Zyklen - ohne Verschleiß
Bild: E&M
STARTKLAR:
Eine Million Zyklen - ohne Verschleiß
In unserer Rubrik Startklar stellen wir Start-ups aus der Energiewirtschaft vor. Dieses Mal: die Adaptive Balancing Power GmbH aus Darmstadt.
 
Speicher im Regelleistungsmarkt sind mittlerweile ein vertrautes Bild – zumindest wenn es Batterien sind. Ein Schwungradspeicher fällt da zweifellos aus der Reihe. Dass die Technologie sich aber hervorragend für Systemdienstleistungen eignet, will Adaptive Balancing Power beweisen.

„Wir wollen den Schwungmassespeicher mit anderen Anlagen kombinieren und so in den Regelleistungsmarkt bringen“, sagt Christian Schäfer. Der für das Marketing und den Vertrieb verantwortliche Mitgründer des Darmstädter Start-ups denkt dabei etwa an Dampfturbinen oder Power-to-Heat-Anlagen, die gemeinsam mit einem Schwungmassespeicher präqualifiziert und als Einheit vermarktet werden könnten.
 
Die Gründer von Adaptive Balancing Power: (v.l.n.r.) Christian Schäfer, Hendrik Schaede, Sebastian Golisch, Nicolai Meder
Bild: Adaptive Balancing Power

Vor allem ein Argument spricht laut Schäfer für eine solche Kombination: „Wir können Anlagen, die eigentlich zu langsam für den Primärregelleistungsmarkt sind, dennoch einsetzen.“ Es geht sozusagen um ein Upgrade für Anlagen, die ansonsten allenfalls für den wirtschaftlich weniger attraktiven Sekundärregelleistungsmarkt in Frage kämen. Denn der Schwungmassespeicher kann innerhalb von Millisekunden auf Frequenzabweichungen reagieren und einen Großteil der Primärregelleistungsanforderungen erfüllen, bevor die etwas trägeren Technologien die anschließend noch benötigte Energie liefern.

Eine Einheit des adaptiven „Flywheel“ – Adaptive Balancing Power bietet kleine mit 100 kW, mittlere mit 250 kW und große mit 500 kW an – besteht aus dem Schwungrad selbst und einem Schaltschrank, in dem die Steuerung untergebracht ist. Wenn ein größeres Speichersystem benötigt wird, können mehrere Module zusammengeschaltet werden. Die Speicherkapazität einer Einheit reicht von 5 bis 12 kWh.

Mechanischen Verschleiß gibt es nicht. Und die Zahl der Lade- und Entladevorgänge, bis die Kapazität des Speichers unter einen bestimmten Wert sinkt, also die Zyklenfestigkeit, ist weitaus höher als bei einer Lithium-Ionen-Batterie, die je nach Auslegung einige Tausend schafft. „Der Schwungmassespeicher schafft über eine Million Zyklen“, erklärt Schäfer.

Anwendungsgebiete gibt es viele. Ein 500-kW- und ein 1-MW-System in Irland und in England – die derzeitigen Referenzprojekte – erbringen Systemdienstleistungen. Das Flywheel kann aber beispielsweise auch Microgrids stabil halten oder in der Industrie zur Glättung von Lastspitzen eingesetzt werden. Ebenso lässt sich die Technologie im Schienenverkehr nutzen, um Bremsenergie zu rekuperieren und sie dann zur Beschleunigung zur Verfügung zu stellen. Die unterbrechungsfreie Stromversorgung ist ein weiteres Anwendungsgebiet.

Warum gerade Schwungmassespeicher? Das Gründerteam um Hendrik Schaede arbeitete bereits am Institut für mechatronische Systeme der TU Darmstadt zusammen. Dort entstand die Idee, im Zuge des Ausbaus der erneuerbaren Energien Speicher zu erforschen, bei denen Leistung und Kapazität einfach an bestimmte Anforderungen angepasst werden können. Die Gründung des Unternehmens erfolgte schließlich 2016. Dafür kam Schäfer wieder nach Darmstadt zurück, nachdem er zwischenzeitlich beim Mannheimer Energieversorger MVV mit der Vermarktung von Regelenergie beschäftigt gewesen war.

Mittlerweile hat das Start-up zehn Mitarbeiter. Die vier Gründer sind auch gleichzeitig die Eigentümer, die bisher noch mit ihrem eigenen Geld die Finanzierung sicherstellen konnten. Doch mit den ersten Projekten in der Pipeline gehen sie jetzt auch auf externe Kapitalgeber zu. Grundsätzlich sei es auch denkbar, dass ein größerer Investor ins Unternehmen einsteigt, so Schäfer. Einen großen Unterstützer haben die Jungunternehmer allerdings schon seit Sommer 2017. Damals nahm der Darmstädter Energieversorger Entega das Start-up in sein Förderprogramm auf.
 

Fritz Wilhelm
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Freitag, 27.04.2018, 11:46 Uhr

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