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Enerige & Management > Stromnetz - Ein neues Leben für die Netzstabilität
Aus zwölf gebrauchten Autobatterien besteht der Speicher in Heilbronn. Quelle: EnBW / ARTIS-Uli Decker
STROMNETZ:
Ein neues Leben für die Netzstabilität
Ausgemusterte E-Autobatterien erhalten in einem stationären Batteriespeicher eine neue Verwendung. Audi und EnBW haben das Projekt jetzt in Heilbronn vorgestellt.
 
Dass Hochvolt-Batterien von ausrangierten Elektroautos auch nach jahrelangem Einsatz auf der Straße noch sinnvoll genutzt werden können, wollen Audi und EnBW beweisen. Gemeinsam haben sie einen stationären Batteriespeicher für solche sogenannten Second Life-Batterien gebaut. Sie stammen aus Erprobungsfahrzeugen des Ingolstädter Autobauers. Die Anlage, die am Heilbronner Kohlekraftwerk zum Einsatz kommt, soll in erster Linie Schwankungen im Stromnetz ausgleichen.

Baden-Würtembergs Verkehrsminister Winfried Hermann sagte bei der offiziellen Inbetriebnahme des Speichers: „Für eine erfolgreiche Energiewende sind Batteriespeicher unabdingbar. Ausgemusterte Batterien aus E-Autos zum Teil eines Stromspeichersystems zu machen, ist ein sehr vielversprechender Ansatz. So erreichen wir eine optimale Nutzung von erneuerbaren Energien und wertvolle Ressourcen werden noch länger genutzt.“ Auch zeige das Vorhaben erneut, dass die Mobilitäts- und die Energiewende nur gemeinsam gelingen kann.

Hagen Seifert, Leiter des Bereichs Nachhaltigkeit und Recycling bei Audi, erklärte: „Wenn ein Elektroauto das Ende seiner Nutzung erreicht hat, sind seine Batteriezellen keineswegs unbrauchbar, sondern weisen teilweise noch einen hohen Anteil ihrer ursprünglichen Leistungsfähigkeit auf.“ Für Georg Stamatelopoulos, Vorstand für Nachhaltige Erzeugungsinfrastruktur der EnBW, ist der Second Life-Batteriespeicher ein „weiterer Mosaikstein in der Gestaltung der Energiewende“.

​Eine Stunde Strom für 3.000 Haushalte

Der neue Speicher besteht aus zwölf Hochvolt-Batterien, die aus zerlegten Entwicklungsfahrzeugen stammen. Zusammengeschaltet bringen sie es auf eine Gesamtleistung von 1 MW. Damit könnte der sofort einsatzbereite Speicher etwa eine Stunde lang den Stromverbrauch von rund 3.000 Haushalten decken. Die Anlage soll als Referenz für zunächst vier Projekte dienen, die EnBW nach eigenen Angaben in näherer Zukunft plant.

Im Vergleich zu ihrem ersten Leben werden die E-Auto-Batterien im Second Life-Einsatz mit deutlich niedrigeren und gleichmäßigeren Strömen genutzt. Die Beanspruchungen sind damit deutlich geringer als im mobilen Einsatz, bei dem zum Beschleunigen viel Energie sehr schnell fließen muss. Die Projektverantwortlichen gehen deshalb für das zweite Leben der Zellen von einer Einsatzzeit von mindestens fünf bis zehn Jahren aus. Danach führt Audi die Batterien einem endgültigen Recycling zu. Dabei werden sie in ihre einzelnen Bestandteile und Rohstoffe zerlegt, um perspektivisch wieder in neuen Batterien zum Einsatz zu kommen.

In den kommenden Wochen sollen zunächst die Leistungsfähigkeit des Speichers geprüft und verschiedene Einsatzszenarien simuliert werden. Dazu zählt unter anderem der Betrieb zur Regelleistungserbringung, also die Energieabgabe bei zu niedriger Netzfrequenz, weil nicht genug Strom eingespeist wird. Und umgekehrt das Speichern von Energie, wenn Wind- oder PV-Anlagen so viel Strom ins Netz einspeisen, dass die Frequenz zu sehr ansteigt.

Außerdem wird untersucht, wie die Speicherkapazität am Energiemarkt eingesetzt werden kann – je nach Verfügbarkeit von günstigem Strom aus erneuerbaren Energien. Auch für Stadtwerke, Industriebetriebe oder Betreiber von dezentralen Erzeugungsanlagen könnte es in Zukunft interessant sein, Speicher aus gebrauchten Batteriemodulen zu nutzen.

Fenecon plant Großserienfertigung in Deggendorf

Ein vergleichbares Produkt hat der niederbayerische Speicherhersteller Fenecon im Programm. Schon seit 2017 fertigt die Firma Speicher für Wohnhäuser, Industrie- und Gewerbebetriebe aus gebrauchten Autobatterien. In diesen Tagen hat das Unternehmen einen Neubau gestartet, in dem die Großserienproduktion möglich ist (wir berichteten). 22 Millionen Euro nimmt Gründer und Geschäftsführer Franz-Josef Feilmeier dafür in die Hand. Fördergelder gibt es vom Freistaat und der EU.
 

Günter Drewnitzky
Redakteur
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Montag, 05.12.2022, 12:34 Uhr

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