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Enerige & Management > Windkraft - Ein Nachholeffekt, der nicht ohne Folgen bleibt
Bild: Fotolia.com, zentilia
WINDKRAFT:
Ein Nachholeffekt, der nicht ohne Folgen bleibt
Erstmals gibt es einen nennenswerten Anteil der Offshore-Windenergie an der EEG-Umlage. Und diese Quote steigt weiter. Die Offshore-Windbranche wehrt sich, nach der Photovoltaik der nächste Kostentreiber für den Ökostrom-Ausbau zu sein.
 
Die EEG-Umlage steigt wieder. Zwar nur leicht, aber immerhin. Für den leichten Anstieg um knapp 0,2 auf 6,35 Cent pro Kilowattstunde gibt es nach Einschätzung von Energieexperten zwei wesentliche Faktoren.

Da sind zum einen die gesunkenen Börsenstrompreise, worüber sich die Verbraucher freuen müssten. Eigentlich. Doch die Netzbetreiber finanzieren zum Teil durch den Stromverkauf an der Börse die garantierten Einspeisepreise, die alle Betreiber von Windkraft- und Solaranlagen erhalten. Den Rest muss das Gros der Stromverbraucher über die Umlage beisteuern. Im Ergebnis gleichen sich dieses Jahr der gesunkene Börsenstrompreis und die gestiegene EEG-Umlage aus, Stromverbraucher können sich also über die Börsenstrompreise nicht freuen – müssen sich aber über die EEG-Umlage auch nicht ärgern.

Bei dem Obulus für das kommende Jahr macht sich erstmals auch die Offshore-Windenergie als Kostenblock bemerkbar. Deren Anteil an der EEG-Umlage steigt von unter 0,3 auf deutlich über 0,6 Cent pro Kilowattstunde. Keine Überraschung für Andreas Wagner. „Hatte die Windkraftnutzung auf See in den vergangenen Jahren wenig zur Stromerzeugung beigetragen, so haben wir Ende dieses Jahres in Nord- und Ostsee knapp ein Dutzend Projekte mit einer Leistung von mehr als 3 330 Megawatt in Betrieb“, sagt der Geschäftsführer der Offshore-Stiftung. Wagner spricht von einem „Nachholeffekt“. Allein sieben Hochseewindparks konnten erst in diesem Jahr infolge von teils langjährigen Verzögerungen beim Netzausbau vollständig mit der Stromerzeugung loslegen.

Daraus den Schluss abzuleiten, die Offshore-Windkraft werde nach der Photovoltaik zum nächsten Kostentreiber bei der EEG-Umlage, sei falsch, sagt Wagner: „Wir dürfen nicht übersehen, dass die Offshore-Windparks nur acht Jahre über das EEG gefördert werden, Wind- und Solaranlagen dagegen 20 Jahre.“

In den kommenden Jahren wird der Anteil der Offshore-Windenergie an der EEG-Umlage dennoch steigen, daran führt kein Weg vorbei. Nach den Plänen der Bundesregierung soll die Windkraft-Leistung in Nord- und Ostsee bis Ende dieser Dekade bei 6 500 MW liegen, nach dem derzeitigen Stand wird diese Zielmarke sogar übertroffen. Die Berliner Denkfabrik Agora Energiewende ging mit einem vom Freiburger Öko-Institut entwickelten Rechenprogramm für das Jahr 2020 bis vor kurzem von einem Anteil der Offshore-Windkraft an der EEG-Umlage in Höhe von 1,7 Ct/kWh aus. 

Auf die Berechnungsgrundlage kommt es an

Zu hoch, sagt Andreas Wagner von der Offshore-Stiftung: „Agora hat seinen Rechner mit 4 700 Volllaststunden pro Jahr programmiert, während bei den bestehenden Parks auf See die Betriebsstunden im Durchschnitt eher bei 4 100 Stunden lagen.“ Nach einer Korrektur berechnet Agora Energiewende den Anteil der Offshore-Windenergie an der EEG-Umlage nunmehr mit 4 150 bis 4 170 jährlichen Volllaststunden, was den deren Quote bis 2020 auf „nur noch“ 1,3 Ct/kWh steigen lässt.

Von der Annahme, dass die EEG-Umlage für die kommenden Jahre exakt zu ermittelt sei, warnt Björn Pieprzyk. „Die Entwicklung der Börsenstrompreise und die des umlagepflichtigen Stromverbrauchs sind die große Unbekannten“, sagt der Fachmann für die EEG-Umlage in Reihen des Bundesverbandes Erneuerbare Energien (BEE). Hinzu kämen meteorologische Unsicherheiten: „Niemand hat für 2015 mit einem solch wind- und sonnenreichen Jahr gerechnet“, so Pieprzyk, „ohne dieses satte Plus hätte die EEG-Umlage wahrscheinlich nicht erhöht werden müssen.“

Dass der weitere Windkraft-Ausbau in Nord- und Ostsee sich in der EEG-Umlage widerspiegelt, ist für den BEE-Mann absehbar. Als Faustformel gilt: 1 000 MW Leistung auf See mehr lassen die Offshore-Quote an der EEG-Umlage um etwa 0,2 Cent pro Kilowattstunde steigen. Dementsprechend dürfte die Offshore-Windenergie bis 2020, wenn voraussichtlich 7 500 MW in Betrieb sind, die EEG-Umlage mit weiteren 0,8 Cent belasten, zusammen mit den bereits zu zahlenden 0,6 Ct kommen so 1,3 bis 1,4 Ct/kWh zusammen. Folgender Vergleich ist wichtig, um diese Zahl einordnen zu können: Der Solarstrom belastet die EEG-Umlage im Jahr laut EEG-Rechner von Agora Energiewende um gleich knapp 3 Ct, sprich doppelt so hoch.

„Das sind überwiegend Altlasten, die aus den Boomjahren der Photovoltaik stammen“, sagt Uwe Nestle, Gründer des Beratungsbüros Energie- und Klimapolitik mit Sitz in Kiel. Dass mit der Offshore-Windenergie in den nächsten Jahren prozentual die größten Belastungen auf die EEG-Umlage zukommen, unterstreicht Nestle mit folgendem Vergleich: „Beim EEG-Jahrgang 2015, also den EEG-finanzierten Anlagen, die in diesem Jahr ans Netz gehen, haben die Offshore-Windanlagen einen Anteil an der Stromproduktion von 45 Prozent, ihr Anteil am Betrag zur EEG-Umlage liegt allerdings bei rund 70 Prozent. Wind an Land liefert dabei etwas mehr grünen Strom – bei einem EEG-Umlagen-Anteil von nur 25 Prozent.“

Das erklärt sich vor allem durch die wesentlich niedrige EEG-Vergütung für Windstrom an Land und die Photovoltaik. Nestle: „Mit der Offshore-Windenergie bekomme ich ganz viele grüne Kilowattstunden, die aber ihren Preis haben.“ Wie hoch der Anteil der Offshore-Windenergie an der Stromproduktion und damit der Preis für die Verbraucher ausfalle, sei letztendlich eine Entscheidung der Politik.

Für Udo Sieverding ist dieser Preis heute schon zu hoch. Der Energieexperte in Reihen der Verbraucherzentrale NRW hält die Förderung der Windkraftnutzung auf See über das EEG für den komplett falschen Ansatz: „Bei Offshore sprechen wir über Großkraftwerke, die insbesondere für die Küstenländer mit neuen Ansiedlungen und einer Unterstützung ihrer maritimen Wirtschaft verbunden ist.“ Diese „reine Industriepolitik“ dürfe aber nicht über die Stromrechnungen der privaten Haushalte finanziert werden. 

Schon in der Vergangenheit hatten die Verbraucherschützer die in ihren Augen zu teure Offshore-Windenergie kritisiert. Dass genau solche Angriffe mit der absehbar weiter steigenden EEG-Umlage zunehmen werden, ist für Andreas Wagner von der Offshore-Stiftung absehbar: „Eine unserer wichtigsten Aufgaben wird es sein, klarzumachen, dass die Offshore-Windenergie ein unverzichtbarer Bestandteil der Energiewende ist.“ Eine Entwicklung kommt ihm entgegen: „Bleibt es auch künftig bei dem dynamischen Ausbau auf See, können die Kosten für die Windstromerzeugung dank größer Windturbinen und der Tatsache, dass sich der Bau von Offshore-Windparks eingespielt hat, nach dem Jahr 2020 deutlich zurückgehen.“
 

Ralf Köpke
© 2020 Energie & Management GmbH
Dienstag, 20.10.2015, 13:05 Uhr

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