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Enerige & Management > Regenerative - EEG-Umlagekonto mehrt sein Plus für die umlagenlose Zeit
Quelle: Fotolia / Jürgen Fälchle
REGENERATIVE:
EEG-Umlagekonto mehrt sein Plus für die umlagenlose Zeit
Der geförderte Grünstrom hat im Februar so hohe Markterlöse erzielt, dass sich das EEG-Umlagekonto weiteren Milliardenspeck anfressen konnte. Speck für die Ära nach der Umlage.
 
Das Guthaben auf dem EEG-Umlagekonto ist im Laufe des Februar um 945.000 Euro auf einen neuen Rekordwert von 13,6 Mrd. Euro angestiegen. Dies geht aus der Abrechnung hervor, deren Ergebnisse die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) am 14. März veröffentlicht haben. Die Veröffentlichung ist zwar auf den 9. März datiert, war aber durch einen technischen Defekt zunächst nicht sichtbar, teilte der ÜNB 50 Hertz dieser Redaktion auf Anfrage mit.

Damit ist der positive Trend seit Oktober 2021 stetig und die Salden stellen monatlich neue Rekorde auf, obwohl die Marktwerte des aus dem Konto geförderten Wind- und Solarstroms seit Januar Knicks erlitten haben (wir berichteten).

Demnach war im Februar die Haupteinnahmequelle wieder die von den Stromverbrauchenden erhobene EEG-Umlage, diesmal gut 1,2 Mrd. Euro. Für die Förderung von Erneuerbaren-Anlagen mussten als größter Ausgabeposten nur 528 Mio. Euro ausgekehrt werden. Der geförderte Teil des Grünstroms, den die Übertragungsnetzbetreiber an der Börse Epex Spot vermarkten, erbrachte demgegenüber nur 226 Mio. Euro − ungeachtet von mittleren spezfischen Erlösen (Marktwerten) von knapp 119 Euro/MWh für Photovoltaik- und für Offshore-Windstrom sowie gut 108 Euro/MWh für Windkraft vom Land (wir berichteten).

Wenig PV: gute Preise, wenig Ausgaben

Auszahlungen und Erlöse sind, saisonal bedingt, relativ niedrig, weil unter anderem die PV-Anlagen im dunklen Januar weniger einspeisen, dadurch weniger Förderung bekommen, aber auch weniger einspielen. Zum Vergleich: Im sonnigen Juni 2021 wurden 2,5 Mrd. Euro an Anlagenbetreiber ausgekehrt − der höchste Monatswert im vergangenen Jahr − und auch nur 348 Mio. Euro aus der geförderten Einspeisemenge eingenommen. Zudem kannibalisieren die PV-Anlagen (nur) in den Sonnenmonaten durch ihre potenzierte Einpeisung die börslichen Stundenpreise jener Stunden, in denen sie einspeisen − und damit die PV-Markterlöse und PV-Marktwerte.

Das Geld bleibt auf dem Konto

Mitterweile ist durch den Referentenentwurf aus dem Bundeswirtschaftsministerium (BMWK) für das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 2022 auch der Weg aufgezeigt, was mit dem Rekordguthaben auf dem EEG-Umlagekonto geschieht: Es bleibt − wie bisher auch − liegen. Der Saldo würde, wenn es einen ähnlichen Saldenverlauf geben sollte wie 2021, bis einschließlich April weiter wachsen.

Von Mai an würden die PV-Anlagen den Saldo ins Negative kehren, der Abschmelzprozess würde beginnen. Im Juli würde sich das Guthaben in ungekanntem Tempo verringern, weil die größte Einnahmequelle wegfällt: die EEG-Umlage. 2021 handelte es sich seit Juli um monatlich 1,7 bis 2,0 Mrd. Euro Einnahmen, macht eine Halbjahressumme von 10,9 Mrd. Euro. 

Die beiden wesentlichen Variablen, die 2022 anders sind, sind:
  • die Höhe der EEG-Umlage: 2021 lag sie das ganze Jahr über noch bei 6,5 Cent pro kWh, 2022 beläuft sie sich bis Juni auf 43 % weniger, nämlich 3,723 Ct/kWh, und dann auf 100 % weniger. Den geringeren Hebesatz kann man schon daran sehen, wenn man die Umlageneinnahmen von Februar 2021 und 2022 vergleicht: Seinerzeit wurden 2,2 Mrd. Euro eingenommen, diesen Februar waren es nur 1,3 Mrd. Euro. Andererseits waren die Einnahmen in den beiden Monaten zuvor fast gleich hoch. Letztlich kann nur ein Spotmarkt-Prognosemodell, das den Erneuerbaren-Zubau und das Rausfallen von Anlagen aus der Förderung berücksichtigt, eine valide Prognose ausspucken.
  • das Spotpreis-Niveau: Es stieg im vergangenen Jahr erst im September und fing in diesem Jahr auf einem ungekannt hohen Januar-Niveau an. Derzeit bewegen sich Stundenlieferungen zwischen 300 und 500 Euro pro MWh. Hohe Preise bedeuten: mehr Erlöse aus den geförderten Anlagen, weniger Marktprämie, die auszuzahlen wäre.
Mit welchem Zuschussbedarf das BMWK rechnet

Unterm Strich könnte der Saldo an Silvester 2022 also noch im Guthaben abschneiden. Wenn nicht, hilft der Bundeshaushalt tranchenmäßig mit Zuschüssen, so steht es im Referententwurf. Die ÜNB werden rechtzeitig darum ersuchen, da sie keine Liquiditätsnachteile erleiden möchten. Für 2023 bis 2026 rechnet das BMWK dennoch mit einem Zuschussbedarf von knapp 63 Mrd. Euro, davon fast 3 Mrd. Euro für Neuanlagen. Jährlich wären das bei linearer Berechnung 20,9 Mrd. Euro.

Die monatlichen EEG-Umlagensalden bis einschließlich Februar 2022 sind auf der Netztransparenz-Seite der ÜNB veröffentlicht. 
 

Georg Eble
Redakteur
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Dienstag, 15.03.2022, 13:46 Uhr

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