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Enerige & Management > Strom - EEG-Umlage sinkt deutlich - Stromkosten nicht
Quelle: Fotolia / galaxy67
STROM:
EEG-Umlage sinkt deutlich - Stromkosten nicht
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) kommentierte in Berlin das Absinken der EEG-Umlage. Er stellte in Aussicht, sie bald auf Null zu senken. Dennoch steigen die Strompreise.
 
Im aktuellen Jahr 2021 liegt die Umlage nach dem Erneuerbaren-Energie-Gesetz (EEG) bei 6,5 Cent pro Kilowattstunde. Mit ihr werden Betreiber von Anlagen entlohnt, die erneuerbar Strom produzieren. Die Übertragungsnetzbetreiber haben nun unter Aufsicht der Bundesnetzagentur die EEG-Umlage für 2022 auf 3,723 Cent pro Kilowattstunde festgelegt. Diese hohe Absenkung um 43 % wurde möglich, weil in diesem Jahr mit wenig Wind die Börsenstrompreise stiegen und weniger EEG-Umlage gezahlt wurde. Zudem leistet die Bundesregierung Zuschüsse ins EEG-Konto aus den Einnahmen auf die nationale CO2-Bepreisung auf Brennstoffe von 10,8 Mrd. Euro für 2021.
 
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sagte: „Gerade in Zeiten, in denen die Weltmarktpreise von Gas, Öl, Kohle steigen, ist die stark gesunkene EEG-Umlage eine gute und wichtige Nachricht für die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland wie auch für die Wirtschaft, vor allem den Mittelstand.“ Er forderte von der künftigen Bundesregierung, die EEG-Umlage so schnell wie möglich komplett abzuschaffen. Der Bundeszuschuss für 2022 von 3,25 Mrd. Euro senke sie um knapp 1 Cent pro Kilowattstunde.
 
Entwicklung der EEG-Umlage und EEG-Strommenge seit 2010. Zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken
Quelle: BMWi

Die Denkfabrik Agora Energiewende rechnet allerdings damit, dass die Stromkosten unterm Strich nicht sinken. Zum einen steigen aktuell die Beschaffungskosten, die die Energieversorger für Strom zahlen müssen, außerdem steige die Netzumlage, mit der der Ausbau der Stromleitungen finanziert wird. Nach Angaben des Vergleichsportals Verivox liege im Oktober 2021 der durchschnittliche Strompreis für Haushalte bei 31,38 Cent pro Kilowattstunde und damit höher als jemals zuvor. Die Senkung der EEG-Umlage würde den aktuellen durchschnittlichen Strompreis um rund 11 % senken. Bei einem Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4.000 kWh läge die Entlastung bei rund 132 Euro.

Für eine echte Senkung der Strompreise fordert der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE), Regulierungsaufgaben des Strommarkts endlich zu lösen. So sollten die Kosten für Industrieprivilegien im Rahmen der „Besonderen Ausgleichsregelung“ komplett aus dem Bundeshaushalt bezahlt und die Stromsteuer auf das europarechtliche Mindestmaß gesenkt werden. „Dadurch kommt eine Entlastung von deutlich mehr als 2 Cent pro Kilowattstunde“, sagte BEE-Präsidentin Simone Peter. „Im aktuellen Marktrahmen werde weiterhin ein solides und von Haushaltsdebatten unabhängiges Refinanzierungsinstrument wie das EEG benötigt“, warnte Peter zugleich.

Einkommensschwache Haushalte unterstützen

Der Sozialverband VdK forderte von der Bundesregierung dringend einen sozialen Ausgleich für die gestiegenen Strom- und Energiepreise. Einkommensschwache bräuchten „Einmalbeihilfen für die Anschaffung von stromsparenden Elektro-Großgeräten“, sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele der Neuen Osnabrücker Zeitung am 15. Oktober. Zudem müssten die tatsächlichen Energiepreise bei der Berechnung des Wohngeldes berücksichtigt werden. „Schon im Jahr 2019 konnten es sich zwei Millionen Menschen nicht leisten, ihre Wohnungen richtig zu heizen“, mahnte Bentele.

Verbände beharren auf umfassender Strompreisreform

Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, nannte die gesunkene EEG-Umlage eine gute Nachricht. Sie forderte zugleich die völlige Abschaffung der EEG-Umlage in der kommenden Legislaturperiode. Das würde erneuerbaren Strom auch im Verkehrssektor und im Wärmemarkt wettbewerbsfähiger machen, den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft unterstützen und Bürokratie spürbar abbauen. Allerdings würden die Energiekosten langfristig nur durch „einen schnellen und konsequenten Ausbau der erneuerbaren Energien“ sinken.

Der Chef des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), Ingbert Liebing, sagte: „Damit Strom in den kommenden Jahren günstiger wird, müsse die nächste Bundesregierung eine zügige Reform der Abgaben und Umlagen beschließen.“ Im ersten Schritt solle die EEG-Umlage schnell und entschlossen durch weitere Zuschüsse auf Null gesenkt werden. Künftig sollte sich das EEG prioritär aus den absehbar steigenden Einnahmen der CO2-Bepreisung für fossile Energieträger finanzieren. Möglichst bald müsse eine umfassende Reform der Abgaben und Umlagen auf Energie folgen, sagte Liebing.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Freitag, 15.10.2021, 12:59 Uhr

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