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Enerige & Management > Kernkraft - EDF schreibt Milliardenverlust
Quelle: Shutterstock / hxdyl
KERNKRAFT:
EDF schreibt Milliardenverlust
Die Electricite de France SA (EDF) hat im ersten Halbjahr einen Verlust geschrieben. Hoffnung macht unterdessen eine Entscheidung der Atomaufsichtsbehörde.
 
Der staatlich kontrollierte Energieversorger meldete für die ersten sechs Monate des Jahres einen Nettoverlust von 5,29 Milliarden Euro, verglichen mit einem Gewinn von 4,17 Milliarden Euro im gleichen Zeitraum 2021. Der Umsatz stieg jedoch um 67 Prozent auf 66,26 Milliarden Euro, getragen durch die Strom- und Gaspreise. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen sank auf 2,67 Milliarden von 10,60 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum.

Das Unternehmen machte eine um rund 15 Prozent geringere Produktion aufgrund von Spannungskorrosion an einigen seiner Kernkraftwerke in Frankreich und die Auswirkungen einer von der Regierung auferlegten Obergrenze für Energiepreise für den Ergebnisrückgang verantwortlich. Mit der Preisdeckelung sollen die Kosten für die Verbraucher im Jahr 2022 begrenzt werden sollen.

Die französische Regierung hatte in diesem Monat angekündigt, EDF vollständig übernehmen zu wollen. Für den Anteil von 15,9 Prozent, die dem Staat noch nicht gehören, will die Regierung in Paris rund 9,7 Milliarden Euro in die Hand nehmen.

Atomaufsicht sorgt für Entspannung der Versorgungslage

Unterdessen ist Frankreich einem dunklen Szenario für seine bereits angespannte Stromversorgung im kommenden Winter entgangen, nachdem die Atomaufsichtsbehörde die Strategie des Versorgers EDF zur Bewältigung der Korrosionsprobleme in einigen Reaktoren gebilligt hat.

 EDF plant, bis 2025 alle seine Reaktoren mit Ultraschall auf mögliche Spuren dieses Problems zu überprüfen, das zur Abschaltung von 12 der 56 Reaktoren geführt hat.
 Der Konzern soll vorrangig die empfindlichsten Bereiche der 1.450-MW-Reaktoren und einige der 1.300-MW-Reaktoren kontrollieren.

 Die französische Behörde für nukleare Sicherheit (ASN) "ist der Ansicht, dass die Strategie von EDF angesichts der erworbenen Kenntnisse über das Phänomen und der damit verbundenen Sicherheitsprobleme angemessen ist", erklärte sie in einer Pressemitteilung, ohne insgesamt einen strafferen Zeitplan für die Kontrollen zu fordern. "Was jedoch den Reaktor 2 des Kernkraftwerks Belleville betrifft, ist die ASN der Ansicht, dass die für 2024 vorgesehene Kontrolle dieses Reaktors zu spät ist", erklärte sie weiter. 

 Die ASN ist der Ansicht, dass die Kenntnisse über das Phänomen "noch entwicklungsfähig" sind und dass "das Kontrollprogramm angepasst werden muss, wenn die Kontrollen oder Analysen neue Elemente aufzeigen".

 Diese Korrosionsprobleme wurden an den Schweißnähten der Bögen der Sicherheitsinjektionsleitungen - mit denen der Reaktor bei einem Unfall gekühlt werden kann -, die mit dem Primärkreislauf verbunden sind, festgestellt oder vermutet. Diese sogenannte Spannungsrisskorrosion äußert sich in kleinen Rissen.
 Bei einigen Reaktoren wird zudem der Kühlkreislauf des abgeschalteten Reaktors überprüft. Das Korrosionsproblem belastet die Aussichten für die Erzeugung von Atomstrom und die Finanzergebnisse in diesem Jahr für EDF, dessen 100prozentige Wiederverstaatlichung von der Regierung geplant ist.

Es hat auch Sorgen über die Stromversorgung Frankreichs im nächsten Winter ausgelöst. Etwa 30 der 56 Reaktoren sind derzeit abgeschaltet, davon 12 wegen Korrosion und 18 wegen planmäßiger Wartungsarbeiten.
 

Claus-Detlef Grossmann / DJ
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Freitag, 29.07.2022, 10:30 Uhr

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