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Enerige & Management > Kernkraft - EdF-Entscheidung über Hinkley Point Anfang Mai
Bild: EDF
KERNKRAFT:
EdF-Entscheidung über Hinkley Point Anfang Mai
EdF wird erst nach Verhandlungen mit der französischen Regierung über seine Finanzen darüber entscheiden, ob wie geplant 16 Mrd. Euro in den britischen EPR investiert werden.
 
Erst „Anfang Mai“, vor der Hauptversammlung am 12. Mai, und nicht wie vorgesehen Ende März, werde der Aufsichtsrat über die Investition in Hinkley Point entscheiden. Das sagte der französische Wirtschaftsminister Emmanuel Macron laut einem Bericht der Tageszeitung „Le Monde“ (Ausgabe 24. März) im Wirtschaftsausschuss der französischen Nationalversammlung, der sich am 22. März mit der Situation von EdF befasste. Der französische Stromkonzern EdF leidet, wie auch die deutschen EVU, unter den niedrigen Börsenstrompreisen. Gleichzeitig muss EdF den Angaben zufolge allein bis 2030 insgesamt 100 Mrd. Euro für den Unterhalt seiner in die Jahre gekommenen Kernkraftwerke aufbringen.

Investieren muss EdF auch in den Netzausbau, dazu kommen die explodierenden Kosten für Reaktor-Neubauten – allein der in Bau befindliche EPR in Flammanville wird statt ursprünglich veranschlagt 3,3 Mrd. Euro voraussichtlich rund 9 Mrd. Euro kosten. Außerdem schleppt EdF noch eine Schuldenlast von 37,4 Mrd. Euro mit sich herum. Da stellt sich schon die Frage, ob der Konzern noch 16 Mrd. Euro in ein neues Projekt wie Hinkley Point stecken sollte – auf 35 Jahre garantierter Strompreis hin oder her.

Tod der französischen Nuklearsparte befürchtet

Der Staat, der als Hauptaktionär 85 % der Anteile an EdF hält, hat da ein gewichtiges Wort mitzureden. Dass die Entscheidung gegen Hinkley Point fällt, scheint unwahrscheinlich, auch wenn Rating-Agenturen bereits angekündigt haben, EdF weiter herunter zu stufen, wenn es die 16 Mrd. Euro in den britischen EPR investiert. EdF-Chef Jean-Bernard Lévy verweist darauf, dass die Summe nur 15 Prozent der jährlichen Investitionen des Konzerns ausmache. Doch hatte EdF-Finanzchef Thomas Piquemal das Risiko so hoch eingeschätzt, dass er den Verzicht auf das Projekt forderte und weil man ihm nicht folgte, Anfang März zurücktrat.

Ein Rückzug aus Hinkley Point würde für den Staat wie auch für Lévy „den Tod der französischen Nuklearsparte“ bedeuten, wie Le Monde schreibt. Die aber hatte man erst kürzlich durch die Übernahme von Areva NP durch EdF retten wollen. Würde man auf Hinkley Point verzichten, so würden "japanische, chinesische oder russische Akteure den Platz der Franzosen übernehmen", heißt es aus der Regierung und der Unternehmensspitze. Angesichts der Pannen und Probleme beim Bau des EPR in Flamanville will EdF laut dem Bericht auf Nummer sicher gehen: Statt in Frankreich bei Le Creusot sollen die beiden Reaktorbehälter für Hinkley Point in Japan gefertigt werden.

Der Staat, der EdF, wie Macron einräumte, quasi als Melkkuh ansah und sich in den vergangenen zehn Jahren „zu hohe Dividenden“ in Höhe von durchschnittlich 2 Mrd. Euro jährlich zubilligte, scheint bereit, EdF finanziell zu stützen. Eine Aufstockung des Kapitals dürfte aber dem Vernehmen nach wohl daran scheitern, dass „es nicht in Frage kommt, die Staatsschulden zu erhöhen“, wie der französische Finanzminister Michel Sapin bereits wissen ließ. Dann aber müssten Anteile an anderen Unternehmen veräußert werden.

Wirtschaftsminister Macron deutete an, dass der Staat, wie bereits 2015, sich seine Dividende statt in Bargeld in Aktien auszahlen lassen könnte und damit 1,8 Mrd. Euro mehr in der Kasse von EdF verbleiben würden. Möglicherweise werden auch die Beschäftigten von EdF zurückstecken müssen: Jährliche Lohnerhöhungen von durchschnittlich 3,5 % wie in den letzten zehn Jahren seien der finanziellen Lage des Unternehmens nicht angemessen, meint Macron.
 

Angelika Nikionok-Ehrlich
Redakteurin
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Donnerstag, 24.03.2016, 17:11 Uhr

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