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Enerige & Management > Windkraft Offshore - Eckpunkte für dynamische Offshore-Ausschreibungen sind da
Quelle: Fotolia / vadim petrakov
WINDKRAFT OFFSHORE:
Eckpunkte für dynamische Offshore-Ausschreibungen sind da
Schritte von 150.000 und 75.000 Euro/MW - so stellt sich die Bundesnetzagentur die Gebotskomponente für künftige, nicht voruntersuchte Offshore-Windparkflächen vor.
 
Die Beschlusskammer 6 (BK 6) der Bundesnetzagentur (BNetzA) hat am 17. Oktober Eckpunkte für die Auktionierung nicht voruntersuchter Offshore-Windparkflächen zur Konsultation  gestellt. Demnach findet, wenn auf eine "nicht zentral voruntersuchte Fläche" in der deutschen See mehrere Gebote eingehen, ein dynamisches elektronisches Gebotsverfahren statt. Bisher wurden nur Flächen ausgeschrieben, die bereits zentral durch das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) voruntersucht waren. Die Ausschreibungen wurden statisch durch Abgabe eines einzigen Gebots auf Papier oder per Fax durchgeführt.

Aus einem Segment mach zwei

Die Ampelkoalition will die Offshore-Ausschreibungsvolumina, die bisher bei grob 1.000 MW pro Jahr lagen, 2023 und 2024 auf 8.000 bis 9.000 MW jährlich vervielfachen, so das von ihr geänderte Windenergie-auf-See-Gesetz (WindSeeG) . Bis 2030 beispielsweise soll die installierte Leistung in der deutschen Nord- und Ostsee von derzeit knapp 8.000 auf mindestens 30.000 MW steigen.

Zu dem bisher einzigen Segment voruntersuchter Flächen, die jeweils am 1. Juli eines Jahres unter den Hammer kommen sollen, tritt zur Beschleunigung des Ausbaus ein zweites Segment "nicht zentral voruntersuchter" Flächen hinzu. Die erfolgreichen Bieter müssen diese dann auf eigene Kosten auf deren Eignung für Windkraft begutachten. Die Flächen in diesem neuen Segment werden von 2023 an jährlich am 1. August ausgeschrieben.

Die BNetzA entscheidet über nicht voruntersuchte Flächen nicht wie beim bisherigen Segment nach dem niedrigsten Gebot für einen garantierten Stromabnahmepreis und bei mehreren Null-Cent-Geboten nach dem Los. Vielmehr wendet sie ein Punktesystem aus dem novellierten WindSeeG an. Die Hälfte der erzielbaren Punkte macht die sogenannte Gebotskomponente aus, um die es in den neuen Eckpunkten ausschließlich geht.

Die andere Hälfte sind laut Paragraf 53 der Novelle, die am 1. Januar 2023 in Kraft tritt, zu gleichen Teilen qualitative Kriterien:
  • die überstrichene Rotorfläche,
  • die erwartete Gesamtstromerzeugung,
  • der Anteil der schon verkauften Strommenge (Power Purchase Agreements oder Direktvermarktungsverträge),
  • der Anteil der installierten Leistung, die ohne schallintensive Impulsrammung und stark den Seeboden versiegelnde Schwergewichtsgründungen errichtet wird,
  • sowie die vorgesehene Recyclingquote bei den Rotorblättern.
Gegen die Gebotskomponente hatte sich die Offshore-Branche erfolglos mit dem Argument gewehrt, sie verteuere nur den Erneuerbaren-Zubau zugunsten des Staatssäckels. In ihr geben Bieter an, wie viel sie pro MW bereit sind zu zahlen, um die ausgeschriebene Fläche zu bekommen. Die Branche hätte sich wenigstens eine Deckelung gewünscht.

Auch Zwischenrunden möglich

Die BK 6 macht nun klar, dass sie einer elektronischen dynamischen Versteigerung der Gebotskomponente gegenüber Papier und Fax den Vorzug gibt, um kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) gerecht zu werden. Weitere Eckpunkte:
  • Alle Bieter müssen ihre Gebote an einem zuvor festgelegten Werktag in Nordrhein-Westfalen in jeweils einer geschlossenen Benutzergruppe (GBG) mit der BNetzA abgeben.
  • Es gibt eine unbegrenzte Anzahl von in der Regel zweistündigen Runden, bis nur noch ein Bieter mithält.
  • Die Bieter sehen in jedem Durchlauf die Zahl ihrer Wettbewerber.
  • In der ersten Runde werden 150.000 Euro/MW aufgerufen. Um für eine übliche 1.000-MW-Windparkfläche zu bieten, sind das also 150 Mio. Euro.
  • Gehen alle Bieter mit, werden in der folgenden Runde gleich 150.000 Euro/MW mehr aufgerufen.
  • Gehen nicht alle Bieter mit, werden im nächsten Durchlauf nur 75.000 Euro/MW addiert.
  • In jeder Runde darf weniger geboten werden, als jeweils aufgerufen ist, es muss aber mehr sein als in der Runde zuvor ("Zwischenrunden-Gebot"). Machen das alle Bieter so, entscheidet das höchste Zwischenrunden-Gebot.
  • Der letztlich übrig bleibende Bieter ist bei der Gebotskomponente der Sieger und hat damit 50 % der Gesamtpunktzahl sicher. Die unterlegenen Mitbewerber erhalten ihre Bewertungspunkte nach dem Verhältnis ihres jeweils letzten Gebots zum Höchstgebot.
Die BK 6 berücksichtigt Stellungnahmen zu ihren Eckpunkten, die bis 28. Oktober bei ihr eingehen.
 

Georg Eble
Redakteur
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Dienstag, 18.10.2022, 13:11 Uhr

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