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Enerige & Management > Effizienz - Echten Nutzwert fördern statt blanke Theorie
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EFFIZIENZ:
Echten Nutzwert fördern statt blanke Theorie
Bei einem Treffen von Energieeffizienz-Netzwerken sprach auch Bayerns Finanzminister Albert Füracker. Er will mehr Anreize für den Klimaschutz setzen, aber nicht mit mehr Steuern.
 
An der Ostbayerischen Hochschule Amberg-Weiden (OTH) trafen sich Vertreter von rund 20 Energieeffizienznetzwerken, die vom Institut für Energietechnik (IfE) an der OTH betreut werden. Es waren mehr als 100 Teilnehmer aus Unternehmen und Kommunen gekommen, um sich über ihre regionalen Netzwerk-Treffen hinaus auszutauschen. Die Netzwerkkonferenz der OTH fand am 12. September statt.

Dabei sind nicht nur erfolgreiche Projekte vorgestellt, sondern vor allem Probleme bei der kommunalen Energiewende angesprochen worden. „Wo brauchen Unternehmen und Kommunen Unterstützung? Wo hakt es?“. Das ist laut Markus Brautsch, Professor und Geschäftsführer des IfE, der Ansatz für die Netzwerk-Tätigkeit der technischen Hochschule; deren Schwerpunkt unter anderem auch die KWK ist.

Der bayerische Finanzminister Albert Füracker (CSU), der ebenfalls zu einem Grußwort vorbeischaute, sagte in Amberg, dass er die Netzwerkarbeit der OTH „beeindruckend“ finde und solche Netzwerke essentiell für die dezentrale Energiewende seien. Es brauche eine solche Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Unternehmen und der Forschung in den verschiedenen Regionen. „Denn Klimaschutz gelingt nur, wenn zugleich die Wirtschaft nicht abgewürgt wird“, zeigte sich Füracker überzeugt. Dazu brauche es die modernsten Technologien, angepasst an die jeweilige Situation.

Zugleich betonte Füracker, dass es eine CO2-Steuer für mehr Klimaschutz aber nicht braucht. Das CO2-Problem würde die CSU lieber über den Emissionshandel steuern. Füracker sprach sich stattdessen für mehr Anreize aus, zum Beispiel in der Forschungsförderung. Genauer äußerste sich der Staatsminister aber nicht dazu.

Konkret hingegen äußersten sich Teilnehmer bei einer anschließenden Podiumsdiskussion zu den Problemen, die Energiewende vor Ort in die Tat umzusetzen. Beispielsweise erklärte Helga Schmidt-Neder, Bürgermeisterin der Stadt Marktheidenfeld (Landkreis Main-Spessart), dass die ausufernde Bürokratie und komplexe rechtliche Vorgaben mitunter eine hohe Schwelle bei Projekten darstellen. Der Erfahrungsaustausch über die Netzwerke sei hier sehr wichtig, betonte sie.

Netzwerkteilnehmer schätzen vor allem den offenen Austausch

Aber auch die Infrastruktur müsse schneller ausgebaut werden – etwa für die E-Mobilität. Jürgen Bayer, Geschäftsführer der Stadtwerke Bayreuth, beklagte bei diesem Punkt, dass sich beim Ladesäulenausbau die Autohersteller sehr zurückhaltend zeigten, obwohl ja gerade sie Autos verkaufen wollen. Zudem wird laut Bayer zu wenig über die E-Mobilität im öffentlichen Nahverkehr debattiert. Die E-Mobilität sei für den ÖPNV immer noch nicht praktikabel, so seine Ansicht. „Unsere Flotte in Bayreuth fährt mit Ökogas“, sagte Bayer. Zum einem sei die Ökobilanz bei E-Bussen im Vergleich dazu schlechter, außerdem gebe es nach wie vor kaum Hersteller für E-Busse.

Ein weiteres Thema, dass auf vielfaches Interesse stieß, war die Kraft-Wärme-Kopplung. Gerade die KWK sei eine wichtige Technologie bei dezentralen Strategien. Ihr sollte die Politik viel mehr Beachtung schenken, so Teilnehmer. Das spiegelt auch die Schwerpunkte der Beratungen im Rahmen der Energieeffizienznetzwerke wieder. Markus Brautsch stellte die Arbeit der Netzwerke in den vergangenen Jahren kurz vor und ging darauf ein, wo die Schwerpunkte bei der energetischen Beratung liegen.

Demnach beschäftigen sich Kommunen vor allem mit Sanierungen von Liegenschaften, dem Austausch der Straßenbeleuchtung sowie Effizienzsteigerungen und Monitoring von eigenen Erzeugungsanlagen - vielfach mit KWK.

Bei den Energieversorgern, die in Netzwerken organisiert sind, stehen vor allem Themen wie der Ausbau von Nahwärmelösungen und der Aufbau von Energiedienstleistungen auf der Agenda. Dazu gehört auch, dass sich EVU immer häufiger mit der Sektorenkopplung auseinandersetzen müssen.

Bei den Unternehmen geht es bei den Beratungen klar um Kostensenkungen und der Reduzierung von CO2. „Es schwebt immerhin eine CO2-Bepreisung über ihnen“, sagte Brautsch. Daher werde vor allem in den Bereichen Lastmanagement, Abwärmenutzung und Steigerung der Energieeffizienz investiert.

Mittlerweile arbeiten zwischen Aschaffenburg im Norden und dem Berchtesgadener Land im Süden mehr als 200 Gemeinden, Institutionen und Unternehmen in Netzwerken des IfE zusammen. Fast alle Netzwerke, das das Amberger Institut betreut, sind in die Verlängerung gegangen und werden weiterhin zusammenarbeiten, zog IfE-Geschäftsführer Brautsch eine erfreuliche Bilanz der Netzwerkarbeit mit den Kommunen und Unternehmen.
 

Heidi Roider
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