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Quelle: E-world
E&M VOR 20 JAHREN:
E-world: Schöne neue Welt
Im Jahr 2002 fand die zweite, für viele Teilnehmer damals die erste „richtige“ E-world statt. Sie war jedoch immer noch in erster Linie eine Energiehandelsmesse.
 
Von 1998 bis 2000 war die E-world nicht die E-world, sondern die „e-trade“. Diese fand im Düsseldorfer MCC mit allerlei bescheidenen Messeauftritten von rund 50 Unternehmen auf bescheidenen Flächen statt, die häufig gerade einmal Platz für einen Tisch und die Auslage von Broschüren ließen. Nach der Premiere der E-World 2001 und dem Umzug nach Essen, sollte die Veranstaltung 2002 die erste ernstzunehmende Duftmarke für die Vielfalt der neuen Energiewelt werden.

Allerdings waren immer noch zahlreiche Vertreter der „Old E-Conomy“ in Essen unter den Ausstellern und Referenten. Deshalb blieb die E-world of Energy 2002 noch, was die e-trade 1998 schon war: Ein Familientreffen der Trader, Broker, Analysten und IT-Dienstleister.
 
E&M-Redakteur Fritz Wilhelm gab Anfang 2002 in Energie & Management einen Ausblick auf die wenige Tage später stattfindende Veranstaltung.
 
Noch größer, noch vielfältiger und noch internationaler als im letzten Jahr werde die E-world of Energy sein, verkünden die Pressemitteilungen der Veranstalter. Dabei konnte man schon im letzten Jahr, als die noch junge E-world der etablierten Messe Essen mit der etablierten e-trade der Himmelsstürmer von ConEnergy fusioniert wurde, leicht den Überblick verlieren. Nicht, dass die Broschüre mit dem Kongressprogramm zu unübersichtlich oder die Gänge der Ausstellungshalle zu verwinkelt gewesen wären. Es gab schlicht mehr Konferenzen und Aussteller als man hat besuchen können, auch wenn die Veranstaltung doppelt so lange gedauert hätte. In diesem Jahr wollen zwischen dem 13. und 15. Februar 220 Aussteller aus 15 Ländern sowie 35 Konferenzen und Workshops ihren Besuchern und Teilnehmern die aktuellen Entwicklungen in der weiten Welt der Energiewirtschaft näherbringen.

220 Aussteller aus 15 Ländern werden erwartet
 
Nun wird das Interesse der Besucher nicht für alle Themen gleich stark sein, auch wenn innerhalb der Energiewirtschaft die Grenzen immer mehr verschwimmen. Und nicht jedes angekündigte Referat lässt bahnbrechende Enthüllungen vermuten. Die Kommunalen beispielsweise – eine Konferenz trägt den Titel „Stadtwerke im Wettbewerb“ – machen sich schon seit mindestens vier Jahren intensiv Gedanken, mit welchen Werbe- und Bindungsmaßnahmen sie dem Tod durch Kunden-Exodus entgehen können. Und die meisten leben noch und werden das wohl auch noch eine ganze Weile tun. Um keinen weißen Fleck auf der Energieweltkarte zu hinterlassen, gehört eine solche Veranstaltung aber sicherlich ins Programm, in das sich auch die Verbände der Vollständigkeit halber einreihen: Die VKU-Konferenz „Markt und Vertriebsstrategien für Stadtwerke, die VIK-Konferenz zur Energiebeschaffung im Wettbewerb, das VGB-Diskussionsforum „Erzeugung im Wettbewerb“ und die VDI-Konferenz für Energiemanagement. Daneben wird die Landesinitiative Zukunftsenergien NRW bei ihrer Jahrestagung in unsere Zukunft mit der Brennstoffzelle blicken. 

Aber die bunte Vielfalt der e-segmente konnte schon im letzten Jahr nicht darüber hinwegtäuschen, dass Etiketten wie „demand“ und „supply“ dem Kongress vor allem deshalb aufgeklebt wurden, um auf dem Weg zur wichtigsten Energiemesse in Europa auch den richtigen Namen zu führen. Schließlich soll auch dem Energieland Nordrhein-Westfalen, in dem die Old E-Conomy – siehe die Konferenz des Gesamtverbands des deutschen Steinkohlebergbaus - immer noch eine herausragende Rolle spielt, die Identifikation mit der Veranstaltung leicht fallen. Was augenscheinlich bereits gelungen ist, da Wolfgang Clement der Eröffnungsveranstaltung aller Voraussicht nach landesväterlichen Glanz verleihen wird.

Doch der Nabel der gesamten Energiewelt wird Essen auch in diesem Jahr nicht sein, zumindest noch nicht. Zu sehr schwebt über der Messe Essen noch der Geist der ersten drei Jahre im Düsseldorfer MCC, als die „Europäischen Energiehandelstage“ der e-trade das internationale Händlervolk buchstäblich ins Boot holte. Drei Tage mit hohem Identifikations- und Spaßfaktor waren es jedes Mal, und werden es in diesem Jahr auch wieder sein. Feiern und Fachsimpeln werden die Zeit der Trader, Broker, Analysten, Risiko- und Portfoliomanager und der IT-Dienstleister in Anspruch nehmen.
 
Bundesaufsichtsamtes für das Kreditwesen in der Konferenz

Im Konferenzprogramm geht es um den Konsolidierungsprozess der Börsen, um Online-Handelsplattformen und das OTC-Clearing, um die Liberalisierung des Gasmarktes im Allgemeinen und die Entwicklung der Gashandelsplätze und des Speichermarktes im Besonderen. Einen ganzen Tag lang wird systematisch über das Wetter und die entsprechenden Derivate gesprochen, die auch neue Teilnehmer, wie Banken und Rückversicherer in den Markt locken – und nicht nur die Betreiber von Biergärten. Ähnlich verhält es sich mit dem Emissionshandel, dessen Sinn sich den Bedenkenträger und Besitzstandswahrern der alten Welt allerdings noch nicht so recht erschließt.

Wer das Risikomanagement nicht allein seiner Bank und seinen Anwälten überlassen möchte, kann sich in Konferenzen über Corporate Risk Management und dessen juristische Rahmenbedingungen informieren. Juristisch interessant wird es auch, wenn der Präsident des Bundesaufsichtsamtes für das Kreditwesen (BAKred) die Aufsichtspraxis seiner Behörde im Hinblick auf den Terminhandel mit Energiederivaten erläutert.

Für besonderen Diskussionsstoff wird in diesem Jahr „der Fall Enron sorgen“. Nicht nur, weil sich daran zeigt, wie schnell aus leuchtenden Vorbildern abschreckende Beispiele werden, und dass für Kreditlinien die Zahlen den Ausschlag geben und nicht der Name. Sondern auch, weil die ehemaligen Angestellten des ehemaligen texanischen Branchenprimus am Rande der e-trade in eigener Sache die Werbetrommel rühren können, sofern sie noch keinen neuen Vertrag in der Tasche haben.

Die verschiedenen Lösungen für die Datenverarbeitung im Handel und Risikomanagement, im Kundenmanagement und Vertrieb und die Entwicklung der EDNA-Initiative zur Vereinheitlichung des Datenaustausches in der Energiewirtschaft stehen im Mittelpunkt der e-systems, die in diesem Jahr aus der e-trade ausgegliedert wurde. In die Welt des elektronischen Kaufens und Verkaufens sowie in das weite Feld der Dienstleistungen kann der Besucher eintreten, wenn er den Schildern „e-commerce“ und e-procurement“ folgt.

Das vielfältige Konferenzprogramm ist zu umfangreich, um es in wenigen Sätzen darzustellen. Schließlich brauchten die Veranstalter ganze 40 Seiten, um es auf Papier zu drucken. Wer sich ausführlich informieren möchte, kann dies im Internet tun.

Partys locken die Trader

Konferieren und fachsimpeln ist allerdings nur die eine Seite der E-world. Zum Mekka der Händlerszene – abgesehen von der Traders‘ Night von NordicPowerhouse auf dem Kiez in St. Pauli – ist sie nicht zuletzt auch wegen ihrer diversen Feiern geworden. Nicht ohne Grund springt deshalb RWE Trading am ersten Messe-Abend auf diesen Zug auf und bittet zum „Trader Event“. Geschäftsführer Jürgen Dennersmann und Kollegen können sicher sein, dass kaum jemand sich diesen entgehen lassen wird und sich alle unter dem Dach von RWE als große Familie fühlen werden. Am Abend des zweiten Tages treffen sich Aussteller und Referenten zum geistreichen und fröhlichen Miteinander bei der großen „Come-Together-Party“, um sich gegenseitig auf die Schulter zu klopfen. Für eine lockere Atmosphäre tagsüber in der Messehalle werden die Aussteller selbst mit geistigen Getränken, Häppchen und Weißwurstfrühstück sorgen.

Viele Telefonate dürften in den letzten Wochen mit einer Terminvereinbarung für die Messe geschlossen worden sein. Auch dem Autor wurde auffallend häufig die Frage gestellt „Sehen wir uns bei der e-trade?“ Absicht oder Freud’scher Versprecher? Beides ist denkbar. Auf jeden Fall wird aber dadurch deutlich, dass die drei Tage von Essen immer noch in erster Linie als Energiehandelstage wahrgenommen werden.

Zwar zeugen die Aussteller und Besucherzahlen der Veranstaltung von beeindruckender Größe, bis zum Ziel einer integrierten Energieschau ist es allerdings noch ein weiter Weg. Zumal die wirtschaftspolitischen Entscheidungsträger bislang noch den Wettebwerbsverhinderern demonstrativ die Stange halten.
 
 

Fritz Wilhelm
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