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Enerige & Management > Mobilität - E-Mobil statt Benzinkutsche - Wege zum Klimaschutz im Verkehr
Bild: ModernNomads / Shutterstock.com
MOBILITÄT:
E-Mobil statt Benzinkutsche - Wege zum Klimaschutz im Verkehr
Im Seminar „Alternative Antriebe und postfossile Kraftstoffe“ umrissen Experten Wege zur Klimaneutralität im Verkehrssektor. Im Straßenverkehr sei das Ende des Verbrennungsmotors nah.
 
Das Umweltbundesamt (UBA) veranstaltete am 11. Februar ein Webinar zu „Alternativen Antrieben und postfossilen Kraftstoffen“. Für das Klimaschutzziel von 65% weniger Treibhausgasemissionen bis 2030 muss der deutsche Verkehrssektor 73 Mio. t CO2-Äquivalent vermeiden, bis zur Klimaneutralität 2050 noch einmal 95 Mio. t. So beschrieb der UBA-Präsident Dirk Messner die Herausforderungen für den Sektor. Das gehe nur, wenn die fossilen Kraftstoffe nach und nach ersetzt werden.

Dafür gebe es verschiedene Wege, die je nach Bereich am effektivsten sind. Laut UBA sollten Bahn, Pkw und Lastnahverkehr elektrifiziert mit regenerativem Strom fahren, für den Straßenfernlastverkehr eventuell auch mit Oberleitungen. Knappe biogene Kraftstoffe oder Treibstoffe aus regenerativem Strom als Gas oder Flüssigtreibstoff sollten vorzugsweise für Flugverkehr und Schiffe vorbehalten bleiben.
 
Prognostizierte Verdrängung von Verbrennungsmotoren im Pkw-Bereich 
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Grafik: Agora Verkehrswende

Mobilitätswende ist mehr als Kraftstoffwechsel

Christian Hochfeld, Direktor Agora Verkehrswende, sagte in seinem Beitrag, dass ein Nachschärfen der deutschen Klimaschutzziele nötig sei. Im Verkehr genüge es nicht, mit neuen Antrieben weiter so wie bisher zu fahren. Vielmehr müsse eine Verkehrswende essenzieller Bestandteil werden, die Mobilität effizienter und nachhaltiger organisiert mit mehr öffentlichen Verkehrsmitteln und geteilter Nutzung von Fahrzeugen.

Auch er hält die Elektro-Mobilität für das Rückgrat klimafreundlichen Transports, weil Strom regenerativ erzeugt werden kann und bei direkter Nutzung effektiv verwendet wird. Eine Umwandlung in gasförmige oder flüssige Kraftstoffe senke dagegen den Wirkungsgrad und erhöhe die nötigen Strommengen, sagte Hochfeld. Auch im LKW-Verkehr prognostiziert er bis 2050 ein Drittel der Fahrleistungen mit elektrischen Antrieben. „Bereits heute ist in 15 Ländern ein Ausstiegsdatum für Verbrennungsmotoren in der Gesetzgebung“, wenn die deutsche Autoindustrie nicht schnell umsteuert, wird sie 40 Prozent ihrer Absatzmärkte verlieren“, warnte Hochfeld.
 
Exportziele deutscher Autos
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Grafik: Agora Verkehrswende

Diskussion bricht Lanze für Wasserstoff

In der Diskussion sagte Gerhard Zirsch, Energiemanager an der Österreichischen Wirtschaftskammer, in der EU verursachten PKW 55 % und Nutzfahrzeuge 45 % der Treibhausgasemissionen. Deshalb müsse der Transport mehr in den Fokus genommen werden. Er plädierte für grünen Wasserstoff als Treibstoff der Elektrifizierung in diesem Bereich, da Batterien zu schwer seien. Allerdings müsse dafür jetzt ein Tankstellennetz und die Erzeugung aufgebaut werden. „Renault, Hyundai, Honda und auch Daimler sehen in Wasserstoff die Chance für einen rascheren Umstieg“, sagte Zirsch.

Andere Diskussionsteilnehmer verwiesen darauf, dass in der Schweiz mit einem emissionsorientierten Mautsystem Null-Emissionsfahrzeuge im Logistik-Bereich in den Markt eingeführt würden. Trotz Technologieoffenheit scheinen sich dort Brennstoffzellennutzfahrzeuge durchzusetzen. Die Schweiz habe vor allem auch gezeigt, das sehr viel mehr Güterverkehr auf die elektrifizierte Schiene passt. Die deutsche Bundesregierung habe zwar das Ziel, bis 2030 den Güterverkehrsanteil der Bahn auf 25 % zu heben und eine Verdoppelung der Fahrgastzahlen zu erreichen. Dafür müsse allerdings noch massiv in Digitalisierung und Infrastruktur investiert werden.

Vor allem die Flottenalter und Lebensdauer von Schiffen und Flugzeugen machten es schwierig, sie rechtzeitig für die Erreichung der Klimaschutzziele auf neue Antriebe umzustellen, gaben Diskutanten zu bedenken. Daher sei es notwendig, ihnen klimaneutrale Treibstoffe für die vorhandenen Antriebe zur Verfügung zu stellen. Dafür müssten aber auch Häfen ausgerüstet werden. Lkw hätten eine kürzere Nutzungsdauer. Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des Verkehrsclubs VCD, plädierte für ein Bundesmobilitätsgesetz, das diese Entwicklungen regelt.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Donnerstag, 11.02.2021, 16:29 Uhr

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