• Betreiber müssen teuer zukaufen
  • Wetteraussichten: uneinheitlich
  • Interview: HDAX verstehen
  • Terminmarkt zieht deutsche PPA-Preise mit nach unten
  • Verbändeprotest wegen vermiedener Netzentgelte
  • Messtellenbetriebsgesetz mit weitreichenden Änderungen
  • Ferngasnetzbetreiber wollen für Ausbau-Anfragen Gebühren
  • Füllstand der Gasspeicher sinkt
  • Neues Strategiepapier für intelligente Stromnetze im Ländle
  • Am Weihnachtsbaum die (teuren) Lichter brennen
Enerige & Management > Effizienz - Druck auf Unternehmen steigt
Quelle: Postberg+Co. GmbH
EFFIZIENZ:
Druck auf Unternehmen steigt
Wärmevermeidung im Gebäudesektor ist einer der größten Hebel, um die Klimaziele zu erreichen. Zugleich geraten Unternehmen aufgrund neuer Berichtspflichten zusätzlich in Zugzwang. 
 
"Deutschland steht vor einem gewaltigen Transformationsprozess", sagte Wiko Specht, Geschäftsführer der BDI-Initiative Energieeffiziente Gebäude, auf dem 3. Kasseler Energiemanagertag, der sowohl in Kassel als auch online übertragen wurde. Um die Klimaschutzziele bis 2045 zu erreichen, sind Mehrinvestitionen für das Etappenziel bis 2030 von rund 860 Mrd. Euro erforderlich. Das gehe aus der gemeinsamen Studie "Klimapfade 2.0" des BDI und der Strategieberatung Boston Consulting Group (BCG) hervor.

Davon entfallen rund 170 Mrd. Euro auf den Gebäudebereich – sowohl Wohngebäude als auch Nichtwohngebäude. Und hier, so Specht, müssten vor allem die Verbräuche runter und die Effizienz erhöht werden. Im Wohnungsbereich sowie in der Industrie stecken insbesondere in der Wärme hohe Effizienzpotenziale. Auf der Nutzung von thermischer Energie lag auch der Themenschwerpunkt des diesjährigen Kasseler Energiemangertages.

Nachhaltigkeits- und CO2-Einsparstrategien werden für Unternehme und Gewerbebetriebe zudem immer wichtiger, nicht nur um Energiekosten einzusparen und um Kundenbedürfnisse zu erfüllen. Das liegt auch daran, dass auf Unternehmen neue Berichtspflichten in puncto Nachhaltigkeit zukommen aufgrund der EU-Taxonomie. Konzerne müssen bereits jetzt einen Nachhaltigkeitsbericht vorlegen, kleinere Unternehmen in den nächsten Jahren.

Thomas Schedl, Vorstand des Energieberatungshaus "SEMPACT AG", betonte bei seinem Vortrag zum Klima-Risikomanagement, dass Firmen sich CO2- sowie Nachhaltigkeitsziele festlegen sollten, auch um "künftig die Existenz des Unternehmens zu sichern", so Schedl. Dies liege auch daran, dass sich an solchen Nachhaltigkeitsberichten künftig auch Kreditvergaben orientieren werden sowie Geschäftsbeziehungen. Es werde immer wichtiger, Daten über die Nachhaltigkeit der Geschäftsmodelle transparent zur Verfügung zu stellen.

Schokoladenhersteller Ritter setzt auf nachhaltige Erzeugung

Mehrere Unternehmen und Hersteller zeigten in Vorträgen an dem Energiemanagertag auf, wie nachhaltige und ressourcenschonende Prozesse umgesetzt werden können. Ein Beispiel stammt vom Schokoladenhersteller Ritter. Das Unternehmen aus dem baden-württembergischen Waldenbuch habe hier bereits einen langen Weg hinter sich, sagte Energiemanager Benjamin Flaig. Bereits seit 20 Jahren setzt das Unternehmen auf erneuerbare Energien und habe in den vergangenen Jahren konsequent Maßnahmen umgesetzt. Seit dem Jahr 2019 sei Ritter an seinem deutschen Standort klimaneutral. Dafür hat der Schokoladenhersteller die Produktion umfassend analysiert, die erforderlichen Daten erhoben und effizienter gestaltet, etwa Walzen optimiert, Rührzeiten verkürzt sowie Raumluft-Klimatisierung modernisiert.

In diesem Jahr wird auf einer neuen Lagerhalle von Ritter zudem eine Solarthermieanlage mit 1,14 Mio. kWh in Betrieb gehen. "Diese Menge an Energie brauchen wir selbst nicht", so Flaig. Die Restwärme komme über ein neu gebautes Nahwärmenetz weiteren Nutzern zugute. Zusätzlich wurde auf einer weiteren Halle eine PV-Anlage mit 460 kW installiert. Flaig hofft, dass sie damit einen Autarkiegrad von rund 50 % erreichen werden. Neben dem energetischen Aspekt setzt Ritter stark auf nachhaltige Erzeugung seiner Produkte. Diese Strategie zahle sich langfristig aus. So stieg 2021 der Umsatz des Unternehmens um gut sieben Prozent auf 505 Mio. Euro. Nachhaltigkeit spiele für immer mehr Konsumenten eine entscheidende Rolle.

Anke Fröbel, Geschäftsführerin der Willbee Energy GmbH, der deutschen Tochter des Effizienzberaters DB Energy SA aus Polen, brachte Beispiele aus ihrer Beratungstätigkeit mit. Ein solches Praxisbeispiel stammt aus der Papierherstellung. Die Effizienzberater von Willbee haben etwa eine Wellpappen-Anlagen modernisiert. Das Ab- und Zuluftsystem wurde erneuert und über Plattenwärmetauscher wird vorher verlorene Wärme nun genutzt. Die Höhe der Einsparung liege bei diesem Beispiel allein bei 11,6 Mio. kWh jährlich. In vielen Unternehmen gibt es Möglichkeiten, die Effizienz ohne größeren Aufwand zu verbessern, die zugleich aber eine hohe Wirkung hätten, so Elektrotechnikerin Fröbel.

An dem Energiemanagertag wurden auch unterschiedliche Technologien vorgestellt wie Microgrids und Energiemanagement-Software, Wärmepumpensysteme für die Hallenkühlung sowie neue Drucklufttechniken. Bei allen Maßnahmen sind immer die zu erhebenden Daten wesentlich, um auf dessen Grundlage solide Entscheidungen treffen zu können. Im Allgemeinen sei es wichtig, möglichst viele Potenziale zu heben. Unternehmen sollten hier von Beratern und ihren eigenen Energiemanagern ermutigt werden, auch Neues auszuprobieren.

Der Energiemanagertag  mit rund 200 Teilnehmenden fand im ECKD Event- und Tagungszentrum Kassel statt sowie virtuell. Das Unternehmen Postberg, spezialisiert auf Drucklufteffizienz in der Industrie, ist der Veranstalter.
 

Heidi Roider
Redakteurin und Chefin vom Dienst
+49 (0) 8152 9311 28
eMail
facebook
© 2022 Energie & Management GmbH
Mittwoch, 23.02.2022, 11:09 Uhr

Mehr zum Thema