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Enerige & Management > Geothermie - Die Tiefengeothermie aus der Nische holen
Bild: Fotolia.com, Cardaf
GEOTHERMIE:
Die Tiefengeothermie aus der Nische holen
Ab 2021 gibt es rechtliche Neuerungen, die auch die Tiefengeothermie betreffen. Zudem soll es ein neues Förderprgramm geben, das beim Praxisforum Geothermie vorgestellt wurde.
 
„Die Geothermie wäre ein sehr potentes Werkzeug der Energiewende“, sagte Helmut Mangold, Geschäftsführer des Unternehmens „Innovative Energie für Pullach“, beim achten „Praxisforum Geothermie.Bayern“, das in diesem Jahr am 14. Oktober im Bürgerhaus Pullach nahe München sowie virtuell stattfand.

Um das geothermische Potenzial in Deutschland besser zu heben, müssten die Rahmenbedingungen andere sein. Mangold kritisierte vor allem, dass nach wie vor „hauptsächlich Brückentechnologien mit Milliarden gefördert“ werden. Zugleich würden ökonomische Ungleichbehandlungen die Geothermie weiterhin auf dem Markt behindern. Hier plädierte er beim Praxisforum dafür, die Tiefengeothermie besserzustellen.

„Zwar brachte die KWKG-Novelle vom Sommer einen zusätzlichen Wärmebonus für Strom, wenn die Kopplungswärme in ein Netz mit einem hohen Anteile an erneuerbarer Wärme gelangt“, sagte er. Besonders dumm sei es aber, wenn – wie in Pullach – ein Fernwärmenetz auf Basis von Tiefengeothermie aufgebaut wird. „Denn hierfür bekommt man gar nichts“. Diese Schieflage müsse schnellstens abgebaut werden, so sein Appell. Denn die Geothermie sei die schnellste Möglichkeit der Dekarbonisierung von Wärme, für die mehr als 50 % des Primärenergieaufkommens verwendet werde. Mangold: „Geothermie deckt außerdem den zunehmenden Kältebedarf in Ballungsräumen ab, über wärmebetriebene Kältemaschinen oder eigene Kältenetze kann bei Bedarf auch Regelenergie regional bereitgestellt werden“.

Neben der Kritik gab es in Pullach aber auch Positives zu vermelden. Einige rechtliche Änderungen, die wohl im nächsten Jahr in Kraft treten, kommen wohl auch der Tiefengeothermie zugute. Außerdem wird gerade an einem neuen „Bundesprogramm effiziente Wärmenetze“ gearbeitet, das Martin Pehnt vom Ifeu-Institut vorstellte. Das Ifeu-Institut hat einen Vorschlag für das Bundeswirtschaftsministerium erarbeitet wie eine solche Förderung künftig aussehen kann. Hintergrund ist, dass das Marktanreizprogramm ausläuft.

Neue rechtliche Rahmenbedingungen für Geothermie

Im Wesentlichen sieht das neue Bundesprogramm drei Säulen der Förderung vor, und auch die Tiefengeothermie könnte dadurch künftig von einer höheren Förderung profitieren, wenn es seitens der Politik so angenommen wird. „Bislang sind das aber alles nur Vorschläge“, sagte Pehnt daher in Pullach beim Praxisforum Geothermie Bayern. Das Programm sieht erstens eine Förderung für vorbereitende Maßnahmen vor. Dazu zählen Machbarkeitsstudien oder auch Wärmenetz-Transformationspläne. Als zweite Säule ist eine „innovative Grundförderung“ für EE-Wärmeerzeuger sowie Netzinfrastruktur mit Förderquoten bis zu 40 % vorgesehen.

Die dritte angedachte Säule in diesem „Bundesprogramm ist in der Wärmeversorgung ein echtes Novum“, so Pehnt. Zusätzlich soll es eine erfolgsabhängige Betriebsprämie für EE-Erzeuger geben. Das Ifeu-Institut hat in seinem Vorschlag eine Förderlänge von zehn Jahren sowie eine Prämie von bis zu 7 Ct/kWh vorgeschlagen. „Nun hoffen wir, dass unser Vorschlag auch so umgesetzt wird“, sagte Pehnt.

Andere Änderungen sind bereits weiter. So gab Benjamin Richter von Rödl & Partner einen kurzen Überblick über neue rechtliche Rahmenbedingungen. Darunter die Novellierung des EEG. „Das EEG 2021 verspricht eine spätere und geringere Degression der Förderung für Geothermieanlagen“, sagte er. Die jährliche Degression wird von derzeit 5 auf 2 % reduziert und sie beginnt ein Jahr später, also von 2022 an zu laufen.

Zudem wird es weiterhin keine Ausschreibungen bei Geothermie geben, was von der Geothermie-Branche als positiv gewertet wird. Weiterhin wirkt sich auch das Strukturstärkungsgesetz aus. Die Folgen des Kohleausstiegs sollen über dieses Gesetz abgeschwächt werden. Daher ist unter anderem auch ein neues Fraunhofer-Institut für Geothermie vorgesehen, das bereits im Entstehen ist. Außerdem sollen zwei Tiefengeothermieborhungen in Ost- und in Westdeutschland entstehen sowie ein Kompetenzzentrum Wärmewende. Auch vom Brennstoffemissionshandelsgesetz erhoffen sich die Geothermie-Fachleute künftig eine bessere Wettbewerbsposition.

Das „Praxisforum Geothermie.Bayern“ fand in diesem Jahr zum achten Mal statt, wird von der Agentur Enerchange veranstaltet.
 

Heidi Roider
Redakteurin und Chefin vom Dienst
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Mittwoch, 14.10.2020, 15:06 Uhr

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