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Enerige & Management > Stadtwerke - "Die Palette der möglichen Anwendungen ist riesig"
Bild: Fotolia.com, nmann77
STADTWERKE:
"Die Palette der möglichen Anwendungen ist riesig"
Die Stadtwerke Osnabrück haben ein Lorawan-Netz und sind mit den eigenen Anwendungen bereits über die Pilotphase hinaus. Ein Gespräch mit dem Lorawan-Verantwortlichen Ingo Lemme.
 
 
E&M: Herr Lemme, warum haben Sie in Osnabrück ein Lorawan-Netz aufgebaut?

Lemme: Wir wollten uns zunächst mit der neuen Technik auseinandersetzen und Erfahrungen sammeln. Dabei haben wir relativ schnell festgestellt, dass es eine Technik ist, die wirklich ihre Berechtigung am Markt hat, wenn es um die Übertragung von Signalen und Messwerten mit geringen Datenmengen geht. Sie eignet sich besonders dort, wo es weder einen Strom- noch einen Telekommunikationsanschluss gibt.

E&M: Hatten Sie eher interne oder externe Anwendungen dafür im Auge?

Lemme: Wir sind mit einigen Anwendungen gestartet, die für uns intern wichtig sind, zum Beispiel die Steuerung der Straßenbeleuchtung. Sie sollte digitalisiert und flexibilisiert werden. Also haben wir die klassischen Rundsteuerempfänger durch Sensorik ersetzt, die dafür sorgt, dass sich die Lampen je nach Umgebungshelligkeit selbst ein- und ausschalten. Außerdem haben wir Kleinpumpwerke, die das Abwasser im Kanalsystem transportieren, mit Lorawan-Sensoren ausgestattet. Hier geht es um die unmittelbare Meldung von Störungen und die Optimierung von Wartungszyklen. Mit diesen Anwendungen haben wir zunächst interne Prozesse optimiert und Erfahrungen gesammelt. Langfristig sehen wir uns als Anbieter von gewerblichen Lorawan-Anwendungen, also auch für Dritte.

E&M: Haben Sie eine Liste von Anwendungen abgearbeitet, für die Sie schon lange nach Lösungen gesucht haben?

Lemme: Wir haben auch Anwendungen ‚entdeckt‘ und festgestellt, dass wir Dinge regeln, steuern und messen können, an die wir zuvor gar nicht gedacht haben, etwa Gasdruckregelanlagen. Das sind Gasstationen, die in der Regel keinen Stromanschluss haben und weit außerhalb liegen. Man muss zwar nicht permanent Druckwerte messen, aber mit zunehmenden Anforderungen an die Gasnetze nimmt natürlich auch der Informationsbedarf zu. Für diese Daten wird aber nicht gleich ein Glasfaseranschluss benötigt − Lorawan leistet hier gute Dienste und sorgt dafür, dass wir effizienter werden. Unsere Kollegen müssen nicht mehr mehrmals pro Monat mehrere Stunden im Einsatz sein, nur um einen Wert zu erheben.
 
„Der Bedarf im kommunalen Umfeld, aber auch in der Industrie ist groß“
 
E&M: Gibt es die Sensorik für all die verschiedenen Anwendungen von der Stange?

Lemme: Für die Gasdruckregelanlagen entwickeln wir momentan gemeinsam mit Lotec, einem ehemaligen Start-up aus Osnabrück und Spezialisten für individuelle Sensorlösungen, einen neuen Sensor. Den wollen wir bis zur Marktreife bringen. Das zeigt, dass wir mit dieser Anwendung definitiv über das Pilotstadium hinaus sind. Jetzt passen wir die Hardware an unsere ganz spezifischen Bedürfnisse an. Für einen anderen Use Case, die Parkraumbewirtschaftung, nutzen wir dagegen Sensorik, die wir am Markt zukaufen.

E&M: Damit haben Sie den Schritt zur externen Vermarktung von Lorawan-basierten Dienstleistungen gemacht …

Lemme: Nicht ganz. Die Sensoren für die Parkräume nutzen wir innerhalb unseres Stadtwerkekonzerns. Eine Tochtergesellschaft ist für die Parkraumverwaltung in Osnabrück verantwortlich und somit unser interner Kunde.

E&M: Bieten Sie die Lorawan-Dienstleistungen auch als White-Label-Lösung Dritten an?

Lemme: Das wird im Moment diskutiert. Wir haben in den vergangenen zwei Jahren ein umfangreiches Know-how aufgebaut. Es ist durchaus denkbar, das weiterzugeben. Der Bedarf im kommunalen Umfeld, aber auch in der Industrie ist groß und die Palette der möglichen Anwendungen riesig.

E&M: Die Parkraumverwaltung, die Müllstandserfassung − das sind Anwendungen, die oft im Zusammenhang mit Lorawan genannt werden. Gibt es Anwendungen, die in der öffentlichen Diskussion noch nicht vorkommen?

Lemme: Die ‚typischen‘ Smart-City-Anwendungen sind in der Tat schon relativ weit verbreitet. Wir nutzen Lorawan-Überwachung durch Türsensoren auch an den Toren unserer Bäder. Denn für Reinigungspersonal und Handwerker gibt es eigene Ein- und Ausgänge. Um sicherzustellen, dass nach Feierabend alles verschlossen ist, haben wir dort Sensorik installiert. Eine bisher noch kaum diskutierte Anwendung ist die Lorawan-basierte Mausefalle. Wir überlegen gerade, eine solche zu entwickeln. Denken Sie etwa an Bäckereien oder andere Betriebe in der Lebensmittelindustrie. Dort gibt es Lebendfallen, die regelmäßig kontrolliert werden müssen. Das ließe sich durch einen Lorawan-Sensor automatisieren und effizienter gestalten.

E&M: Ist Lorawan eigentlich immer wirtschaftlich?

Lemme: Die Kosten der Anwendungen sind relativ gering und die Alternativen meistens relativ teuer. Lorawan-Technologie für die Übertragung einfacher Daten ist immer eine Überlegung wert und in der Regel auch wirtschaftlich.

E&M: Für die externe Vermarktung muss es aber auch eine entsprechende Zahlungsbereitschaft geben.

Lemme: Die gibt es für alle möglichen Anwendungen. Die Information, ob auf einem Parkplatz mit Ladesäule ein Fahrzeug lädt, kurzzeitig parkt oder sogar Dauerparker ist, ist für einen Parkraumverwalter wertvoll − zum einen für die Kalkulation des Absatzes an Kilowattstunden, zum anderen für die Vermarktung der Ladepunkte. Er muss ja dem E-Auto-Fahrer anzeigen können, wo es gerade Lademöglichkeiten gibt. Und wenn wir zur umweltsensitiven Verkehrslenkung kommen wollen, kommen wir um Parkraumsensorik sowieso nicht mehr herum. E&M
 

Zur Person: Ingo Lemme

Über 20 Jahre ist Ingo Lemme in der Telekommunikationsbranche „zu Hause“, wie er sagt. Über den geförderten Breitbandausbau bei EWE kam er zum Thema „Digitale Vernetzung − Internet der Dinge“. Seit 2018 ist er bei der SWO Netz GmbH, einer Tochtergesellschaft der Stadtwerke Osnabrück, in der Geschäftsfeldentwicklung für Telekommunikation tätig. Dort treibt er mit einem jungen Team das neue Geschäftsfeld rund um Lorawan, Smart City Use Cases und alle weiteren Herausforderungen auf dem Weg zur digitalen Daseinsvorsorge in der Region voran.
  
 

Fritz Wilhelm
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