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WINDKRAFT OFFSHORE:
Die langweiligste Offshore-Auktion, die es je gab
Am 1. September geht das nächste Gigawatt deutsche Windkraft auf See unter den Hammer. Zwei Gründe, warum das Ergebnis schon feststeht.
 
Der nächste Offshore-Zuschlag im Gigawattbereich in deutschen Gewässern wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit an eine Tochter des schwedischen Energiekonzerns Vattenfall gehen. Das geht aus einer Stellungnahme von Vattenfall Deutschland auf Anfrage dieser Redaktion hervor.

Zuerst hatte das Portal Offshore Energy berichtet. Vattenfall habe schon erste Dienstleistungen für das 980-MW-Projekt "Global Tech II" in der Nordsee EU-weit ausgeschrieben.

Demnach "plant" Vattenfall erstens selbst, an der Ausschreibung von Global Tech II - der Nordsee-Fläche N-7.2 - teilzunehmen. Sie liegt direkt südlich des EnBW-Vorhabens "He dreiht" und zweier weiterer, bereits produzierender EnBW-Windparks. Zweitens "beabsichtigt" Vattenfall "gegebenenfalls", wenn es in der Ausschreibung wegen niedrigerer Wettbewerbsangebote nicht den Zuschlag bekommt, seine Eintrittsrechte in die Fläche wahrzunehmen und dem Unternehmen, das dann den Zuschlag bekommen wird, ihn kurz danach legal aus der Hand zu nehmen.

Am 1. September kommt die Fläche bei der Bundesnetzagentur unter den Hammer - und, bestimmt, ohne es zu wollen, hat jetzt Vattenfall bei den Wettbewerbern die Botschaft platziert: Ihr braucht den Business Case "Global Tech II" für Euch gar nicht so genau durchrechnen, ihr bekommt ihn von uns ohnehin abgenommen. Das wäre allerdings angesichts der Attraktivität aller Vergabeflächen auch ohne eine Äußerung der Schweden offensichtlich gewesen.

Die Sache mit den Eintrittsrechten

Das hat rechtliche Hintergründe: Deutschland stellte 2017 auf Offshore-Ausschreibungen statt Fixvergütungen um und die Vergabe der Flächen auf ein "zentrales System". Das bedeutet, dass der Zuschlagsinhaber sich gleichzeitig ein Recht erwirbt, beim Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) einen Planfeststellungsantrag zu stellen, sprich, Baurecht zu beantragen. Einige Projekte aus dem alten System waren aber schon fortgeschritten. Deren Inhaber bekamen dann im Sinne des Vertrauensschutzes Eintrittsrechte in ihre entwickelten Flächen, die nun unter den Hammer kamen.

Im Falle von "Global Tech II" mit geplant 980 MW waren das ursprünglich die Projektgesellschaften "Erste Nordsee-Offshore-Holding GmbH" und „PNE Wind Atlantis I GmbH“. Vattenfall hatte diese schon in den Jahren 2016 und 2017 käuflich erworben. Die eine Gesellschaft war bis zum Verkauf an die Schweden ein Gemeinschaftsunternehmen von Strabag und Etanax, die andere gehörte dem Projektentwickler PNE aus Cuxhaven. 

Inhaber von Eintrittsrechten müssen diese jeweils bis Anfang November ausüben, indem sie vor allem ihre Bereitschaft erklären, sich mit dem kWh-Preis des Zuschlags an den wettbewerblichen Bieter zufriedenzugeben. Dann nehmen sie ihm die Zuschlagsrechte ab und können sie selbst wahrnehmen. 

Da es angesichts des gemächlichen Gigawatt-Tempos pro Jahr und bester Vermarktungsaussichten mehr Nachfrage als Angebot gibt, musste bei der jüngsten Auktion am 1. September 2021 bei mehreren Flächen das Los entscheiden, weil mehrere Bieter null Cent Förderung pro kWh geboten hatten. Und die Eintrittsrechte wurden bisher ausnahmslos in Anspruch genommen.

Der zweite Grund für die Farce

Was die Runde am 1. September 2022 noch langweiliger machen wird: Es wird nur diese eine Großfläche ausgeschrieben. Und deren Ergebnis steht quasi fest.

Angesichts dieser Sonderumstände ist eine weitere, normalerweise höchst attraktive Fläche unattraktiv für den Bietermarkt geworden. Der Rest ist Spieltheorie: Sollte Vattenfall vor diesem Hintergrund eine Wahrscheinlichkeit kalkulieren, dass kein Wettbewerber unter diesen Umständen bietet, zumindest nicht 0 Ct/kWh, könnte der Konzern einen Umschlag mit einem positiven Cent/kWh-Gebot einreichen, vielleicht sogar einem hohen, um beides zu bekommen: Claim und Marktprämie. Es kann den Schweden ja nichts passieren, sie können notfalls auf ihr Eintrittsrecht zurückfallen, dann halt zu dem Gebot des zunächst erfolgreichen Wettbewerbers.

Bietet also ein Wettbewerber 0 Cent, vor allem, um zu verhindern, dass Vattenfall eine Monopol-Marktprämie bekommt, muss er die Risiken dieser Taktik trotzdem durchrechnen: Bin ich dazu in der Lage, den Windpark doch zu errichten, wenn Vattenfall plötzlich doch von seinem Eintrittsrecht absieht? Wie hoch ist die Eintrittswahrscheinlichkeit? Was ist es wert, Vattenfall die finanzielle Absicherung zu vermasseln, die eine Förderzusage darstellt - selbst dann, wenn Vattenfall sie dann gar nicht in Anspruch nimmt, weil im PPA-Markt ungleich höhere Erlöse zu bekommen sind?

Die 2022er-Offshore-Ausschreibung ist also schon jetzt eine Farce. Das Ergebnis und die rechtlichen Wirkungen erfährt der Markt erst in mehr als einem halben Jahr.
 

Georg Eble
Redakteur
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Montag, 14.03.2022, 16:25 Uhr

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