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Bild: Fotolia, anweber
PHOTOVOLTAIK:
Die Immobilie zum Kraftwerk machen
Das neu gestartete Forschungsprojekt "MELANI" untersucht, wie sich mehrere Wohnparteien eines Mehrfamilienhauses eine Solaranlage samt Stromspeicher teilen können.
 
Eigentlich gibt es beim Projekt Melani nur Gewinner, denn wie Tim Meyer, Vorstand bei der Naturstrom AG betont: "Die günstige Stromerzeugung im Gebäude lohnt sich für alle − für die Bewohner, den Vermieter und den Klimaschutz. Dieser Nutzen lässt sich durch einen mit einem Energiemanagement-System kombinierten Stromspeicher, auf den alle Wohnparteien zugreifen können, noch deutlich erhöhen."

Der Düsseldorfer Energieversorger ist der Koordinator des jetzt gestarteten Forschungsprojektes mit Namen Melani. An dem Forschungsvorhaben beteiligt sind auch SMA Solar Technology, die Physikalisch-Technische Bundesanstalt und das Elenia-Institut für Hochspannungstechnik und Energiesysteme der technischen Universität Braunschweig. Auch vonseiten der Wohnungswirtschaft bekommt das Projekt Unterstützung.

Eine "harte Nuss" wollen die Projektpartner knacken, wie Naturstrom mitteilt. Die Crux liegt in der Messtechnik, dem Energiemanagement und den Abrechnungsprozessen: Greifen mehrerer Wohnparteien auf ein und denselben Stromspeicher zu, müssen die aus der hauseigenen Erzeugungsanlage, dem Speicher oder dem öffentlichen Netz genutzten Strommengen pro Wohnpartei exakt bestimmt und abgerechnet werden.

Einzug der digitalisierten Energiewende im Mehrparteienhaus

Ziel ist, diese Daten eichrechtskonform zu erfassen und relevanten Marktpartnern im Strommarkt zur Verfügung stellen. Dazu zählen neben dem lokalen Stromnetzbetreiber auch die Stromanbieter der Hausbewohner. Als Kernaufgabe sieht das Projekt Melani daher an, die nötige Messtechnik zu entwickeln und sie eichrechtskonform auszugestalten sowie die Messwerte rechtssicher abzurechnen. Wie Projektleiter Hauke Witte von Naturstrom anführt, gehe es auch darum, ein Geschäftsmodell zu entwickeln, um die Nutzung von Solaranlagen und Stromspeichern für Bewohner und auch Investoren attraktiv zu machen.

Die Auswirkungen des Projektes sieht der Projektkoordinator als immens an. Naturstrom-Vorstand Tim Meyer dazu: "Mit Melani erschließen wir den Geschosswohnungsbau für die Speichernutzung. Damit geht ein enormer Modernisierungsschub für die energetische Gebäudetechnik einher. Denn mit der Optimierung der lokalen Ökostromerzeugung, ihrer Speicherung, der Nutzung durch die Wohnparteien oder auch im Schaffen von Lademöglichkeiten für E-Fahrzeuge hält die Digitalisierung der Energiewende im Mehrparteienhaus Einzug. Wir schaffen die Grundlagen, damit künftig ein Großteil der Bevölkerung Teil einer digitalisierten Energiewende sein kann." 

19 Millionen Mietwohnungen in Deutschland 

Das Potenzial sei groß: Rund 19 Millionen Mietwohnungen gibt es laut Naturstrom in Deutschland. Deren Eigentümer und Bewohner würden bei der Energiewende "nur zuschauen". Dagegen steige in Eigenheimen die Nutzung von Stromspeichern rasant.

Der Zeitplan der Forschungspartner sieht vor, in gut einem Jahr die erarbeiteten Lösungen in einem Feldtest praktisch umgesetzt und erprobt zu haben. Hierfür seien sie bereits auf der Suche nach einer passenden Immobilie. Um verlässliche, rechtliche und regulatorische Rahmenbedingungen für innovative Geschäftsmodelle zu schaffen, beabsichtigen die Partner auch im politischen Bereich Aufklärungsarbeit zu leisten. 

Melani ist auf drei Jahre angelegt. Das Bundeswirtschaftsministerium steuert einen Betrag von 2,3 Mio. Euro bei.
 

Davina Spohn
Redakteurin
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Dienstag, 26.01.2021, 14:00 Uhr

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