• Erneuerbare drücken Strompreise am kurzen Ende
  • Leags Energy Cubes haben sich emanzipiert
  • Serienproduktion für weltgrößten Windpark startet
  • BEE entwirft Strommarktdesign für Klimaneutralität
  • Mehr regenerative Energie und mehr Gaskraftwerke erforderlich
  • Große Skepsis gegenüber Atomkraft
  • Preisobergrenze am Regelmarkt ausgesetzt
  • Bundesnetzagentur bestätigt Entwicklungsplan von 2021-2035
  • Stadtwerker als Comicfiguren
  • Ausschreibungsergebnisse vom 1. Dezember 2021 veröffentlicht
Enerige & Management > Klimaschutz - Die globale Energiewende kommt langsam voran
Quelle: Fotolia / malp
KLIMASCHUTZ:
Die globale Energiewende kommt langsam voran
Die Dekarbonisierung der Weltwirtschaft kommt nur langsam voran, könnte sich nach der Corona-Krise aber beschleunigen.
 
Nach dem jüngsten "Klima-Aktionsbericht", den die Umweltorganisation Climate Chance zusammengestellt hat, sind die weltweiten CO2-Emissionen im vergangenen Jahr pandemiebedingt deutlich zurückgegangen und werden in der EU, Japan, Nord- und Südamerika das Vorkrisenniveau voraussichtlich nicht wieder erreichen. Die fossilen Brennstoffe hätten den größten Teil des Nachfragerückgangs im letzten Jahr aufgefangen, heißt es in dem Bericht. Die Förderländer, allen voran die OPEC, hätten den Preisverfall durch Produktionskürzungen begrenzt.

Der Abwärtstrend der Emissionen aus den letzten Jahren werde zwar durch "grüne" Konjunkturprogramme in den Industrieländern beschleunigt. Er falle aber geringer aus, wenn man auch die "importierten" Emissionen berücksichtige. Der "Fußabdruck" der EU verkleinerte sich seit 1990 nur um 15 %. Die eigenen Emissionen der EU gingen im gleichen Zeitraum um 21 % zurück.
  Dagegen erwartet Climate Chance in Russland, den großen asiatischen Ländern, in Afrika und dem Mittleren Osten, dass der pandemiebedingte Rückgang der Emissionen schon bald mehr als ausgeglichen sein wird und diese Regionen bei den Treibhausgasen auf den Wachstumspfad zurückkehren. Dabei spielen Exporte eine wichtige Rolle. 10 % der chinesischen und indischen Emissionen entstehen bei der Produktion von Exportgütern.

Aufschwung für die Elektromobilität

Die zwanzig wichtigsten Volkswirtschaften der Welt (G20) wollten 700 Mrd. US-Dollar (617 Mrd. Euro) investieren, um die Folgen der Coronakrise auszugleichen. Davon fließen voraussichtlich 40 % in Branchen, die Treibhausgase erzeugen (etwa Luftfahrt oder Autoindustrie), und 37 % in die emissionsarme Wirtschaft. Vor allem in Asien werde der Ausstieg aus der Kohle durch Subventionen für fossile Energien weiter behindert. Einige G20-Staaten nutzten die öffentlichen Ausgabenprogramme dagegen, um die Energiewende voranzubringen.

Der Ausbau der erneuerbaren Energien erreichte 2020 einen neuen Rekord mit 260.000 MW. Allerdings gingen auch 50.000 MW neue Kohlekraftwerke ans Netz, 37.000 MW stellten den Betrieb ein. Trotzdem war die globale Kapazität fossiler Kraftwerke doppelt so groß wie die erneuerbaren. Die Investitionen in emissionsarme Technologien einschließlich Wasserstofftechnologien und CCS/CCU beliefen sich auf 268 Mrd. Euro, das waren 1,7 % mehr als im Jahr davor.

Einen Aufschwung verzeichnet der Bericht auch für die Elektromobilität. Unterstützt durch Konjunkturpakete, städtische Förderprogramme und den Kurswechsel großer Automobilkonzerne sei der Verkauf von Elektrofahrzeugen (EV) vorangekommen. In der EU betrug der Anstieg 13 %. Inzwischen habe jedes zehnte, neue Fahrzeug einen elektrischen Antrieb. Weltweit entgingen die EV allerdings nicht dem Trend zu immer schwereren Fahrzeugen (SUV). Dadurch werde das Einsparpotenzial beim Übergang zur Elektromobilität erheblich reduziert.

Schleppende Elektrifizierung von Gebäudeheizungen

Auch in anderen Bereichen kam die Elektrifizierung voran. 40 % der Eisenbahnstrecken sind inzwischen elektrifiziert und 75 % des Personennahverkehrs. Der Verkauf von Elektrofahrräder stieg in den USA 2020 um 145 % und in Europa ist der Trend ungebrochen. Dagegen kommt die Elektrifizierung der Gebäudeheizungen nur schleppend voran. Im vergangenen Jahr wurden weltweit nur knapp 12 % der Gebäude elektrisch beheizt, das waren gut 2 % mehr als zehn Jahre zuvor. Der Einsatz von Wärmepumpen bleibe stark abhängig von Förderprogrammen, heißt es in dem Bericht.

Die Umstellung auf den Einsatz von Strom habe auch nur eine begrenzte, emissionsmindernde Wirkung, solang Elektrizität überwiegend aus Kohle und anderen fossilen Brennstoffen erzeugt werde. Das waren 2020 noch 61 %. Der Einsatz fossiler Brennstoffe gehe zwar zurück, ein Ende sei aber nicht absehbar. In den USA werde zwar weniger Kohle verstromt, in den ehemaligen Kohlekraftwerken werde der Strom jetzt aber aus Gas erzeugt. Auch in der Hälfte der EU-Mitgliedsstaaten steige der Erdgasverbrauch weiter. Der jüngste Anstieg der Erdgaspreise deute jedoch darauf hin, dass die Substitution von Kohle durch Gas begrenzt sein könnte.

Unternehmen, die vom Strukturwandel zu einer emissionsarmen Produktion besonders betroffen sind, suchen ihr Heil zunehmend in Fusionen oder dem Erwerb neuer Geschäftsfelder. Das hat Climate Change besonders bei Minengesellschaften und Ölkonzernen beobachtet. Firmen aus diesen Branchen, die über eine hohe Kaufkraft verfügten, diversifizierten ihr Geschäft durch Investitionen in erneuerbare Energien, Ladesäulen, die Produktion oder Verarbeitung von Wasserstoff. Das bevorstehende Ende der Subventionen lasse einen Markt entstehen, auf dem solche Konzerne bessere Chancen hätten als Stadtwerke oder Genossenschaften.
 

Tom Weingärtner
© 2022 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 02.12.2021, 09:00 Uhr

Mehr zum Thema