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Enerige & Management > Unternehmen - Die Energiezukunft der LEW
Bild: Fotolia.com, Jürgen Fälchle
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Die Energiezukunft der LEW
Was die Innogy-Tochter LEW für die kommenden Jahre plant und welche Herausforderungen sie bei der Energiewende sieht, erklärten zwei Vorstände bei der Präsentation der Bilanz für 2016.
 
Markus Litpher findet, dass Strom in Deutschland steuerlich zu hoch belastet ist. Das sagte das Vorstandsmitglied der LEW-Gruppe bei der Vorstellung der Bilanzzahlen für 2016 Ende März 2017 in Augsburg. "Strom, der zur Wärmegewinnung eingesetzt wird, ist mit mehr als 60 Prozent Steuern und Abgaben belastet", sagte er. Damit liege die Belastung deutlich über der anderer Energieträge wie Erdgas oder Heizöl. Es müsse eine Steuersenkung oder zumindest eine Neustrukturierung der Abgabenlast geben.

Energiewende bedeute nicht nur eine Wende in Sachen Strom, sondern auch in den Bereichen Wärme und Verkehr. Durch eine übermäßige Belastung bei der Wärme werde eine umfassende Energiewende verhindert. Die hohen Strompreise seien mit ein Grund dafür, dass sich die Sektorkopplung noch nicht ganz durchgesetzt habe. Gemeint ist die Verbindung der Bereiche erneuerbare Energien, Verteilnetz, Energieeffizienz und Speicher sowie Digitalisierung.

Zum Ausbau erneuerbarer Energien äußerte sich Vorstandsmitglied Norbert Schürmann. In der Region der LEW gebe es einen überdurchschnittlich hohen Anteil an erneuerbaren Energien. "Mit mehr als 60 Prozent liegen sie bei uns deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Seit 2010 hat sich die EEG-Stromerzeugung in Bayerisch-Schwaben mehr als verdoppelt", sagte Schürmann.

Besonders wichtig für die LEW ist die Wasserkraft. Ein Drittel des Stroms stamme in der Region aus dieser Quelle. 2016 seien 858 Mio. kWh Strom erzeugt worden. Die Tochtergesellschaft BEW zähle in diesem Bereich zu den führenden Kraftwerksbetreibern Bayerns. Aktuell fördere die EU zwei Unternehmensprojekte an Donau und Iller. Sorge bereite ihm und seinen Kollegen jedoch die niedrigen Preise an der Strombörse. Wenn der Verkauf immer schwieriger wird, fehle das Geld für neue Investitionen, beispielsweise in den Hochwasserschutz.

Im Bereich Photovoltaik wurden 2016 etwa 1 760 Anlagen neu angeschlossen. Insgesamt sei damit die Marke von 70 000 Anlagen überschritten worden. Mit Biogasanlagen habe LEW inzwischen 700 MW erreicht, was der Leistung eines großen Gaskraftwerks entspreche. "Der Ausbau erneuerbarer Energien wird und muss sich fortsetzen. Nur dann können die ambitionierten Klimaziele erreicht werden", sagte Schürmann.

Grün, dezentral, digital

Um die Energiewende zum Erfolg zu führen, bedarf es eines starken Verteilnetzes, sagte Litpher. "Es ist das Rückgrat der Energiewende. Stromleitungen sind die Lebensader der Energiezukunft", erklärte er. LEW werde bis 2019 knapp eine viertel Milliarde Euro in das Netz investieren. Man wolle das regionale Verteilnetz zur Basis des Energiesystems von morgen machen.

"Die Energiewende wird zudem nur mit Speichern funktionieren", fügte Schürmann an. Die Kunden wollten Komfort, Sicherheit, Unabhängigkeit und Klimaschutz. Der Kombination aus Photovoltaikanlagen, Batteriespeichern und Wärmepumpen gehöre die Zukunft und sei für immer mehr Bürger besonders reizvoll. "Der Trend geht zum Eigenverbrauch", sagte Schürmann. Batteriespeicher könnten zudem auch für System- und Netzdienstleistungen eingesetzt werden. In einem Forschungsprojekt in der Gemeinde Tussenhausen (Bayern) habe man das bereits getestet.

Generell sei die Digitalisierung eines der wichtigsten Themen der Zukunft: "Unser Netz besteht heute aus einem hochkomplexen System mit mehr als 60 000 Stromerzeugern", gab Litpher an. Auch die Themen Smart Meter, dessen Rollout LEW schrittweise umsetzen möchte, und Smart Home sollen die Energieeffizienz verbessern und zur besseren Auslastung und Steuerung der Netze beitragen.

"Die Energiezukunft ist grün, dezentral und digital. Vor allem ist sie elektrisch. Eine stärkere Vernetzung von Strom, Wärme und Verkehr ist die Erfolgsformel für den Klimaschutz", betonte Schürmann. LEW setze traditionell auf Strom aus erneuerbaren Energiequellen, entwickele Wärmekonzepte weiter und treibe den Ausbau des regionalen Ladesäulennetzes für E-Autos voran. Aktuell gebe es rund 130 öffentlich zugängliche Ladepunkte im Netzgebiet.

"Die Richtung ist eindeutig und klar: Wir sind auf dem Weg in die grüne, dezentrale Energiezukunft. Bayern kann und wird bei dieser Entwicklung Vorreiter sein", blickte Litpher voraus.
 

Jonas Rosenberger
Redakteur
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Donnerstag, 30.03.2017, 14:05 Uhr

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