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Enerige & Management > Veranstaltung - Die Energiewirtschaft schultert große Aufgaben im EU-Klimaschutz
Quelle: Fotolia.com, Les Cunliffe
VERANSTALTUNG:
Die Energiewirtschaft schultert große Aufgaben im EU-Klimaschutz
Auf dem BDEW-Kongress in Berlin diskutierten EU-Funktionärinnen und Energiewirtschaft, wie die ehrgeizigen Klimaschutzziele erreicht werden können.
 
In einem Video-Grußwort an den BDEW-Kongress in Berlin hob die EU-Kommissarin für Energie, Kadri Simson,die Bedeutung der Energiewirtschaft für den Klimaschutz hervor. Die Gegenwart biete der Energiewirtschaft „geschäftige und aufregende Zeiten“, sagte sie.

Das „Fit for 55“-Programm der EU enthalte Vorschläge, wie das Ziel der EU, bis 2030 55 % weniger Klimagase auszustoßen als 1990, erreicht werden soll. Dazu würden nun die Stellungnahmen der Mitgliedsstaaten eingeholt, erläuterte Simson den Zeitplan.

Im Programm werde ein zusätzliches CO2-Bepreisungssystem für den Gebäude- und Verkehrssektor vorgeschlagen. „Die jährliche Energieeinsparquote solle 1,5 % betragen und dafür Energieaudits für Unternehmen mit hohem Verbrauch verbindlich gemacht werden“, sagte sie. Ein Sozial-Klima-Fonds, der sich aus Einnahmen des Emissionshandelssystems speist, solle dafür sorgen, dass keine Energiearmut in der europäischen Bevölkerung einzieht, versprach Simson.

Wasserstoff werde in die Regulierung des Gasmarktes einbezogen, in den nächsten Jahren werde Erdgas noch eine wichtige Rolle spielen, es müsse aber in den nächsten Jahrzehnten ersetzt werden durch dekarbonisierte Gase, wie Biogas oder Gase aus erneuerbarer Energie, umriss die Energiekommissarin. Dafür sollten Qualitätsstandards für Biomethan festgelegt werden und gleiche Zugangsrechte für die verschiedenen Energiequellen zum Markt gesichert werden, sagte Simson.
 
EU-Energiekommissarin Kadri Simson bei ihrem Grußwort an den BDEW-Kongress Quelle: BDEW

EU will Zugang zu Rohstoffen sichern

Kerstin Jorna, Generaldirektorin für Binnenmarkt und Industrie der EU, ging genauer ins Detail. Bis 2030 sollten innerhalb und außerhalb Europas je 40.000 MW Elektrolyseleistung aufgebaut werde, um Wasserstoff aus erneuerbaren Quellen für die europäische Wirtschaft zu produzieren. „Bei der EU liegen bereits 1.000 Projekte zur Förderung vor“, berichtete sie. Zugleich bat sie die Energiebranche, Allianzen einzugehen mit der Industrie und dem Wärmesektor, um durch parallele Investitionen effektiver zu arbeiten.

Ein anderer Schwerpunkt der EU läge im Bereich der Rohstoffe, erläuterte Jorna. So wolle eine Rohmaterial-Allianz für die sichere Beschaffung seltener Erden sorgen. Auch die Belieferung mit Mikroprozessoren und Magneten für Turbinen, die bisher großenteils aus China kämen, solle gesichert werden. Denn dies schaffe eine zu große Abhängigkeit und ermögliche keine Kontrolle über das Recycling. Die Taxonomie der EU werde dafür sorgen, den Geldeinsatz auch aus privaten Quellen klimafreundlich zu gestalten, sagte Jorna.
 
Kerstin Jorna, Generaldirektorin für Binnenmarkt und Industrie der EU, bei der Diskussion auf dem BDEW Kongress Quelle: BDEW



Kritische Stimmen aus der Energiewirtschaft zur EU-Politik

Anna Borg, Präsidentin und CEO von Vattenfall wünschte sich mehr Unterstützung für die direkte Zusammenarbeit von Industrie und Energiewirtschaft für den Klimaschutz, wie Vattenfall es schon mit BASF betreibe. Sie begrüßte, dass noch mehr Wirtschaftssektoren in den Klimagashandel einbezogen werden. „Die Geschwindigkeit ist entscheidend, die Politik muss langfristig gültige Entscheidungen schnell treffen“, forderte Borg. Es solle die Chance ergriffen werden, eine widerstandsfähigere und konkurrenzfähigere europäische Industrie aufzubauen. Es sei genug Geld im Markt, es müsse nur gut eingesetzt werden, sowohl in die Infrastruktur wie in neue Technologien, sagte Borg.

Auch Markus Rauramo, Präsident und CEO der Fortum hält die Energiewende für eine monumentale Aufgabe und ist optimistisch, dass sie mit dem Erhalt der Akzeptanz in der Bevölkerung möglich ist. Es müssten allerdings klare und voraussehbare Pfade für die Investitionen gesetzt werden. „Technologieneutralität macht die Energiewende preiswerter, alle CO2-neutralen Energiequellen wie Wasserkraft und Kernenergie sollten einbezogen werden“, kritisierte er die vorgesehene Taxonomie der EU-Kommission. Nach der Festlegung der großen Ziele müsse auch in der Umsetzung mit Entschiedenheit freie Bahn für Investitionen durch schnelle Genehmigungen gemacht werden, forderte Rauramo.

„Ziele gibt es nun genug, aber was soll kurzfristig getan werden?“, fragte Leonhard Birnbaum, CEO von Eon und Vize-Präsident der Eurelectric. „Wir müssen Wege finden, die bestehende Infrastruktur in Gas- und Wärmenetzen zu nutzen, sonst wird es zu teuer“, forderte er. Grüne Gase müssten auch im Wärmemarkt eingesetzt werden können. Die EU-Taxonomie solle nichts ausschließen, solange es klimafreundlich ist, forderte Birnbaum. „Unter den derzeitigen Randbedingungen sind die geplanten 500.000 MW mehr erneuerbare Energieerzeugung und Netze bis 2030 nicht zu schaffen“, warnte er. Die Fristen für Baugenehmigungen müssten deutlich kürzer werden, benannte er als Aufgabe an die Politik.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Donnerstag, 16.09.2021, 15:54 Uhr

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