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Enerige & Management > E-World - Dialog zum Kohleausstieg - besser jetzt, als später
Bild: Photocase.com, Markus Imorde
E-WORLD:
Dialog zum Kohleausstieg - besser jetzt, als später
Die Bundesregierung sollte den Runden Tisch zur Herstellung eines Kohle-Konsenses nicht auf die lange Bank schieben, meinen Vertreter aus Politik und Energiewirtschaft.
 
Bisher habe sich die Bundesregierung eher „schwammig“ zum Kohleausstieg geäußert, konstatierte BDEW-Präsident Johannes Kempmann am 16. Februar auf der E-world in Essen. Aber „wir müssen zu der Frage einen strukturierten Dialog führen“, betonte Kempmann. 2,7 GW Braunkohle-Kapazität aus dem Markt zu nehmen, „macht keinen Sinn“, kritisiert er. Damit exportiere man CO2-Emissionen, weil andere Braunkohlekraftwerke in Europa dies kompensieren würden. Der BDEW-Präsident wünscht sich daher, „dass die Politik den Mut hat, diesen Dialog zu führen“ – und zwar lieber früher als später. Wirtschaftsstaatssekretär Rainer Baake hatte am Vortag darauf verwiesen, dass sein Chef, Energieminister Sigmar Gabriel einen „Runden Tisch“ für den Herbst in Aussicht gestellt hat. Auf die Frage von E&M Powernews, ob dies nicht etwas spät sei, sagte Kempmann: „Im Herbst ist besser als nächstes Frühjahr, aber sofort ist besser als im Herbst.“

Selbst für Ralf Bartels, Abteilungsleiter Energiewende bei der Industriegewerkschaft Bau, Chemie und Energie (IG BCE) ist klar: „Wenn wir den Klimaschutz und die Energiewende ernst nehmen, muss die Braunkohle auslaufen.“ Aber natürlich sozial verträglich und planvoll. Man brauche für die Energiewende eine Brücke aus Kohle und Gas. „Aber die sollte so kurz wie möglich sein“, sagte Bartels am 15. Februar auf dem E-world-Führungstreff Energie in Essen. Notwendig sei der Ausbau von Netzen und Speichern, dann ergebe sich der Kohleausstieg praktisch von selbst.

Dekarbonisierung - wie?

Die Dekarbonisierung geht aber weit über den Kohleausstieg hinaus, dies zeigte sich bei der Diskussion über die Zukunft von Erdgas. Die Gaswirtschaft sieht für den CO2-ärmsten fossilen Energieträger eine wichtige Rolle, auch bei der dringend notwendigen Emissionssenkung im Verkehrssektor, wie Wingas-Geschäftsführer Ludwig Möhring erläuterte. „Es gibt genug Gas“, betont er. Insbesondere für LNG sieht er „ein goldenes Zeitalter“.

Die starke Rolle von Gas sei „in Brüssel nicht unsere Analyse“, unterstrich demgegenüber Claude Turmes von der Grünen-Fraktion im Europaparlament. Allgemein wird in der Elektrifizierung anderer Sektoren im Zusammenhang mit dem weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien der Schlüssel zur Dekarbonisierung gesehen. Abzuwarten ist, ob und wie sich der Klimaschutzplan 2050, an dem das Bundesumweltministerium arbeitet, dazu positionieren wird. Dieser soll, das bekräftigte der zuständige Abteilungsleiter Franzjosef Schafhausen in Essen, bis zum Sommer vorgelegt werden.

Und wie steht es in der Energiewirtschaft selber? Seit 2010 gebe es die Beschlusslage in der Energiewirtschaft, dass sie bis 2050 ihre weitgehende Dekarbonisierung erreichen wolle, daran erinnerte BDEW-Kempmann. Aber man müsse ehrlich sagen: „Was das im Einzelnen bedeutet, wissen wir nicht.“ Man habe eine Arbeitsgruppe gebildet, aber „die tagt hinter verschlossenen Türen, weil dort die Interessensunterschiede aufeinanderprallen“.
 

Angelika Nikionok-Ehrlich
Redakteurin
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Dienstag, 16.02.2016, 17:58 Uhr

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