• Gas: Wenig Veränderung
  • Strom: Kalenderjahr hält sich
  • Krisenkommunikation: "Zeit ist der wichtigste Faktor"
  • Erste Etappenziele auf dem Pfad der Digitalisierung
  • Amprion bleibt auf Investitionskurs
  • Investoren meiden deutschen Windmarkt
  • Klimarisiken für den Kapitalmarkt
  • Stadtwerke machen sich für 450-MHz-Frequenz stark
  • Uniper und Siemens kooperieren bei Wasserstoffprojekten
  • Haushalte in Sachsen verbrauchen am meisten Gas
Enerige & Management > Stadtwerke - Dezentralität als Trumpf
Bild: Rewag
STADTWERKE:
Dezentralität als Trumpf
Die Regensburger Energie- und Wasserversorgung AG (Rewag) will mit Regenerativen- und KWK-Anlagen die Energiewende vor Ort vorantreiben.
 
In ‎den vergangenen drei Jahren hat sich der Anteil der ‎Eigenerzeugung – bezogen auf den Privatkunden-Absatz – der Rewag von etwa zehn Prozent auf rund 50 Prozent erhöht; dieser Anteil soll bis 2020 auf rund 80 Prozent steigen. „Einer der zentralen Punkte der Strategie der Rewag ist der Ausbau der Energieeigenerzeugung aus regenerativen und energieeffizienten Anlagen“, sagt der Vorstandsvorsitzende Olaf Hermes, dessen Unternehmen rund 200 000 Kunden versorgt. Er ist seit 2013 Vorstandsvorsitzender der Rewag und seit vergangenem April gemeinsam mit Manfred Koller Geschäftsführer der Stadtwerke Regensburg GmbH (SWR). „Einen Schwerpunkt bildet dabei, neben der Windkraft, die dezentrale Wärmeerzeugung mit BHKW.“

Bis 2020 will der kommunale Versorger in seine Erzeugungssparte rund 130 Mio. Euro investieren. Mehr ‎als die Hälfte des Investitionsvolumens ist bereits bis Ende 2015 eingesetzt ‎worden: Mittlerweile erzeugen in und um Regensburg insgesamt 27 BHKW-Anlagen Strom und Wärme – zusammen zirka 51 500 MWh/a. Bis 2020 sollen noch einmal zehn bis 20 Anlagen hinzukommen, zeigt sich Hermes zuversichtlich. Zudem gehören mehrere Windparks in Bayern und Hessen mit einer Gesamtleistung von knapp 50 MW zum Portfolio.

Dezentrale Anlagen sollen in einem virtuellen Kraftwerk zusammengeführt werden

Vor allem das Potenzial zusätzlicher dezentraler Kraftwerke sei in der ostbayerischen Stadt mit ihren 150 000 Einwohnern sowie im Umland vorhanden. „Hier ist viel Mittelstand und viel Industrie, außerdem haben wir in der Region zahlreiche Familienbetriebe mit einem großen Autarkiebestreben, das wir mit unseren Eigenerzeugungsprojekten unterstützen“, sagt Hermes. Nahwärme-Projekte seien zudem nach wie vor wirtschaftlich sehr interessant.
 
Vorstandsvorsitzender Olaf Hermes
Bild: Heidi Roider

Erst Anfang des Jahres konnte die Rewag gemeinsam mit dem Trafohersteller SGB den Startschuss für ein Vier-Millionen-Euro-Contractingprojekt geben: Der Versorger wird in Zusammenarbeit mit SGB eine weitere dezentrale Heizzentrale errichten und anschließend die Wartung sowie die Betriebsführung übernehmen. Das Kernstück bildet ein BHKW (1,2 MWel und 1,2 MWth) mit einem Spitzenlastkessel. Mehr als 80 Prozent des Stroms will der Industriebetrieb selbst nutzen. Ein Abgaswärmetauscher und ein Thermalölkessel decken den Wärmebedarf der Produktion.

Eine Absorptionskältemaschine soll zur ganzjährigen Nutzung der produzierten Wärme beitragen. In diesem Jahr soll unter anderem auch ein Nahversorgungskonzept für das neue Marina Quartier im Osten der Stadt umgesetzt werden – auf dem 70 000 m2 großen Areal entstanden in den vergangenen Jahren über 450 Wohneinheiten in Stadthäusern und Etagenwohnungen sowie Büros und Freizeit- und Kultureinrichtungen. „Das Neubaugebiet ist ein geschlossenes Vermarktungsmodell. Hier spielt die energetische Versorgung auch im Vermarktungsansatz des Gesamtareals eine wesentliche Rolle.“

Ziel der Regensburger ist es, über die Arealbewirtschaftung und die wachsende Industrie die Erzeugung über dezentrale Projekte weiter zu stärken. Als nächster Schritt sei geplant, die Steuerung der einzelnen Kraftwerke vermarktungsfähig zu installieren. „Wir wollen die vielen Erzeugungsstrukturen in einem virtuellen Kraftwerk zusammenführen.“ Der Rewag-Chef schätzt, dass die ersten Anlagen bereits Anfang 2017 zusammengeschaltet werden können. Zudem denkt er darüber nach, die bestehenden Windparks um Batteriespeicher zu ergänzen und dann in die Regelenergievermarktung einzusteigen.
 
Die Netzleitstelle der Rewag
Bild: Rewag

Für Hermes ist die Erzeugungssparte aber auch wichtig, um die „Gesamt-Unternehmensrendite zu sichern“, er spricht damit die bestehende Anreizregulierung an: „Wir müssen die Anforderungen an die Versorgungssicherheit weiterhin auf dem hohen derzeitigen Niveau halten, allerdings findet all das, was an Weiterentwicklung und Innovation in den Netzen stattfinden muss, zum Beispiel in Richtung Smart Grid, in den Regulierungsmechanismen so gut wie keine Berücksichtigung. Die derzeitigen Mechanismen sind im wesentlichen darauf ausgelegt, die Kosten und auch die Netzentgelte zu reduzieren, aber sie gewährleisten keinen umfassenden investiven Rahmen. Bis das der Fall ist, gehen wir für den Extremfall davon aus, dass wir in der Sparte Netz regulierungsseitig an Profitabilität verlieren werden, und das müssen wir kompensieren.“

Weiterer Baustein Elektromobilität

Mit dem Ausbau der Erzeugung hat sich bei den Regensburgern auch der Vertrieb verändert: „Wir haben die Wandlung hin zu einem Dienstleister vollzogen. Wir bieten den Kunden mittlerweile mehr Energielösungen als einfach nur Strom und Gas. Wir verkaufen zum Beispiel Photovoltaikanlagen mit einem Vermarktungsansatz, wir gehen in die Betriebsführung oder in die Verpachtung von bestimmten Kraftwerkskomponenten“, sagt Hermes. „Wir steigen auch massiv in Energieeffizienzthemen ein und zeigen dem Kunden, wie man Energie einsparen kann. Und zwar deswegen, weil wir glauben, dass wir die Kunden am besten halten können, denen wir erklärt haben, wie man Energie einsparen kann.“

Auch die Elektromobilität sei ein wichtiger Baustein bei den Themen ‎Energieeffizienz und Nachhaltigkeit. „Wir haben innerhalb eines Jahres 18 Ladestationen quasi aus dem Boden gestampft“, sagt der Chef des Kommunalversorgers und freut sich, dass die Regensburger das Angebot sehr gut annehmen und die Säulen kostendeckend betrieben werden können – der Strompreis für Kunden liegt bei 24,52 Ct/kWh. Bezahlt werden kann über eine Scheckkarte. „An unseren Ladestationen in Regensburg haben Elektrofahrer rund 157 000 km im vergangenen Jahr geladen, was einer CO2-Einsparung von zirka 23 570 Tonnen entspricht.“

Errichtet wurden die Stationen etwa in Parkhäusern und bei Einkaufszentren. Beispielsweise wurden seit Inbetriebnahme der ersten Ladesäule am Donaueinkaufszentrum im März 2015 insgesamt 20 429 kWh an Ladestrom abgegeben. Diese verteilten sich auf zirka 2 730 Ladevorgänge. „Wobei wir das Ganze so modular aufgesetzt haben, dass mittlerweile auch andere Energieversorger Interesse daran haben, unser System auszurollen, um nicht selber diese Entwicklungskosten zu haben, die wir damit hatten. Und man kann sagen, dass kein Monat vergeht, in dem wir nicht eine Anfrage für eine weitere Ladestation haben.“

Dem bayerischen Kommunalversorger ist es gelungen, den Jahresüberschuss in den vergangenen Jahren zu steigern. Hermes sieht mehrere Gründe für den Erfolg: „Wir sind in der guten Lage, keine fossilen, zentralen Kraftwerke im Portfolio zu haben, die gerade bei anderen Unternehmen auf das Ergebnis drücken. Außerdem haben wir eine sehr schlanke Unternehmensstruktur, die uns flexibel macht.“ Zudem würden die Mitarbeiter die Strategie engagiert mittragen. Die Rewag habe vor knapp drei Jahren einen Wandlungsprozess aufgesetzt, bei dem ganz bewusst auf Strategieberater verzichtet wurde. „Die Betroffenen wurden zu Beteiligten gemacht – wir haben sozusagen einen Trichter ganz weit aufgemacht, haben die Ideen und Vorstellungen der Mitarbeiter einfließen lassen und in den Strategieprozess mit einbezogen. Dadurch kann ich mit Fug und Recht sagen, dass bei der Rewag Mann und Maus hinter dem stehen, was wir hier tun.“

Die Rewag im Überblick
Die Regensburger erwirtschafteten 2014 einen Umsatz von 344,9 Mio. Euro und damit etwas mehr als ein Jahr zuvor mit 337 Mio. Euro. Der Gewinn lag im Geschäftsjahr 2014 bei 22 Mio. Euro. Der größte Umsatzbringer ist der Stromvertrieb mit 212,4 Mio. Euro, gefolgt vom Gasvertrieb (51,8 Mio. Euro). Die energienahen Dienstleistungen trugen 15,4 Mio. Euro bei.

Hauptsächlich aus dem Betrieb von Blockheizkraftwerken sowie von Wärmeanlagen wurden im Geschäftsjahr 2014 rund 103 Mio. kWh Wärme abgesetzt. Der Wärmeabsatz der sechs größten Blockheizkraftwerke Westbad, Krones Nittenau, Walhalla Kalk, Pommernstraße, Burgweinting und Isarstraße sowie 15 kleinerer BHKW betrug rund 48 Mio. kWh. Der Stromverkauf aus der Einspeisung des selbst erzeugten Stroms aus BHKW und Photovoltaikanlagen in das Stromnetz betrug in 2014 rund 30 Mio. kWh.

Die Rewag ging 1976 aus dem Energie- und Wasserversorgungsbereich der damaligen Stadtwerke Regensburg mit Beteiligung der Energieversorgung Ostbayern AG (OBAG) hervor. Eigentümer sind die Stadt Regensburg (64,52 %) und die Bayernwerk AG (35,48 %). Das Unternehmen beschäftigt rund 400 Mitarbeiter.

Windkraftportfolio
  • Wald-Windpark Fasanerie im Landkreis Hof: Fünf Anlagen mit je 2 MW (2011)
  • Windpark Bärenholz im Landkreis Hof: Fünf Anlagen mit je 3 MW (2012)
  • Windpark in Deindorf im Landkreis Schwandorf: Zwei Anlagen mit je 2,4 MW (2014)
  • Windpark Hohenstein im ‎hessischen Taunus: Drei Anlagen mit je 2,5 MW (2014)
  • Windpark Tannberg-Lindenhardt in der Nähe von Bayreuth (Beteiligung 70 %): Vier Anlagen mit je 3 MW (2015)
 

Heidi Roider
Redakteurin und Chefin vom Dienst
+49 (0) 8152 9311 28
eMail
facebook
© 2020 Energie & Management GmbH
Montag, 04.04.2016, 09:07 Uhr

Mehr zum Thema