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Bild: Fotolia.com, Nicole Effinger
KLIMASCHUTZ:
Deutschland wird Klimaziele verfehlen
Trotz sinkender Energie-Emissionen wird Deutschland sein Klimaziel für 2020 und das verbindliche EU-Ziel nicht mehr erreichen, weil der CO2-Ausstoß bei Verkehr und Industrie steigt.
 
Ersten Prognosen des Umweltbundesamtes zufolge sind die Treibhausgas-Emissionen im vergangenen Jahr gegenüber 2016 um 4,7 Mio. t auf 904,7 Mio. t CO2-Äquivalent gesunken. Den Berechnungen zufolge hätte Deutschland damit seine Emissionen gegenüber 1990 um 27,7 % gesenkt.

Allerdings ist der Rückgang nicht ausreichend, damit Deutschland sein selbst gestecktes Klimaziel für 2020 von Minus 40 % gegenüber 1990 noch erreichen kann. Auch das rechtlich verbindliche EU-Klimaziel, das über die Effort-Sharing-Direktive für die nicht am Emissionshandel teilnehmenden Sektoren, wie etwa Verkehr und Landwirtschaft, Emissionseinsparungen von 14 % für Deutschland vorsieht, wird die Bundesrepublik wohl verfehlen. Gerade im Verkehrssektor ist keine Trendwende bei der Emissionsentwicklung in Sicht, der CO2-Ausstoß steigt hier weiter an.

Bei den aktuellen Emissionsprognosen verzeichnete der Energiesektor den deutlichsten Rückgang: Im Vergleich zu 2016 gingen die Emissionen um 13,7 Mio. t oder 4,7 % zurück. Das Umweltbundesamt sieht vor allem eine höhere Windstromerzeugung und die rückläufige Kohleverstromung als Ursache. 2017 waren insgesamt mehr als 3 000 MW Kohlekapazitäten in die Netzreserve überführt worden, allein im letzten Quartal 2017 gingen noch zwei Braunkohlekraftwerke in die Sicherheitsbereitschaft, teilte das Bundesumweltministerium mit.

Verkehr und Industrie machen Klimaziele zunichte

Im Verkehrssektor sind die Emissionen 2017 hingegen um 2,3 % oder 3,8 Mio. t auf 170,6 Mio. t gestiegen. Das Umweltbundesamt verweist an dieser Stelle auf Daten des Kraftfahrtbundesamtes in Flensburg, wonach der Pkw-Bestand 2017 um 1,5 % angestiegen ist. Zudem seien auch mehr Lastwagen unterwegs und aufgrund der guten Konjunkturentwicklung werden mehr Güter auf den Straßen transportiert.

Auch die Abkehr von Diesel-Motoren wirkt auf die Emissionsentwicklung. Diesel-Fahrzeuge stoßen bei gleicher Motorleistung weniger CO2 aus als Fahrzeuge mit Ottomotor, durch den höheren Absatz von Benzinern seien die Emissionen aber um 0,2 Mio. t bei Neufahrzeugen gestiegen. Umweltschützer kritisieren zudem, dass mehr schwere Geländewagen zugelassen werden, die überwiegend mit Diesel-Kraftstoff angetrieben werden.

Die Industrie betont seit langem, dass sie den Diesel brauche, um schärfere CO2-Grenzwerte einhalten zu können, auch wenn durch diese Fahrzeuge mehr gesundheitsschädliche Stickoxide emittiert werden. „Es ist falsch, dass wir nur mit dem Diesel unsere Klimaziele erreichen können. Wir brauchen generell weniger und viel sparsamere Fahrzeuge, egal, mit was diese angetrieben werden“, betonte dagegen Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamtes (UBA).

Die Emissionen aus dem industriellen Sektor sind aufgrund der guten Konjunktur im vergangenen Jahr um 2,5 % auf 192,9 Mio. t CO2-Äquivalent gestiegen. Dagegen blieben die Emissionen in der Landwirtschaft nahezu konstant, im Abfallsektor fielen sie den Prognosen des UBA um 4,3 %, weil sich nach dem Verbot der Deponierung biologisch abbaubarer Abfälle im Jahr 2005 auch die Abfalltrennung und das Recycling immer stärker bemerkbar machen.

Problemfall Effort-Sharing

Laut dem Effort-Sharing, also dem Lastenausgleich zwischen den EU-Staaten, muss Deutschland in den nicht vom Emissionshandel erfassten Sektoren Verkehr, Gebäude und Landwirtschaft seinen Treibhausgasausstoß bis 2020 um 14 % gegenüber 2005 senken. Mit den für 2016 an die EU-Kommission übermittelten Emissionsdaten lag Deutschland in diesem Bereich bei einem Treibhausgas-Ausstoß von 454,2 Mio. t CO2-Äquivalent und damit knapp 1,8 Mio. t über dem erlaubten Emissionsbudget.

Seit 2016 sinkt für Deutschland das verfügbare Emissionsbudget schneller ab als in den vorangegangenen Jahren. Bis 2020 muss der so genannten Non-ETS-Bereich ein Emissionsziel von rund 411 Mio. t CO2-Äquivalent erreichen. Prognosen der EU-Umweltagentur EEA zufolge wird Deutschland dieses Ziel um mindestens 8,1 Mio. bis 15,6 Mio. t verfehlen.

Kauf zusätzlicher Emissionsrechte nötig

Nach Angaben des Bundesumweltministeriums kann Deutschland zunächst seine EU-Zielverfehlungen noch mit Überschüssen aus den Vorjahren verrechnen, ab 2018 dürften diese aber aufgebraucht sein. Dann bliebe nur noch die Chance, einen Teil der Emissionen aus den Folgejahren zu „borgen“ und für die Anrechnung heranzuziehen. Allerdings sieht die Effort-Sharing-Verordnung nur ein Maximalvolumen von 5 % des Emissionsbudget für ein solches „Borrowing“ vor.

Die Alternative ist, dass sich die Bundesrepublik bei anderen EU-Staaten, die ihre EU-Ziele erfüllen können, zusätzliche Emissionsgutschriften in Form von Zertifikaten kauft. Darauf bereite sich die Bundesregierung bereits vor, heißt es aus dem Bundesumweltministerium.

„Die Klimabilanz 2017 zeigt ein gemischtes Bild. Beim Ausbau der erneuerbaren Energien haben wir bereits viel erreicht“, erklärte die neue Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) anlässlich der neuen Emissionsprognosen. „Im Verkehrsbereich geht die Entwicklung leider immer noch in die falsche Richtung. Für Klimaschutz und saubere Luft brauchen wir eine grundlegende Verkehrswende“, so die Ministerin. Sie will nun ein neues Klimaschutzgesetz vorbereiten, das 2019 verabschiedet werden soll. „Damit werden wir sicherstellen, dass wir das 2030-Ziel zuverlässig und verbindlich erreichen“, sagte Schulze.

Für Karsten Smid, Klimaexperte der Umweltorganisation Greenpeace, geht diese Entwicklung nicht schnell genug. Die Zahlen seien eine „bittere Bilanz“ der Klimapolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel, so Smid. Das für 2020 vereinbarte Klimaziel sei nur zu erreichen, wenn Braunkohlekraftwerke umfangreich gedrosselt und stillgelegt werden, untermauerte Smid.
 

Kai Eckert
Redakteur
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Dienstag, 27.03.2018, 16:31 Uhr

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