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Enerige & Management > Klimaschutz - Deutschland beim Klimaschutz-Index nur "mäßig"
Bild: malp / Fotolia
KLIMASCHUTZ:
Deutschland beim Klimaschutz-Index nur "mäßig"
Auf dem 23. Platz landet Deutschland beim aktuellen Klimaschutz-Index, der auf dem Weltklimagipfel in Madrid vorgestellt wurde. Global führend ist Schweden, ganz am Ende sind die USA.
 
Allerdings konnte sich Deutschland im Vergleich zum vorigen Jahr von Platz 27 auf Position 23 in der Klimaschutz-Weltrangliste verbessern, die von Germanwatch und dem "NewClimate Institute" jährlich erstellt wird (siehe Kasten). 

Insgesamt zeichnet der aktuelle Klimaschutz-Index ein zwiespältiges Bild: Australien, Saudi-Arabien und insbesondere die USA geben Anlass zu großer Sorge. Auf der anderen Seite verzeichnet mehr als die Hälfte der 57 bewerteten größten Treibhausgas-Emittenten über mehrere Jahre betrachtet sinkende Emissionstrends, der globale Kohleverbrauch geht deutlich zurück und der weltweite Boom bei den Erneuerbaren Energien ist ungebrochen.

„Der neue Index zeigt Anzeichen für eine globale Wende bei den Emissionen. Wir sehen Anzeichen einer bevorstehenden Stagnation der weltweit steigenden Emissionen - aber viel wird von den weiteren Entwicklungen in China und den Wahlen in den USA abhängen", so Ursula Hagen von Germanwatch, eine der Autorinnen der Studie.

Kernaussagen des Klimaschutz-Index 2020:

  • Da sich bisher keines der untersuchten Länder auf einem mit den Pariser Klimazielen zu vereinbarenden Pfad befinde, lassen die Autoren die ersten drei Plätze des Index weiterhin unbesetzt.
  • Während einige EU-Staaten wie Schweden (4. Platz) als erneuter Spitzenreiter und Aufsteiger Dänemark (5.) gute bis sehr gute Ergebnisse vor allem bei erneuerbaren Energien und Klimapolitik vorzuweisen haben, kann sich Deutschland von seiner bisher zweitschlechtesten Platzierung im Vorjahr nur leicht erholen und bleibt im Segment "mäßig". Während Deutschland noch relativ gut beim Fünf-Jahres-Trend der Erneuerbaren im Energiemix und der Bewertung der internationalen Klimapolitik abschneide, bekomme es weiterhin nur mäßige Noten für die nationale Klimapolitik und schneidet schlecht bei Emissionen und Energieverbrauch pro Kopf ab, erläutert Professor Niklas Höhne vom New Climate Institute: „Zwar ist das Klimapaket ein Schritt in die richtige Richtung, doch dieser ist mutlos und zu klein.“
  • Der aktuell größte Emittent China kann sich noch einmal leicht verbessern auf Rang 30 ("mäßig"). China punktet mit einem sehr guten Abschneiden im Fünf-Jahres-Trend beim Anteil der Erneuerbaren am Energiemix. Sollte China aber seine umfangreichen Planungen für neue Kohlekraftwerke umsetzen, droht ein herber Rückfall in den Keller des Rankings.
  • Während mit Großbritannien (7.) und Indien (9.) nur zwei G-20-Staaten in der Kategorie "gut" zu finden sind, befinden sich acht G-20-Staaten in der schlechtesten Kategorie des Index. Besonders negativ fallen dabei Australien (56.), Saudi-Arabien (60.) und vor allem die USA (61.) auf - die USA lösen damit erstmals Saudi-Arabien als Schlusslicht ab. Unter der Trump-Administration erreichen die USA in fast allen Kategorien die Bewertung "schlecht" oder "sehr schlecht". „Ermutigend sind aber aktuelle Entwicklungen zum Beispiel in Kanada, wo die Klimapolitik ein zentrales Thema im Wahlkampf war; und auch die EU kann einen großen Schritt voran gehen, wenn ambitionierte Projekte wie der European Green Deal künftig auch mit einem deutlich verbesserten Klimaziel für 2030 und schneller Umsetzung untermauert werden", so Höhne.

Der deutschen Politik schreiben die Autoren ins Stammbuch: „Der beabsichtigte Kohleausstieg und das Klimapaket weisen in die richtige Richtung, aber gemessen an der notwendigen Geschwindigkeit ist das zu wenig. Jetzt wird es beim Klimagesetz darauf ankommen, dass das wissenschaftliche Monitoring funktioniert und schnell nachgebessert wird", sagt Ursula Hagen. Zudem müsse der fast zum Erliegen gekommene Ausbau der Windkraft an Land endlich wiederbelebt werden und im Verkehrssektor, in dem bisher überhaupt keine Emissionen abgebaut wurden, müssten ernsthafte Schritte für eine Verkehrswende angegangen werden.

Der Klimaschutz-Index 2020 (Zur Vollansicht bitte auf die Liste klicken)
Grafik: Germanwatch


Der aktuelle Bericht kann auf der Website des Klimaschutz-Index   heruntergeladen werden.

Zum Klimaschutz-Index:Der globale Klimaschutz-Index erscheint seit 2005 jährlich und wird seit 2017 von Germanwatch und dem "NewClimate Institute" erstellt und gemeinsam mit dem Climate Action Network veröffentlicht. Er umfasst ein Ranking der 57 größten nationalen Emittenten weltweit sowie der EU. Auf diese Gruppe entfallen gut 90 % der globalen energiebedingten Emissionen. Der Index betrachtet vier Bereiche in den einzelnen Staaten: Treibhausgasemissionen (40 % der Gesamtwertung), erneuerbare Energien (20 %), Energieverbrauch (20 %) und Klimapolitik (20 %, bewertet von Experten aus dem jeweiligen Land). Zudem wird die Frage beantwortet, inwieweit das jeweilige Land in den Bereichen Emissionen, erneuerbare Energien und Energieverbrauch adäquat handelt, um die Pariser Klimaziele erreichen zu können. 
 

Peter Koller
Redakteur
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Dienstag, 10.12.2019, 12:49 Uhr

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