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Enerige & Management > Frankreich - Deutsch-französische Energiekooperation konkretisiert
Bild: Fotolia.com, daboost
FRANKREICH:
Deutsch-französische Energiekooperation konkretisiert
Wärmeversorgung, Speicher, Batteriezellen, Wasserstoff, Offshore – Frankreich und Deutschland wollen in vielen Bereichen künftig eng zusammenarbeiten.
 
Bundesenergieminister Peter Altmaier und sein französischer Amtskollege Nicolas Hulot haben bei einem Treffen in Paris in einer gemeinsamen Erklärung ihren Willen zu einer engen Zusammenarbeit bekräftigt und dafür konkrete Punkte benannt.

Enge Energiekooperation, kann das gehen mit Frankreich, dem Kernenergieland par excellence, und Deutschland als (immer noch) Kohleland? Ja, meinen die beiden Minister, die sich über die Differenzen durchaus im Klaren sind. „Man darf nicht versuchen, den anderen von seinen Vorstellungen zu überzeugen“, sagte Altmaier vor Journalisten in Paris. „Wir wollen über konkrete Lösungen sprechen.“

Auch wenn der Energiemix in beiden Staaten sehr verschieden sei, „sind wir doch in den Vorstellungen nicht so weit voneinander entfernt“, betonte Hulot. Es gelte, den Weltklimavertrag von Paris zu erfüllen. Altmaier bekräftigte: „Wir haben die Pflicht, der Welt zu zeigen, dass Klimaschutz möglich ist, ohne die Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren.“ Dann könnten auch andere Staaten, wie etwa China, das Modell der Nachhaltigkeit übernehmen. Hulot formulierte es so: „Wir müssen beweisen, dass Dekarbonisierung eine Quelle von Wachstum und Innovation sein kann.“

Klimaschutz und Wirtschaftswohl versöhnen

Frankreich stehe bei der CO2-Bilanz im Stromsektor gut da, das reiche aber noch nicht für das im Weltklimavertrag vereinbarte Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Frankreich wolle seine wenigen Kohlekraftwerke bis 2022 schließen, bekräftigte Minister Hulot. Dies solle sozialverträglich erfolgen.

Die Schließung von Kernkraftwerken ist hingegen politisch delikat. „Ihre Stilllegung muss geplant erfolgen“, sagte Hulot. Er verweist auf das Ziel, den Kernkraft-Anteil an der Stromversorgung in den kommenden zehn Jahren auf 50 % zu senken, angefangen mit der Schließung Fessenheims. Altmaier lobte das Ziel als „beeindruckenden“ Entschluss.

Umsetzung des EU-Clean Energy-Paketes

Ein Ziel der deutsch-französischen Energie-Zusammenarbeit soll laut der Erklärung die Umsetzung des EU-Clean-Energy-Packages sein. Man werde bei der Umsetzung des ersten Teils (Subpackage), der Erneuerbare, Effizienz und Governance umfasst, „eng kooperieren“, heißt es dazu.

Im zweiten Halbjahr 2018 wollen beide Länder sich vereint mit dem zweiten Subpackage befassen, das dem Strommarkt gewidmet ist - unter anderem dem Strommarktdesign. Gleiches gilt laut der Erklärung für das Clean-Mobility-Paket „inklusive der Einführung ehrgeiziger CO2-Reduktionsziele für Autos, Vans und schwere Lieferfahrzeuge für 2025 und 2030, die kohärent mit den Klimazielen sind“.

CO2-Mindestpreis wird diskutiert

Gemäß den Beschlüssen des deutsch-französischen Ministertreffens in Meseberg will man auch gemeinsame Vorstellungen über Instrumente als Anreize für nachhaltiges Investment und Finanzierung entwickeln. Im September, so kündigte Hulot an, „wollen wir über einen CO2-Mindestpreis diskutieren“.

Als weiteren Punkt wollen Frankreich und Deutschland sicherstellen, dass bei der Erarbeitung des multinationalen EU-Finanzrahmens die Investitionen in erneuerbare Energien und Energieeffizienz wie auch in nachhaltige Mobilität einbezogen werden.
 
Eine Kooperation soll es auch bei der Versorgungssicherheit geben, etwa im Pentalateralen Energieforum, zusammen mit den Benelux-Ländern. „Wir wollen die Zahl der europäischen Interkonnektoren vergrößern“, sagte Altmaier. Ein gemeinsames Anliegen auf EU-Ebene sei auch die Umstellung von L-Gas auf H-Gas.

Prüfen will man zudem ein gemeinsames französisch-deutsches Kapitel in den nationalen Energie- und Klimaplänen (NECP), für die bis zum Jahresende Entwürfe präsentiert werden sollen. 

Gemeinsame Projekte für Erneuerbaren-Ausbau, auch Offshore

Beim Erneuerbaren-Ausbau für die 2030-Ziele werden gemeinsame Pilotprojekte angepeilt, etwa für die Offshore-Entwicklung in der Nordsee im Rahmen der bestehenden Nordsee-Energiekooperation. Angedacht ist auch der Test von grenzüberschreitenden Auktionen sowie eine grenzüberschreitende Modellregion zur Systemintegration auf Verteilnetzebene.

Weitere Kooperationen soll es bei der Entwicklung der Wasserstoff-Nutzung sowie für die klimafreundliche Wärmeversorgung von Quartieren in Großstädten geben inklusive der Abwärmenutzung nahe gelegener Unternehmen. Energiespeicherung und die Fertigung von Batteriezellen sind ebenfalls Themen, die Deutschland und Frankreich auf EU-Ebene voranbringen wollen.

„Wir haben den festen Willen, die Ziele zu erreichen und wollen eine sehr konkrete Zusammenarbeit“, unterstrich Hulot. Wie weit die so unterschiedlichen Partner dabei kommen werden, wird spannend zu sehen.
 

Angelika Nikionok-Ehrlich
Redakteurin
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Freitag, 13.07.2018, 08:40 Uhr

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