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Enerige & Management > Gas - Desaster beim Stromnetzausbau vermeiden
Bild: Fotolia.com, WoGi
GAS:
Desaster beim Stromnetzausbau vermeiden
Power-to-Gas-Befürworter schlagen vor, durch Nutzung des Gasnetzes für den Transport erneuerbarer Energie einen Teil des schwierigen Stromnetzausbaus überflüssig zu machen.
 
Zweifel an der Umsetzbarkeit des vorgesehenen Stromnetzausbaus und Überlegungen, das Gasnetz als Alternative für den Energietransport von Nord nach Süd zu nutzen, vermittelte der Effizienzdialog der Gaswirtschaftsverbände DVGW und ASUE am 27. September in Berlin.

Mit Power-to-Gas könne der Stromnetzausbau deutlich reduziert werden, weil mit dieser Technik erneuerbarer Strom umgewandelt in Wasserstoff oder synthetisches Erdgas im Gasnetz transportiert werden könne, warb Gerald Linke für das von der Gaswirtschaft mitentwickelte Verfahren. Das Gasnetz sei so leistungsfähig, dass es doppelt soviel Energie transportieren könne als das Stromnetz, ergänzte der Vorstandsvorsitzende des DVGW.

Angesichts der Netzengpasskosten im Stromsektor, die zunehmend zum Problem würden, sei es an der Zeit, über Möglichkeiten nachzudenken, die ein Scheitern der Energiewende verhindern, forderte Linke.

Ohne Power-to-Gas und nur mit dem Ausbau der Stromnetze sei die Energiewende nicht zu schaffen, betonte auch Michael Sterner. Der Stromnetzausbau drohe zum „Berliner Flughafen der Energiewende“ zu werden, warnte der Professor an der Ostbayerischen Technischen Hochschule in Regensburg, der als einer der Erfinder von Power-to-Gas gilt, vor einem ähnlichen Desaster.

Dieses Verfahren erschließe das Gasnetz auch als großen Energiespeicher, ohne den die Energiewende nicht auskomme. Sterner hält Power-to-Gas für so weit entwickelt, dass es eingesetzt werden kann. „Wir brauchen nicht mehr zu forschen“, sagte er in Berlin.

Er habe „große Zweifel, dass wir das so hinkriegen“, bekannte zum Thema Stromnetzausbau auch Carsten Müller, Umwelt- und Energiepolitiker der CDU/CSU-Fraktion. „Ich glaube, dass uns das Thema Leitungsbau noch eine ganze Zeit beschäftigen wird.“

Rahmenbedingungen für Energiespeicher verbessern

Nicht erst wie vom Bundeswirtschaftsministerium vorgesehen nach 2030, sondern umgehend geeignete Rahmenbedingungen für Energiespeicher und damit auch für Power-to-Gas zu schaffen, forderte beim Effizienzdialog Oliver Krischer. Das sei in der laufenden Legislaturperiode versäumt worden, kritisierte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Energiefachmann der Bundestagsfraktion der Grünen. Speicher dürften nicht weiter als Endverbraucher eingestuft und mit Verbraucherabgaben belastet werden. „Die Technologien müssen entwickelt werden“, so sein Appell.

Auch Nina Scheer, Energiepolitikerin der SPD-Fraktion, ließ mit aller Vorsicht Unterstützungsbereitschaft für Power-to-Gas erkennen. „Wir sollten die Netze, die wir haben, so gut nutzen, wie wir können“, sagte sie. Scheer äußerte grundsätzliche Zweifel an der Notwendigkeit des Baus der großen Nord-Süd-Stromtransportleitungen und plädierte dafür, auch den Netzausbau dezentraler zu denken und den Strom möglichst nahe an der Erzeugung zu verbrauchen.

Müller sagte, er könne sich vorstellen, im Stromsektor vermiedene Netzausbaukosten Power-to-Gas gutzuschreiben und damit die Finanzierung von solchen Anlagen zu erleichtern. Auch er plädierte dafür, die Rahmenbedingungen für den Einsatz der Technologie möglichst bald zu verändern.

Müller sprach sich beim Effizienzdialog auch dafür aus, Erdgas stärker als Kraftstoff einzusetzen, um rasch zu einer Verringerung lokaler CO2- und Schadstoffemissionen aus dem Verkehr zu kommen. Dafür plädierten auch Vertreter der Gaswirtschaftsverbände ASUE und DVGW. „Gas hat noch viel Potenzial“, sagte DVGW-Chef Linke. Nach „effizienten Lösungen“ mit Erdgas zu suchen, sieht auch ASUE-Präsident Ludwig Möhring als wichtige Aufgabe, um im Klimaschutz rasch voranzukommen. „Die schönen Zeiten der Energiewende, in denen wir uns nur um den Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung kümmern mussten, sind vorbei, sagte er. „Jetzt wird es wirklich komplex.“

Klimapolitisch gesehen wird Erdgas langfristig jedoch immer mehr zum Auslaufmodell – auch das verdeutlichte der Effizienzdialog. Scheer und Krischer wiesen noch einmal darauf hin, dass das Pariser Klimaabkommen einen generellen Abschied von der fossilen Energieerzeugung erfordere. „Wenn man Paris ernst nimmt, wird Erdgas ab 2050 keine Rolle mehr spielen“, erklärte der Grünen-Politiker. Auch deshalb arbeiten ASUE und DVGW so intensiv daran, Power-to-Gas zum Durchbruch zu verhelfen.
 

Peter Focht
Redakteur
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Mittwoch, 28.09.2016, 12:08 Uhr

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