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Enerige & Management > Bilanz - Der Wind bläst Vattenfall im dritten Quartal in die Höhe
Quelle: Pixabay / martaposemuckel
BILANZ:
Der Wind bläst Vattenfall im dritten Quartal in die Höhe
Vattenfall auf Wachstumskurs: Der schwedische Staatskonzern hat auch das dritte Quartal erfolgreich bestritten. Eine Gewinndelle führt das Unternehmen auf Einmaleffekte zurück.
 
Für das dritte Quartal des Jahres meldet der schwedische Energieriese Vattenfall einen Gewinn von 6,7 Milliarden schwedischen Kronen. Das sind umgerechnet 611 Millionen Euro – und man möchte ein „nur“ hinzufügen. Allerdings gab es im Vorjahresquartal nur deswegen mit 1,67 Milliarden Euro einen fast drei Mal so hohen Überschuss, weil Vattenfall damals die Erlöse auch aus dem Verkauf des Berliner Stromnetzes als einmalige Einnahme verbuchen konnte. Hinzu kamen Kompensationszahlungen durch den Atomausstieg in Deutschland.

Insofern ist der Blick auf andere Kennzahlen aufschlussreicher. Vornehmlich die Erträge aus dem Windenergiegeschäft und dem Vertrieb, so Vattenfall-Chefin Anna Borg, trieben das bereinigte operative Ergebnis nach oben, auf 569 Millionen Euro. Das ist ein Zuwachs gegenüber Juli bis September 2021 (436 Millionen Euro) von gut 30 Prozent.

Umsatzplus bei den Schweden erreicht fast 50 Prozent

Den Löwenanteil am Plus machten die Geschäfte aus, die um den Einkauf und Einsatz teurer Brennstoffe umhinkommen: Mit der Windkraft verdiente Vattenfall im vergangenen Quartal allein rund 375 Millionen Euro (bereinigt). Fast folgerichtig entwickelten die Bereiche Energieerzeugung (aus konventionellen Anlagen) und Wärme sich etwas rückläufig. Am Ausbau der Erneuerbaren führe gerade in diesen Zeiten kein Weg vorbei, kommentierte Borg. Insgesamt wuchs der Umsatz in den vergangenen drei Monaten immerhin auf 4,85 Milliarden Euro, eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr (3,29 Milliarden Euro) um fast 50 Prozent.

Die enormen Preisschwankungen auf den Energiemärkten machen es auch für Vattenfall komplizierter, die Geschäfte zu entwickeln. Gerade in den nordischen Staaten seien die Zahlen daher uneinheitlich. Ebenso sei während der Energiekrise in Europa das Sparen von Brennstoffen und Elektrizität angezeigt, Vattenfall wolle seiner Kundschaft dabei Hilfe leisten. Geringerer Verbrauch führe gleichermaßen zu niedrigeren Endabrechnungen wie fallenden Börsenpreisen.

Für stabilere Energiepreise sind auf der anderen Seite auch verlässliche und ausreichende Erzeugungskapazitäten wichtig. In diesem Bereich hadert Vattenfall etwas mit den Windverhältnissen der jüngeren Zeit. Auch der mehrmonatige Ausfall des Atom-Reaktors Ringhals 4 in Südschweden sei in diesem Zusammenhang „besonders unglücklich“, so Anna Borg. Das Anfahren des Meilers, der über eine Leistung von 1.120 MW verfügt, kündigte sie nun für den 31. Januar 2023 an.

Investitionen im europäischen Ausland sollen in Zukunft Früchte tragen. In Deutschland wäre ein relevanter Zukunftstermin das Jahr 2027: Dann soll ein Nordsee-Windpark vor Borkum mit 980 MW Leistung ans Netz gehen, woraus rechnerisch mehr als eine Million Haushalte Ökostrom beziehen könnten. Anna Borg verwies bei der Präsentation des Quartalsberichts darauf, dass Vattenfall jüngst von seinem Eintrittsrecht für dieses Windfeld mit der Bezeichnung „N-7.2“ Gebrauch gemacht habe.

Belzig lässt grüßen: "Probleme anderer Marktteilnehmer mit Terminkontrakten"

Eine Kröte mussten die Schweden dabei schlucken: Der Essener Energiekonzern RWE hatte zwischenzeitlich den Zuschlag zu einem Gebot von 0 Cent öffentlicher Förderung erhalten, für den Fall, dass Vattenfall von seinen älteren Rechten zurücktreten würde. Zu diesem Nullbetrag muss Vattenfall nun auch das Projekt vor der deutschen Nordseeküste entwickeln. In den Niederlanden ist früher Bewegung: 2023 soll der Welt größter Windpark „Hollandse Kust Zuid“ vollständig ans Netz gehen, die Fundamente sind gesetzt und erster Strom ist produziert. Zudem entsteht eine Pilotanlage zur Wasserstoffspeicherung, aus der fossilfreier Stahl (Eisenschwamm) in hoher Qualität hervorgehen soll.

Interessant ist auch der Hinweis Vattenfalls, dass andere Marktteilnehmer Probleme bekommen hätten aufgrund von Terminkontrakten, während die Schweden selbst sich in einer Position der „finanziellen Stärke“ befänden. Terminkontrakte schließen eben Geschäfte von Energiehändlern ein, die zu früheren Zeitpunkten zum Beispiel mit Vattenfall die Lieferung von Energie zu festgelegten Preisen vereinbart hatten. Die Stadtwerke Bad Belzig sind solch ein Fall, einer mit „Problemen“.

Denn der erhoffte Gewinn aus höherem Verkaufspreis im Vergleich zu den anfallenden Beschaffungskosten verkehrte sich im Belziger Fall ins Gegenteil. Als die Brandenburger die versprochenen Mengen selbst einzukaufen hatten, waren die Preise explodiert. Mit den bekannten Folgen: Die Stadtwerke stehen bei Vattenfall mit einem zweistelligen Millionenbetrag in der Kreide, befinden sich daher im Insolvenzverfahren und kämpfen gerade um einen Neustart 2023 mit dem Partner Remondis Aqua (wir berichteten). Vattenfall wolle nun eigene Geschäftsabläufe optimieren und zusätzliche Liquiditätspuffer aufbauen, um selbst für mögliche Verluste in diesem Bereich gewappnet zu sein.
 

Volker Stephan
© 2023 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 27.10.2022, 15:51 Uhr

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