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Enerige & Management > Windkraft Offshore - Der Wellenbrecher
Bild: diak / Fotolia
WINDKRAFT OFFSHORE:
Der Wellenbrecher
Das Projekt Kaskasi wird der nächste Offshore-Windpark sein, der in deutschen Gewässern in Betrieb geht. Bei RWE Renewables laufen für den Start 2022 die Vorbereitungen auf Hochtouren.
 
Einen wirklich bildhaften, aussagekräftigen Namen für einen Offshore-Windpark zu finden, ist durchaus knifflig. Ein Meerwindkraftwerk beispielsweise Kaskasi zu nennen, zeigt da einiges an Einfallsreichtum. Bei dem Begriff handelt es sich um einen starken Monsun-Wind, der während der Wintermonate in Ostafrika bläst.
Kaskasi heißt der nächste Offshore-Windpark in deutschen Gewässern, den RWE Renewables ab Sommer 2022 sukzessive ans Netz anschließen will. Kaskasi liegt im sogenannten Helwin2-Cluster rund 35 Kilometer nordwestlich vor der Nordseeinsel Helgoland − etwa in der Mitte zwischen den bereits laufenden RWE-Offshore-Windparks Nordsee Ost und Amrumbank West.

Vielleicht hätten die Verantwortlichen am Unternehmenssitz in Essen das Projekt besser Hope (Hoffnung) oder Depart (Aufbruch) genannt, wenn ihnen bei der Planung die Wellenbrecherfunktion von Kaskasi klar gewesen wäre: Wenn die 38 Windturbinen der 9-MW-Klasse in der zweiten Jahreshälfte 2022 nach und nach in Betrieb gehen, beenden sie den gut zweieinhalb Jahre andauernden Fadenriss auf See, vor dem die deutsche Offshore-Windbranche die Politik immer − aber vergeblich − gewarnt hatte.

Klammert man zwei verzögerte, recht kleine Vorhaben aus, die bereits im Spätherbst 2019 am Netz hätten sein sollen, ruht der Ausbau der Offshore-Windenergie in deutschen Gewässern seit Anfang 2020. Kaskasi beendet in gut anderthalb Jahren diese politisch verursachte Flaute - im Frühjahr 2022 beginnen zudem die Errichtungsarbeiten für das Parkwind-Projekt Arcadis Ost 1 in der Ostsee.

„Wir haben noch genügend Arbeit vor uns, bis der Bau auf See beginnt“, sagt Frits Laugeman. Derzeit werden unter anderem die Fundamente gefertigt, die ab dem dritten Quartal 2021 im Nordseeboden verankert werden sollen. Der gebürtige Niederländer, der durch die Essent-Übernahme − abgesehen von einer kurzen Unterbrechung bei Innogy − seit mehr als einem Jahrzehnt zur RWE-Belegschaft gehört, ist als Projektdirektor für den Bau des Windparks Kaskasi verantwortlich. „Wir liegen bislang super im Zeit- und Budgetplan und es gab soweit keine größeren Schwierigkeiten“, lautet sein Zwischenfazit.

Gleich sechs Pilotwindenergieanlagen sind bei Kaskasi vorgesehen

Das positive Bild rundet der lange Zeit erwartete Planfeststellungbeschluss ab, den die RWE-Zentrale kurz vor Weihnachten vom zuständigen Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie erhielt. Kaskasi ist der erste deutsche Offshore-Windpark, der nach dem seit Anfang 2017 gültigen Windenergie-auf-See-Gesetz genehmigt wurde.

Mit einer Leistung von 342 MW zählt er eher zu den mittelgroßen Seewindprojekten im Vergleich zu den Vorhaben, die beispielsweise derzeit rund um die britische Insel geplant und umgesetzt werden. Laugeman hat damit kein Problem: „Wichtig ist, dass sich Kaskasi für uns rechnet. Was es tut.“ Das frühere RWE-Tochterunternehmen Innogy, dessen regenerative Assets nach dem Eon-RWE-Deal alle komplett beim RWE-Mutterkonzern gelandet sind, hatte den Zuschlag für Kaskasi bei der zweiten Ausschreibungsrunde für die Offshore-Windenergie im Frühjahr 2018 erhalten − und zwar für ein Gebot, das damals über dem veröffentlichten Durchschnittspreis von 4,66 Cent pro Kilowattstunde gelegen hat.
 
Nordsee Ost ist einer von demnächst sechs Offshore-Windparks, die RWE Renewables in deutschen Gewässern betreibt − allein oder mit Partnern 
Bild: RWE Renewables/Matthias Ibeler

Neben diesem „regulären Tarif“, der auf dem Zuschlag in der zweiten Ausschreibungsrunde basiert, hat sich das Projekt Kaskasi gleich für sechs der insgesamt 38 Windturbinen den Status einer Pilotwindenergieanlage gesichert. Dafür ist laut Wind-auf-See-Gesetz der Einsatz innovativer, bislang noch nicht marktüblicher Technik die Voraussetzung. RWE Renewables wird deshalb der Strom dieser sechs Pilotwindenergieanlagen 20 Jahre lange jeweils mit zehn Cent pro Kilowattstunde vergütet. Diesen Einspeisesatz sieht Paragraf 69 des Wind-auf-See-Gesetzes vor.

Was ist neu bei Kaskasi? Es kommt zum Beispiel ein neues, leiseres Installationsverfahren für die Monopile-Fundamente zum Einsatz, das „Vibro Pile Driving“. „Untersuchungen der von uns beauftragten Ingenieure zeigen, dass wir mit diesem Verfahren sowohl die Geräuschemissionen als auch die Konstruktionszeiten spürbar verringern können“, erklärt Matthias Esken, Senior-Projektmanager bei Kaskasi. „Kaskasi wird der erste kommerzielle Offshore-Windpark der Welt sein, der diese Technik bei der Installation aller Monopile-Fundamente einsetzt, um diese bis zur endgültigen Tiefe in den Meeresboden einzubringen.“

Eine weitere Innovation, die bei drei Windturbinen eingesetzt wird, sind „Collared Monopiles“. Bei diesen Stahlzylinderfundamenten wird ein zusätzlicher Stahlkragen ebenerdig um die Monopiles angebracht, um so die Standfestigkeit zu verbessern. „Wir freuen uns, dass wir Ideen aus unserem eigenen Engineering-Team demnächst vor Ort testen können“, betont Esken. Während der Laufzeit sind mehrere Testreihen vorgesehen, die zeigen sollen, dass der Stahlkragen nicht nur Unterstützung bei seitlicher Belastung bietet, sondern auch die Tragfähigkeit der Fundamente im Vergleich zu Standard-Monopiles verbessert.

RWE Renewables hat vollen Zugriff auf das HelWind2-Cluster

Neben den Pilotwindanlagen dürfte noch eine Entwicklung die Wirtschaftlichkeit von Kaskasi ein Stück verbessern, die die Verantwortlichen in Essen anfangs sicherlich noch nicht auf dem Plan hatten: Nach dem Eon-RWE-Deal gehören mit Kaskasi, Amrumbank West (302 MW) und Nordsee Ost (295 MW) drei Offshore-Windparks im Helwin2-Cluster RWE Renewables. „Dadurch ergeben sich bei Betrieb und Wartungsarbeiten eine Reihe von Synergien“, sagt Gunther Amt, der bei dem Kaskasi-Projekt für die Finanzen zuständig ist. Derzeit wird das Konzept für den Betrieb und die Wartung der drei Windparks erarbeitet. In diesem sollen sie als Cluster betrachtet werden, also als wären sie ein einzelner, großer Windpark. Klar ist, dass RWE Renewables die drei Offshore-Windparks von der eigenen Servicestation auf der Nordseeinsel Helgoland betreuen wird: „Und zwar mit einer eigenen Wartungsmannschaft“, betont Amt.

Gut 70 Köpfe umfasst derzeit das Kaskasi-Projektteam. Diesen Offshore-Windexperten dürfte die Arbeit nach dem Start der 38 Siemens-Gamesa-Windturbinen nicht ausgehen. Nach eigenen Angaben umfasst die aktuelle Projektpipeline von RWE Renewables rund 7.000 MW unter anderem in Großbritannien, Taiwan und Japan − ohne zentrale Ausschreibungen, die RWE zusätzlich in Erwägung zieht. Für die deutschen Gewässer verfügt der Essener Energiekonzern gemeinsam mit Partnern über drei vorentwickelte Offshore-Windparkprojekte (Delta Nordsee und Nordsee 2 & 3 mit Partner Northland Power), die über eine gesetzliche Sonderregelung mit sogenannten Last Call Options („Eintrittsrechte“) bei den nächsten Auktionsrunden (geplant für Herbst 2021) bevorzugt behandelt werden müssen.

Frits Laugeman, der Kaskasi-Projektdirektor, zeigt sich gelassen: „Weltweit ist RWE der zweitgrößte Akteur im Bereich der Offshore-Windenergie und wir wollen unsere führende Position noch ausbauen. Dafür sind bereits weitere Windparks in der Planung. Uns wird also auch, wenn wir den Offshore-Windpark Kaskasi an das Betriebsteam übergeben haben, die Arbeit nicht ausgehen.“ E&M
 
Die Offshore-Windparks von RWE Renewables in Deutschland
Kaskasi (Q4 2022) − 342 MW
Nordsee Ost − 295 MW
Nordsee One − 332 MW (davon RWE-Anteil: 15 %)
Amrumbank West − 302 MW
Arkona − 385 MW (davon RWE-Anteil: 50 %)
Testfeld Alpha Ventus − 60 MW (davon RWE-Anteil: etwa 26 %)
Gesamt: etwa 1.212 MW
 
 

Ralf Köpke
© 2021 Energie & Management GmbH
Mittwoch, 17.02.2021, 09:32 Uhr

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