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Enerige & Management > Windkraft Onshore - Der Süden wird abgehängt
Bild: Massimo Cavallo Fotolia
WINDKRAFT ONSHORE:
Der Süden wird abgehängt
Eine Untersuchung der Fachagentur Windkraft an Land zeigt ein krasses Übergewicht der nördlichen Regionen beim künftigen Windkraftausbau. Eine Regionalquote könnte für Abhilfe sorgen.
 
Nach den ersten beiden Ausschreibungsrunden für die Windkraft an Land zeichnet sich ein krasses regionales Ungleichgewicht für den weiteren Windkraftausbau ab: Nach einer landkreisscharfen Auswertung der Fachagentur Windenergie an Land werden 84,5 Prozent der bei den Auktionsrunden erfolgreichen Windenergieanlagen in den nördlichen Bundesländern (dazu zählt die FA Wind Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt) in Betrieb gehen. Besonders erfolgreich ist übrigens Brandenburg, auf das allein knapp 30 Prozent der Windturbinen entfallen. Die Südhälfte (Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen und Thüringen) kommt dagegen nur auf 15,5 Prozent der bezuschlagten Windturbinen.

Damit scheinen sich die Befürchtungen zahlreicher Branchenexperten zu bestätigen, die angesichts der in der Regel windreicheren Standorte im Norden deutliche Wettbewerbsvorteile für neue Windparkprojekte bei den Ausschreibungen vorhergesagt hatten. Das von der FA Wind ermittelte Missverhältnis zwischen Nord und Süd ist umso erstaunlicher, da große Teile Norddeutschlands seit der letztjährigen EEG-Reform zum sogenannten Netzausbaugebiet gehören: In ganz Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Bremen sowie in den nördlichen Landkreisen Niedersachsens sind die Zuschläge für neue Windparks neben dem politisch gewollten Ausbaudeckel von 2 800 MW brutto pro Jahr zusätzlich limitiert worden.

Sollte sich diese Entwicklung bei den nächsten Ausschreibungsrunden fortsetzen, würde der Trend der Vorjahre umgekehrt: Fast alle Windenergieanlagenhersteller hatten in den vergangenen Jahren Schwachwindturbinen mit immer höheren Türmen angeboten, die besonders für Binnenlandstandorte konzipiert worden sind. Deshalb wurden zwischen 2014 und Mitte 2017 jährlich immerhin rund 30 Prozent der Neuanlagen in der südlichen Hälfte Deutschlands errichtet, die anderen 70 Prozent entfielen auf die nördlichen Regionen.

Die bisherigen Ausschreibungsergebnisse sind für einige Bundesländer ziemlich bitter, da sie zuletzt eine Windkraft-Offensive gestartet haben: Baden-Württemberg ging bei den Auktionen gleich zweimal leer aus, Hessen erhielt lediglich sechs Zuschläge für insgesamt 24 Windturbinen − viel zu wenig, um die von den jeweiligen Landesregierungen in Stuttgart und Wiesbaden angestrebten Ausbauziele zu erreichen.
 
Übersichtskarte von der Fachagentur Windkraft an Land
Grafik: FA Windkraft an Land

Die bislang ungleiche regionale Verteilung der erfolgreichen Windparkprojekte lässt nicht nur willige Windländer wie Baden-Württemberg und Hessen im Regen stehen, sondern schafft absehbar neue Probleme: Je mehr neue Windkraftanlagen im Norden gebaut werden, desto größer dürften die Akzeptanzprobleme mit Anwohnern vor Ort werden.

Um auch künftig einen einigermaßen flächendeckenden Windkraftausbau zu gewährleisten – den die Bundesregierung übrigens bei der EEG-Reform versprochen hatte –, erinnert Reiner Priggen an die Forderungen nach einer Regionalquote bei den Ausschreibungen aus dem letzten Jahr: „So ungleichmäßig, wie sich die Zuschläge bei den ersten beiden Auktionsrunden verteilt haben, spricht vieles für einen Länderproporz bei den Ausschreibungen“, sagt der Vorsitzende des Landesverbandes Erneuerbare Energien NRW.

Im vergangenen Jahr hatten verschiedene Umwelt- und Energieministerien, darunter Baden-Württemberg und das damals noch rot-grün regierte Nordrhein-Westfalen, eine 40-prozentige Quote für Windparkprojekte südlich des Mittellandkanals bei den Ausschreibungen gefordert.

Priggen kann sich auch gut vorstellen, den Bau neuer Windturbinen an die jeweilige Netzsituation in den einzelnen Bundesländern zu koppeln: „Mit einem Bonus-Malus-System ließe sich der Zubau systemverträglich steuern.“ Ähnlich sah auch der Vorschlag des Energiekonzerns Energie Baden-Württemberg für eine Regionalquote im vergangenen Jahr aus. Details, sagt der LEE-NRW-Chef Priggen, ließen sich immer noch klären: „Wichtig ist, dass überhaupt etwas passiert. Es kann nicht sein, dass ganze Regionen beim Windkraftausbau durch die Ausschreibungen abgehängt werden.“
 

Ralf Köpke
© 2020 Energie & Management GmbH
Dienstag, 29.08.2017, 16:54 Uhr

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