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Enerige & Management > Berater - Der Strompreis im Jahr 2050
Bild: Shutterstock
BERATER:
Der Strompreis im Jahr 2050
Wo steht der Strompreis in 30 Jahren? Ein Webinar wollte darauf Antworten geben.
 
Wer möchte das nicht wissen: „Wie entwickeln sich die Strompreise in Europa in den nächsten 30 Jahren?“ Das war der clevere Titel eines Webinars des Beratungshauses Energy Brainpool aus Berlin. Die richtige Antwort würde für viele manches erleichtern. Energy Brainpool hat den Versuch unternommen und konkrete Zahlen genannt.

Referent und Energy-Brainpool-Geschäftsführer Tobias Kurth wies allerdings darauf hin, dass es sich dabei um Szenarien handelt, die sein Unternehmen ermittelt, und nicht um Prognosen. „Die einzige Prognose, die wir anbieten, ist die Day-Ahead-Prognose für die nächsten 24 Stunden. Das ist ein Zeitraum, den man wirklich überschauen kann.“ Was in den kommenden 20, 30 Jahren wirklich passiert, das könne niemand vorhersagen.

Aber sein Unternehmen habe ein sehr gutes Modell des Energiemarktes entwickelt, das die Mechaniken des Marktes entsprechend abbilde, sagte Kurth. Wichtig sei dabei, den richtigen Input zu liefern, heißt, das Modell mit den richtigen Parametern zu bestücken. Dazu greife das Beratungshaus auf anerkannte, externe Daten zurück wie von der Internationalen Energieagentur IEA. Weitere Quellen sind die energiepolitischen Strategien der verschiedenen Länder und der EU, Pläne der diversen Netzbetreiber und nationalen Energieverbände. „Diese lassen wir einfließen und bilden daraus unsere eigenen Szenarien.“

Wie stehen die Preise nun 2050? Das Standardszenario von Energy Brainpool sieht vor, dass bis dahin die Commodity-Preise für Kohle, Erdgas und Öl auf dem heutigen Niveau stagnieren oder sogar leicht darunter sinken. Der CO2-Preis hingegen soll in den kommenden 30 Jahren stark anziehen. 140 Euro pro Tonne sind im Jahr 2050 vorstellbar. Datengrundlage ist dabei das Sustainable Development Scenario des World Energy Outlook vom Herbst vergangenen Jahres.

CO2-Preis von 140 Euro pro Tonne im Jahr 2050

„Wir wurden eine ganze Weile belächelt ob dieses Szenarios, das wir schon lange als Standardszenario haben“, sagte Kurth. Denn einige Jahre lang, als die Tonne CO2 so teuer war wie ein Päckchen Zigaretten, hätten sich nur wenige einen CO2-Preis jenseits der 20 oder 30 Euro vorstellen können. Doch seit der Kohlenstoffpreis immer neue Höhen erklimme, sei einigen Marktteilnehmern das Lachen vergangen.

„Die Realität hat sich unseren Szenarien angepasst, was uns natürlich immer am liebsten ist“, so Kurth. Für die Berater von Energy Brainpool lag und liegt es auf der Hand, dass die CO2-Preise in diese Richtung gehen würden. Denn die im Modell ermittelten Preise seien die Preise, die notwendig seien, um die Klimaschutzziele von Paris zu erreichen. „Und somit war aus unserer Sicht absehbar, dass diese Entwicklung kommen wird.“

Was kostet nun Strom im Jahr 2050? Das Standardszenario von Energy Brainpool ermittelte einen Strompreis von um die 70 Euro/MWh. Dabei handelt es sich um den durchschnittlichen Strompreis in der EU-27 und im Vereinigten Königreich.

Was den Kraftwerkspark im Jahr 2050 angeht, so wird er laut Szenario von den erneuerbaren Energien dominiert. Die Erzeugung aus Wind und PV nimmt stark zu. Kohlekraftwerke hingegen werden massiv abgebaut. „Wir rechnen eigentlich damit, dass die Kohle komplett verschwindet.“ Die Kernkraft wird wohl ungefähr auf dem jetzigen Niveau bleiben. Gaskraftwerke werden zunehmen, da sie als flexible Anlagen andere thermische Kraftwerke ersetzen.

Neben dem Standardmodell zeigte Kurth noch drei weitere Szenarien mit anderen Parametern. Dabei ergaben sich durchschnittliche Strompreise in Europa zwischen 60 Euro/MWh und an die 100 Euro/MWh. Das teuerste beziehungsweise hochpreisige Szenario ist das "EUFossil-Szenario". Dies sei das konservativste (und unwahrscheinlichste) und habe daher mit Abstand den geringsten Zubau an erneuerbaren Energien, dafür aber die höchsten Brennstoffpreise, so Kurth.
 

Stefan Sagmeister
Chefredakteur
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Donnerstag, 01.07.2021, 09:26 Uhr

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