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Enerige & Management > Klimaschutz - Der schwierige Weg zur Klimaneutralität im Jahr 2045
Quelle: Shutterstock / 24Novembers
KLIMASCHUTZ:
Der schwierige Weg zur Klimaneutralität im Jahr 2045
Damit Deutschland bis 2045 klimaneutral wird, muss sich viel mehr bewegen, als bisher geplant. Das geht aus einer Ariadne-Studie hervor. Sie ruft die Politik zu raschem Handeln auf.
 
Mehr als 50 Forschende aus über zehn Instituten haben für den Ariadne-Szenarioreport Transformationspfade zur Klimaneutralität bis 2045 durchgerechnet. Und sind zu ernüchternden Ergebnissen gekommen. Kurz gesagt: Was bisher geschieht und vorgesehen ist, reicht bei weitem nicht aus. Allein die Stromerzeugung aus Wind und Sonne müsste bis 2030 etwa 50 % höher liegen als jetzt angepeilt und der Ausstieg aus der Kohle sollte bis dahin ebenfalls erfolgen.

Dabei macht das vom Bundesforschungsministerium geförderte Kopernikus-Projekt Ariadne auch eine ganz entscheidende Schwachstelle deutlich: Im Klimaschutzgesetz sind lediglich Ziele formuliert. Doch wie der Strukturwandel dahin über alle Sektoren gelingen kann, bleibt offen.

Gunnar Luderer, Vize-Leiter des Ariadne-Projekts am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung PIK verlangt, dass schon zu Beginn der neuen Legislaturperiode wichtige Entscheidungen getroffen werden. „In der Politik wird oft noch unterschätzt, wie tiefgreifend der notwendige Umbau zur Klimaneutralität 2045 ist“, so Luderer. „Fest steht: Scheitern wir am Meilenstein des Klimaziels 2030, werden wir wohl auch 2045 nicht klimaneutral sein.“

Verfahren müssen auf industrielles Niveau kommen

Als besonders große Herausforderung auf dem Weg zur Klimaneutralität stufen die Wissenschaftler die Transformationen in den Bereichen Industrie, Gebäude und Verkehr ein. „Stehen heute noch fossile Brenn- und Rohstoffe im Mittelpunkt von zum Beispiel Stahl- oder Chemieproduktion, werden auf einem Kurs zur Klimaneutralität Strom und Wasserstoff künftig die wichtigsten Energieträger für die Industrie sein“, hebt Andrea Herbst hervor, Ko-Leiterin des Ariadne-Arbeitspakets Industriewende am Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI. Der Zeithorizont bis 2030 sei dabei entscheidend, denn in diesem Zeitraum müssten CO2-neutrale Verfahren vom Pilot- und Demonstrations-Maßstab auf industrielles Niveau skaliert und wirtschaftlich betrieben werden.

Auch die im Klimaschutzgesetz festgelegten Ziele für Gebäude werden im Modellvergleich trotz einer deutlichen Beschleunigung des Tempos der Emissionsminderungen in vielen Szenarien nicht eingehalten. „Um den Gebäudesektor auf Kurs zur Klimaneutralität zu bringen, zeigt der Modellvergleich die Notwendigkeit eines konsequenten Energieträgerwechsels und einer Steigerung von Sanierungsrate und Sanierungstiefe auf“, erläutert Christoph Kost, Ko-Leiter des Ariadne-Arbeitspakets Wärmewende am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE. Bis 2030 müsste die jährliche Sanierungsrate auf 1,5 bis 2 % steigen. 5 Mio. Wärmepumpen müssten installiert und etwa 1,6 Mio. Gebäude neu an das Fernwärmenetz angeschlossen sein.

Im Verkehrssektor zeigt der Modellvergleich die größte Diskrepanz zwischen Transformationspfaden und Sektor-Zielsetzung. Das meiste Potenzial sehen die Forscher dort, wo die meisten Emissionen entstehen: im motorisierten Individualverkehr und im straßengebundenen Güterverkehr.

„In dieser Dekade müssen wir bedeutende Schritte in der Antriebswende gehen“, sagt Florian Koller, Leiter des Ariadne-Arbeitspakets Verkehrswende am Institut für Verkehrsforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt DLR. Mit mindestens 14 Mio. elektrisch betriebenen Pkw im Bestand des Jahres 2030 müsste die Elektrifizierung im Personenverkehr auf Kurs zur Klimaneutralität 2045 rund 40 % höher liegen als zur Erreichung von Klimaneutralität im Jahr 2050.

Schließlich heben die Forschenden mit Blick auf die Herausforderungen bei Industrie, Gebäudesektor und Verkehr nochmals hervor, wie wichtig der schnelle Umstieg auf erneuerbare Energien ist: Eine Übererfüllung des Sektorziels der Energiewirtschaft könnte nämlich das Risiko einer Zielverfehlung in anderen Sektoren abfedern.
 

Günter Drewnitzky
Redakteur
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