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Enerige & Management > Stadtwerke - Der Innovationsdruck steigt und die Ideen mehren sich
Bild: Fotolia.com, nmann77
STADTWERKE:
Der Innovationsdruck steigt und die Ideen mehren sich
Um den diesjährigen „Stadtwerke Award“ haben sich 17 Unternehmen beworben – mit Konzepten, die wirtschaftlichen Erfolg versprechen.
 
Bei der Ausschreibung des zum sechsten Mal von Energie & Management, Euroforum und Trianel vergebenen „Stadtwerke Award“ (siehe www.stadtwerke-award.de) ging es um nichts Geringeres als ums Ganze: „Energiewende – Innovative Lösungen für die Energiewelt von morgen“, so lautete das Thema für die Bewerber, deren Ideen von der Jury nach Kriterien wie „Integration des Projektes in die Gesamtstrategie“, „Übertragbarkeit auf die Stadtwerke-Landschaft“, „Wirtschaftlichkeit“ und „Umweltverträglichkeit“ bewertet wurden.

Sechs Unternehmen haben die Juroren in die engere Wahl genommen, wer die Plätze eins bis drei, und wer einen Sonderpreis erhält, das wird am 5. Mai bei der 19. Euroforum-Jahrestagung „Stadtwerke 2015“ (www.stadtwerke-tagung.de   ) in Düsseldorf verkündet.

Im Rennen sind: EAM, EWE, die Stadtwerke aus Crailsheim, Neumünster und Osterholz sowie die Wemag. Zwei davon sind der E&M-Redaktion unabhängig von der Award-Vergabe aufgefallen, ihr Konzept wurde in Powernews ausführlich beschrieben: Die Stadtwerke Osterholz haben sich mit Geldinstituten und weiteren Gemeinden zusammengetan und besondere Vertriebsmodelle entwickelt; die Stadtwerke Neumünster haben mit Partnern erfolgreich das Geschäftsfeld Telekommunikation etabliert und sind damit auch einen wichtigen Schritt in die smarte Energiewelt gegangen.

Gasdruckregelanlagen mit hohem Sparpotenzial

Die Kasseler EAM, ein vollständig kommunales Unternehmen, punktete bei der Jury mit ihrem Konzept „Regenerative Beheizung von Gasdruckregelanlagen“. GDRA werden diese von den Technikern genannt, weltweit sind davon viele Tausende in Erdgasversorgungsnetzen installiert. Sie reduzieren den Druck in Ferntransportnetzen, wenn das Gas in das Netz von Verbrauchern fließen muss. Diese Gasentspannung benötigt Wärme von außen, um das Einfrieren von Anlagenteilen zu verhindern. Gängige Praxis rund um den Globus: Um das unter hohem Druck stehende Gas für die Entspannung auf höhere Temperatur zu bringen, wird Wärme aus erdgasgefeuerten Kesseln genutzt. Das kostet Geld für Gas, das schadet der Umwelt durch Emissionen. Allein im Versorgungsgebiet der EAM-Tochter EnergieNetz Mitte gibt es 73 GDRA mit Vorerwärmung. Deshalb hat man sich bei EAM überlegt, regenerative Wärmequellen dafür zu nutzen. In einem Pilotprojekt wurden für die GDAR-Erwärmung Solarkollektoren installiert sowie die Abwärme eines Bioblockheizkraftwerk genutzt. Ein Pufferspeicher gleicht die schwankende solare Wärme aus. Wurden vorher 1 700 000 kWh Heizgas verbraucht, so werden jetzt mit der Solarthermie 143 620 kWh eingespart, das Bio-BHKW steuert 999 810 kWh bei. Das Ergebnis: 67 Prozent regenerative Wärmedeckung und rund 275 000 kg CO2-Einsparung. Der Projektmanager Sven Fries: „Die Anlage läuft im kommerziellen Dauerbetrieb ohne Störung.“ In einem nächsten Schritt will EAM weitere Anlagen nach diesem Muster errichten, plant aber auch, die Abwärme von Biogasanlagen sowie Gaswärmepumpen zu nutzen.

Fries: „Nach unserem Kenntnisstand ist die EnergieNetz Mitte der deutschlandweit erste Gasversorger, der ein solches Konzept verfolgt. Dabei ist das Potenzial zur Übertragbarkeit hoch, da im Grunde jeder Gasnetzbetreiber über GDRA mit Vorerwärmung verfügt.“ Gemeinsam mit ihren Projektpartnern will die EAM das Konzept bundesweit vermarkten.

Hausspeichersysteme aus eine Hand

Die Oldenburger EWE Vertrieb konnte die Jury mit ihrem „EQOO Hausspeicher – Sonnenenergie speichern mit System“ davon überzeugen, dass sie zu den Favoriten bei der Award-Vergabe gehört.

EQOO besteht aus einer Photovoltaik-Anlage, einem Stromspeicher sowie einem Ergänzungsstromvertrag mit 5-Jahres-Festpreisgarantie. Der Produktmanager Stefan Büttelmann über sein Angebot: „Der integrative Ansatz des Hausspeichersystems ist in Deutschland bisher einmalig und bedeutet für den Kunden, dass er nur mit einem Ansprechpartner seine gesamte Investition abwickeln kann.“ Ob nun wirklich einmalig, das Konzept ist jedenfalls vorbildlich für andere Stadtwerke, die ihren Kunden Dienstleistungen anbieten wollen beziehungsweise in der Zukunft verstärkt anbieten müssen.

Die EWE Vertrieb hat bisher 200 der Hausspeichersysteme verkauft, laut Büttelmann gibt es 800 Anfragen, „die zeitnah bedient werden“. In der Planung der Oldenburger sind in den nächsten zwei Jahren der Absatz von 550 EQOO. Büttelmanns Wirtschaftlichkeitsprognosen: „Eine Prognose zur Absatz- und Preisentwicklung im Speichermarkt ist mit starken Unsicherheiten verbunden, wir gehen aber davon aus, dass sich das Produkt in drei Jahren amortisiert hat.“ Dabei ist die Annahme, dass mit dem Speichersystem 70 Prozent Stromkosten gespart werden und die EWE-Kunden bei einem Festpreisangebot über fünf Jahre Planungssicherheit haben.

Die größte solarthermische Anlage in Deutschland

43 Seiten Bewerbungsunterlagen haben die Stadtwerke Crailsheim der Jury mit ihrem Projekt „Solare Nahwärme Crailsheim“ „zugemutet“. Schöne Bilder sind anzuschauen von Vögeln und Echsen, von Hasen und Schmetterlingen, von Rebstöcken und Blutströpfchen – von unberührter beziehungsweise wieder entstehender Natur im Zusammenhang mit 7 500 Quadratmeter installierter thermischer Solarkollektoren für die Nahwärmeerzeugung.

Eva Reu, die Projektleiterin, sagt: „Mit dieser Kollektorfläche haben wir Deutschlands größte zusammenhängende thermische Solaranlage.“ Und sie sagt auch: „Wir haben ein europaweit einzigartiges Speicherkonzept.“ Die Speicher sind tatsächlich das Herzstück der Anlage, umgesetzt durch zwei Heißwasserspeicher und einem Erdsondenspeicher. 80 Erdwärmesonden geben bei überschüssiger Wärme im Sommer die Wärme an 55 Meter tiefes Gestein ab, im Winter bringen Wärmepumpen das kostbare Gut wieder an die Oberfläche – ins Nahwärmenetz.

Was die Crailsheimer vor allem wollten und nun auch schon haben: Ein Wohngebiet mit im Augenblick 200 Haushalten (geplant 280) wird zu rund der Hälfte mit Heizwärme und Warmwasser aus der Solarthermie versorgt, die Restwärme wird in KWK-Anlagen produziert. Die Technik wurde in ein ökologisches Gesamtkonzept eingebunden. Die Kollektoren sind größtenteils auf einem Lärmschutzwall und auf großen Gebäuden installiert. In Crailsheim ist man davon überzeugt, dass sich ihr Konzept auch in Gewerbe- oder Industriegebieten umsetzen lässt.

Batteriespeicher sind schon heute marktfähig

Bei der nicht enden wollenden Diskussion, ob wir Speicher bei der Energiewende schon jetzt oder erst in x Jahren benötigen, ist nichts besser, als Fakten zu schaffen. Die Wemag hat das gemacht, und im September 2014 einen 5-MW-Lithionen-Ionen-Speicher installiert, der, welches Wunder, wirtschaftlich arbeitet. Die Wemag-Pressesprecherin Diana Kuhrau in der Bewerbung um den Stadtwerke Award: „Der Batteriespeicher trägt nicht nur zur Systemstabilität bei, er kann zudem ohne dauerhafte Förderung wirtschaftlich betrieben werden.“ Die Batterie finanziere sich über dieTeilnahme am Primärregelenergiemarkt, heißt es in Schwerin. Und weiter: Die Wemag zeigt mit diesem Projekt, dass Batteriespeicher schon heute marktfähig sind und Systemdienstleistungen effizienter als konventionelle Kraftwerke bereitstellen können.

Diana Kuhrau freut sich über die öffentliche Resonanz des Speichers: „Wir erhalten täglich mehrere Anfragen von nationalen wie internationalen Branchenteilnehmern, die sich für die Batterie und das dahinterstehende Geschäftsmodell interessieren.“ Derzeit wird bei der Wemag überlegt, wie sich mit der Batterie weitere Dienstleistungen wie die Bereitstellung von Blindleistung oder für den Schwarzstart von Netzen anbieten lassen.
 

Helmut Sendner
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Donnerstag, 30.04.2015, 09:56 Uhr

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