• Höhere Erneuerbaren-Einspeisung drückt den Strompreis
  • RWE will größten Meereswindpark Dänemarks bauen
  • Gesplittete Tarife in der Grundversorgung landen vor Gericht
  • Erdgasautos im ADAC-Ranking an erster Stelle
  • Erneuerbare Energien sollen weiter Geld verdienen
  • Verbände fordern baldigen Neustart der KfW-Förderung
  • Dena-Netzstudie III empfiehlt integrierte Planung und frühe Beteiligung
  • Lichtblick strebt Klimaneutralität bis 2035 an
  • Stadtwerke Konstanz steigen in THG-Quotenhandel ein
  • Salzgitter und Oersted visieren geschlossene Wertschöpfungsketten an
Enerige & Management > E&M Vor 20 Jahren - Der Griff nach den Sternen
Bild: Shutterstock, Ivan Marc
E&M VOR 20 JAHREN:
Der Griff nach den Sternen
Seit der Liberalisierung haben sich die Strukturen der Energiewirtschaft immer wieder gewandelt. Auch der Eon-Konzern hat mehrfach seine Gestalt verändert.
 
Wer hätte einmal gedacht, dass Eon Teile von RWE kaufen würde? Im Jahr 2001 bestimmt nicht. Damals war Eon − noch in Düsseldorf ansässig − gerade auf Einkaufstour in Großbritannien. Der damalige stellvertretende E&M-Chefredakteur Jan Mühlstein berichtet in der Ausgabe vom 1. Mai über die jüngsten Transaktionen.
 
Vor der Konzernzentrale der Eon auf dem Düsseldorfer Benningsenplatz 1 werden demnächst neben der blauen Europafahne mit dem Sternenkranz auch der Union Jack und die Stars and Stripes aufgezogen.
 
Mit der Akquisition von Power Gen steigt die Nr. 2 der deutschen Strom-Liga zum zweitgrößten Energiedienstleister der Welt mit einem Stromabsatz von 323 Mrd. kWh sowie mit 30 Mio. Strom- und Gaskunden auf.
 
Am 9. April veröffentlichte die Eon AG das „bedingte Angebot“, den Aktionären des britischen Energieversorgungsunternehmens Power Gen plc, London, 765 Pence pro Aktie zu zahlen. Dieses laut Eon-Chef Ulrich Hartmann „faire Angebot“ erfreut sich der einstimmigen Billigung vom Power Gen Board. „Ich bin davon überzeugt, dass dies für unsere Aktionäre, Mitarbeiter und Kunden eine ebenso exzellente Transaktion ist wie für Eon“, kommentierte Ed Wallis, Chairman von Power Gen, die friedliche Übernahme vor der internationalen Presse.

 
Ulrich Hartmann (Vorstandsvorsitzender von Eon, 2001):
Weitere Schritte auf dem US-Markt sollten folgen
Bild: Eon/E&M

Mit dem nun eingefädelten Erwerb von Power Gen und dessen US-Tochter LG&E im US-Bundesstat Kentucky setzt der aus Veba und Viag entstandene Konzern zum Doppelsprung über den Kanal und über den Atlantik an. Nach der vollzogenen Transaktion werde Eon über eine herausragende Positionen in Deutschland, Großbritannien, Skandinavien und Osteuropa und über eine exzellente Wachstumsplattform in den USA verfügen, betonte Hartmann. LG&E stelle dabei für Eon nur den ersten Schritt auf dem US-Markt dar, dem weitere folgen werden. „Unser Ziel ist es, auch in den USA eine führende Position einzunehmen“, verkündete der Eon-Chef.

„Unser Ziel ist es, auch in den USA eine führende Position einzunehmen“
 
Die bisher größte Akquisition der Düsseldorfer markiere gleichzeitig eine „neue Phase konsequenter Fokussierungspolitik“, in der sich Eon mittelfristig von allen Aktivitäten außerhalb des Energiedienstleistungsgeschäfts trennen werde. Wie geplant werden VAW Aluminium, Klöckner & Co., Stinnes, der Silizium-Wafer-Hersteller MEMC und Veba Oel verkauft. Aber auch Viterra und – nach Abschluss des umfangreichen Restrukturierungsprogramms – Degussa werden mittelfristig abgegeben. Die dabei erlösten Mittel sollen für den weiteren Ausbau des Energiegeschäfts genutzt werden. Der Abschied von der Chemie-Sparte ist wohl auch durch die US-Marktregel bedingt, die Energie-Anteilseignern keine branchenfremden Aktivitäten erlauben.

Der Kauf von Power Gen steht nämlich noch unter Vorbehalt der behördlichen Genehmigungen in Großbritannien, den USA und der EU-Kommission. Erst dann kann Eon den Power Gen-Aktionären ein endgültiges Kaufangebot unterbreiten. In Düsseldorf hofft man, dass dies bis Ende dieses Jahres geschehen könne und dass die Transaktion im Frühjahr 2002 abgeschlossen wird.
 
Zu den Auflagen, die Eon wird erfüllen müssen, gehört die US-Börsenvorschrift, wonach Aktionärsgruppen nur maximal 5 % an einem Unternehmen halten dürfen. Betroffen davon sind die Allianz (Eon-Anteil 9,6 %) und der Freistaat Bayern (5,6 %). Mit beiden will Hartmann in Kürze sprechen, um die Reduzierung deren Anteile zu erreichen. Eine − in Deutschland anzeigepflichtige − Beteiligungsquote von über 3 % hält nach Eon-Angaben nur noch die HI-Vermögensverwaltung-Gesellschaft (Anteil 3,7 %). Der Rest der Aktien befände sich im Streubesitz, wobei in- und ausländische Versicherungen, Fonds und Banken mehr als zwei Drittel des Grundkapitals halten.
Für den vollständigen Kauf von Power Gen wird Eon 5,1 Mrd. Pfund (rund 16 Mrd. DM) zahlen müssen, die der Düsseldorfer Konzern aus vorhandener Liquidität und aus Kreditlinien finanzieren könne. Der Unternehmenswert von Power Gen betrage einschließlich der Verbindlichkeiten 9,6 Mrd. Pfund (etwa rund 30 DM).
 
Einen Tag nach der Bekanntgabe der Power-Gen-Offerte konnte Eon eine weitere internationale Expansion erfolgreich voranbringen. Die Brüsseler Kommission stimmte der Übernahme der schwedischen Sydkraft zu. Den Kauf der Sydkraft-Aktien hat der Düsseldorfer-Konzern am 10. Januar den Anteilseignern des schwedischen Energieversorgers für 240 schwedische Kronen (SEK) je Aktie der Serie A und für 200 SEK je Aktie der Serie C angeboten. Eon Energie hält bereits 29,4 % des Sydkraft-Kapitals und 42,8 % der Stimmen. Zudem ist geplant, weitere 15,8 % des Kapitals und 2,7 % der Stimmen von den Hamburgischen Electricitäts-Werken (HEW) zu übernehmen.

Deal mit HEW hängt noch in der Luft

Ein anderer Deal mit der HEW hängt hingegen noch in der Luft: Der nach monatelangem Verhandeln erzielte Kompromiss zum Verkauf der 49-%-Anteile der Eon am hauptstädtischen Energieversorger Bewag an die amerikanische Mirant und die HEW ist an der fehlenden Zustimmung des Senats von Berlin gescheitert. Nun wird die vom Kartellamt bei der Veba/Viag-Fusion erzwungene Trennung von den früheren Preussen Elektra- und Bayernwerk-Anteilen an der Bewag sowie an den ostdeutschen Energieunternehmen Laubag und Viag erst durch die Entscheidung des Schiedsgerichtes möglich.
 
Wie die Power-Gen-Übernahme zeigt, hindern die Berliner Turbulenzen Eon nicht daran, sich international nach weiteren Energie-Beteiligungen umzusehen. Die Düsseldorfer Einkäufer dürften wohl derzeit auch in dem lukrativen Energiemarkt Spaniens unterwegs sein, wo eben die Karlsruher Energie Baden-Württemberg (EnBW) in Bietergemeinschaft mit dem Mischkonzern Ferroatlantica bei dem Versorger Hidrocantabrico landete, nachdem sich der Essener Konkurrent RWE zurückgezogen hat. Und auch Frankreich − trotz des gescheiterten Suez-Deals − wird im Visier der Eon bleiben.
 
 
 

Jan Mühlstein
© 2022 Energie & Management GmbH
Sonntag, 11.04.2021, 13:53 Uhr

Mehr zum Thema