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Enerige & Management > Kohle - Der älteste Kohleblock ist fast 85 Jahre alt
Bild: Die beiden "Braunkohlekraftwerke mit optimierter Anlagentechnik" (BoA) Neurath F und G gehen Ende 2038 gesetzlich vom Netz. Bild: RWE
KOHLE:
Der älteste Kohleblock ist fast 85 Jahre alt
Jetzt ist amtlich, in welcher Reihenfolge Kohleblöcke den Brennstoff aufgeben müssen - falls die Auktionierungen von 2022 an unter dem Volumen des Kohleausstiegspfades bleiben.
 
Die Bundesnetzagentur (BNetzA) hat am 1. Juli festgelegt, in welcher chronologischen Reihenfolge deutsche Kohleblöcke auf Kohle verzichten müssen, wenn die Rückwärtsauktionen vom nächsten Jahr an unterzeichnet sein sollten. Je früher der jeweilige Block ans Netz ging, desto früher bekommt der Betreiber dann ein Kohleverfeuerungsverbot.

Das Alter der Anlage sei "ein Indikator für die Emissionsbelastung", schrieb BNetzA-Präsident Jochen Homann in einer Pressemitteilung. Nachträgliche Ertüchtigungen (Retrofits) wurden berücksichtigt.

Die Auktion wird so attraktiver

Die Altersreihung ist auch ein gewisses Druckmittel auf die Betreiber, sich konstruktiv an den Ausschreibungen zu den Stilllegungsentschädigungen zu beteiligen, da sie bei einer Unterzeichnung der künftigen Auktionen mit Blöcken ohne Zuschlag ganz leer ausgehen.

Folgendes ergibt sich weiter aus der Liste:
  • Insgesamt enthält die Altersreihung 125 Blöcke mit insgesamt 24.500 MW elektrischer Nettonennleistung. Davon sind 46 Braunkohleeinheiten mit zusammen nur 877 MW.
  • Die ältesten Kraftwerke weisen tendenziell geringere elektrische Nettonennleistungen auf, die jüngsten die höchsten. Die elf jüngsten Blöcke liegen mit zwei Ausnahmen alle über 700 MW.
  • Der älteste Kohleblock ist das Industriekraftwerk Deuben in Teuchern (Sachsen-Anhalt): Der 67-MW-Braunkohleblock ging im Oktober 1936 in Betrieb, also vor fast 85 Jahren. Der Betreiber Mibrag hat allerdings bereits einen Zuschlag in einer Kohleausstiegsausschreibung erhalten. Das zweitälteste Kraftwerk in der Altersreihung, das 1954 in Betrieb genommene steinkohlebefeuerte 4,6-MW-Industriekraftwerk von Südzucker in Warburg (NRW), wurde ebenfalls wegauktioniert. Es taucht in der allgemeinen Kraftwerksliste der BNetzA vom Januar schon nicht mehr auf.
  • Das älteste Kohlekraftwerk mit dreistelliger MW-Leistung ist als Nummer zehn in der Reihenfolge Block 1 des 137-MW-Steinkohleheizkraftwerks Wedel bei Hamburg. Der 116-MW-Steinkohleblock 2 ist als Nummer zwölf dran.
  • Der älteste Block mit mehr als 500 MW ist als 24. in der Altersreihung das 1976 in Betrieb genommene 757-MW-Kraftwerk Wilhelmshaven.
  • Das jüngste und gleichzeitig mit Abstand größte Kraftwerk ist der 1.052-MW-Block Datteln 4 von Uniper, der zwar im Mai 2020 ans Netz ging, dessen Baurecht aber nach wie vor gerichtlich angefochten wird (wir berichteten).
  • Schon stillgelegt, zur Stilllegung oder zum Verzicht auf Kohle angezeigt sind zehn Blöcke mit gut 3.000 MW Gesamtleistung.
  • Vom Netz genommen wegen eines Zuschlags in den ersten beiden Auktionen im vergangenen Jahr und in diesen Januar sind 14 Blöcke mit insgesamt 6.300 MW. Diese liegen alle nördlich der Mainlinie.
  • Kein aufgeführter Block hat einen gültigen Zuschlag gemäß der Kapazitätsreserveverordnung oder ist für systemrelevant erklärt worden.
Nicht in der Liste enthalten sind bestimmte Braunkohleblöcke, deren Stilllegung anderweitig gesetzlich geregelt ist (Anlage 2 Kohleverstromungsbeendigungsgesetz). Zum Beispiel ging Niederaußem D Ende letzten Jahres vom Netz, Block C folgt Ende diesen Jahres. Die rote Laterne haben hier bis Ende 2038 Niederaußem K und die beiden Braunkohlekraftwerke mit optimierter Anlagentechnik (BoA-Blöcke) von Neurath sowie mehrere Einheiten von Schwarze Pumpe und Boxberg.
Die Liste enthält auch keine Kraftwerke, die nur nebenbei kohlebefeuert sind. Bei diesen ist mit Kohle bei den größeren Blöcken oberhalb von 150 MW Ende 2026 Schluss, bei den restlichen im März 2030.

Altersreihenfolge soll Unterzeichnungen kompensieren

Konkret müssen ab der Auktion im nächsten Jahr für die Stilllegungen bis Ende 2024 die jeweils ältesten Kraftwerke stillgelegt werden, bis deren installierte Leistung eine eventuelle Unterzeichnung der Versteigerung ausgleicht. Die Auktion diesen April war überdeckt und führte zu Zuschlägen über insgesamt 1.500 MW aus den Kraftwerken Wilhelmshaven, Mehrum 3 bei Hannover sowie dem Methusalem Deuben.

Im Rahmen des nationalen Kohleausstiegs muss zunächst bis Ende nächsten Jahres die installierte Leistung von Stein- und Braunkohleblöcken auf 15.000 MW sinken. Bis Ende 2030 müssen weitere 8.000 MW Steinkohle und 9.000 MW Braunkohle aus dem Markt verschwinden. Spätestens 2038 soll der Kohleausstieg abgeschlossen sein. Das KVBG ist allerdings noch nicht an die neuen nationalen Klimaziele angepasst.

Die Altersreihung lässt sich bei der BNetzA als PDF oder als Excel-Datei   herunterladen. Sie wird alle zwölf Monate bis 1. Juli 2037 aktualisiert.
 

Georg Eble
Redakteur
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Freitag, 02.07.2021, 14:14 Uhr

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