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Enerige & Management > Veranstaltung - Dekarbonisierung der Industrie braucht politischen Rahmen
Quelle: Fotolia / Les Cunliffe
VERANSTALTUNG:
Dekarbonisierung der Industrie braucht politischen Rahmen
Auf einer Online-Tagung diskutierten Vertreter von Wirtschaft und Politik die nötigen Maßnahmen, um die schnelle Dekarbonisierung der deutschen und eropäischen Industrie zu erreichen.
 
Die energieintensive Industrie arbeite bereits daran, eine Zukunft ohne fossile Energieträger einzuleiten, versicherten auf der online stattfindenden Handelsblatt-Tagung verschiedene Unternehmensvertreter. Für Thyssenkrupp Steel Europe erläuterte Technikvorstand Arnd Köfler, dass schon ab 2025 die erste Stahlproduktion mit Wasserstoffdirektreduktion in Betrieb gehen solle. „Damit sind wir in der Lage, bereits 10 % unserer heutigen CO2-Emissionen zu mindern“, kündigte Köfler an. 2029 würde die zweite Anlage umgestellt.

Allerdings stellte er auch Forderungen seiner Branche an die Politik auf. So solle eine Transformationsallianz mit den Gewerkschaften gebildet werden, die noch vor dem Bundeshaushalt 2022 zentrale Maßnahmen und Instrumente für die Dekarbonisierung beschließt. Dieser Haushalt solle dann mittelfristig Kapital- und Betriebskosten über Klimaverträge aus dem Transformationsfonds fördern, um den Unternehmen bei der Umstellung zu helfen und sie vor Wettbewerbsnachteilen im Weltmarkt zu schützen, forderte Köfler. Auch auf der EU-Ebene müsste Beihilferecht und Handelsregeln angepasst werden.

Strompreise sind entscheidend im internationalen Wettbewerb

Für die nötigen Bauten sollten die Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigt werden. Leitmärkte für grüne Grundstoffe wäre nötig, um klimaneutrale Materialien zu zertifizieren und über Quoten in den Markt zu bringen. Um genügend Wasserstoff zur Verfügung zu haben, solle die Politik sich langfristig um Erzeugungs- und Lieferverträge auch mit dem Ausland bemühen. Verena Graichen, Vize-Bundesvorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ergänzte, dass auch Recycling stärker in den Fokus gehöre, da hiermit viel Energieeinsatz vermieden werden könnte.

Auch Philipp Schlüter, Vorstandsvorsitzender der Trimet Aluminium, unterstützte die Forderung nach mehr Effizienz. Aluminium lasse sich ohnehin gut wiederverwerten. Allerdings sei seine Branche sehr preissensibel, weil die Stromkosten 40 % der Gesamtproduktionskosten ausmachten. Daher seien zusätzliche Bürden wie Netzumlagen und CO2-Bepreisung möglicherweise Gründe, die Produktion aus Deutschland und Europa wegzuverlagern, um wettbewerbsfähig zu bleiben. „Die Carbon-Leakage-Abwanderung wird nicht schleichend passieren, sondern wie eine Guillotine herunterfallen“, mahnte Schlüter.
 
v.l. Arnd Köfler (Thyssenkrupp), Staatssekretär Ulrich Nussbaum (BMWi), Verena Graichen (BUND) und Philipp Schlüter (Trimet Aluminium) bei der Online-Tagung Quelle: Handelsblatt

Neue Bundesregierung stark gefordert

Die Politik müsse schnell für mehr erneuerbaren Strom sorgen, sonst wäre auch die Umstellung auf Strom kein Beitrag zum Klimaschutz, erinnerte Schlüter. Es fehlten auch langfristig verlässliche Investitionsbedingungen, kritisierte er, weil Deutschland Umsetzungen europäischer Regelungen verzögere. Diese Forderung unterstützte Graichen. Mehr Kapazitäten in den Genehmigungsbehörden, frühe Raumordnung und Einbeziehung der Anwohner seien Mittel, um Planungszeiten zu verkürzen, sagte sie.

Als Vertreter des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) wehrte sich Staatssekretär Ulrich Nußbaum gegen den Vorwurf, in der letzten Legislatur sei zu wenig für die erneuerbaren Energien geschehen. Akzeptanz für Windturbinen könne man nicht vom BMWi erzeugen. Vor allem für die Industrie verwies er auf die bei der EU beantragten Förderungen im Rahmen der IPCEI (Important Project of Common European Interest – Wichtiges Projekt von gemeinsamem europäischen Interesse), die auch Wasserstoffentwicklungen verfolgen.

Mehr Effizienz ist der Schlüssel zu Energiewende, die beste Energie ist die, die wir nicht benötigen, erinnerte Graichen. Auch die Flexibilisierung des Verbrauchs müsse sich lohnen, um die schwankende Erzeugung erneuerbaren Stroms auszugleichen. Dafür müsse das System der Strompreisbildung grundsätzlich überarbeitet werden. „Wir stehen bereit und brauchen nur das Startsignal der neuen Bundesregierung“, sagte Köfler abschließend.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Donnerstag, 28.10.2021, 16:00 Uhr

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