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Enerige & Management > Wasserstoff - Debatte um knappe Wasserstoffressourcen
Bild: Thyssenkrupp Steel Europe
WASSERSTOFF:
Debatte um knappe Wasserstoffressourcen
Wasserstoff wird knapp bleiben. Wer bevorzugt das begehrte Gas nutzen soll, war Thema einer Online-Veranstaltung des DVGW.
 
„Wohin soll der Wasserstoff? Wärmemarkt vs. Industrie“ lautete ein Thema bei den Wasserstoffwochen des Energieverbandes DVGW am 24. Juni im Netz. Ihre Standpunkte dazu tauschten virtuell Eva Hennig, Leiterin Energiepolitik Europa bei der Thüga, und Jörg Rothermel, Abteilungsleitung: Energie, Klimaschutz und Rohstoffe beim Verband der chemischen Industrie (VCI), aus.

Beiden Diskutanten stellten heraus, dass die „Sektorallokation von Wasserstoff“ aktuell ein heißes Thema sei. Für Chemievertreter Rothermel war ziemlich klar, wohin der Wasserstoff künftig fließen soll und muss. Es bedürfe rund 300 Mrd. kWh an Wasserstoff, um allein die chemische Industrie klimaneutral zu stellen – andere Industriesparten wie Stahl seien in dieser Rechnung noch gar nicht enthalten.

Industrie ist auf Wasserstoff zwingend angewiesen

Die Industrie sei auf die Verwendung von Wasserstoff zwingend angewiesen. „Wir haben keine andere Chance als Wasserstoff. Das, was verfügbar ist, sollte in die Chemie und in die Industrie gelangen.“ Wasserstoff sei ein knappes Gut und Deutschland werde wohl auf längere Zeit auf Importe angewiesen sein.

Eva Hennig sah die Argumentation von Rothermel zu eng gefasst. Zum einen sei es nicht nur die Großindustrie, die Wasserstoff benötige. Es gebe genügend mittelständische Unternehmen, die in den kommenden Jahren ebenfalls auf CO2-neutrale Prozesse umstellen müssten. Diese könnten den Wasserstoff nicht selbst produzieren, aber übers Gasverteilnetz beziehen. „Die Industrie braucht den Wasserstoff, aber sie soll ihn nicht exklusiv haben.“ Es müssen ein nebeneinander zwischen Großindustrie und Mittelstand geben.

Einsatz im Wärmemarkt kann sinnvoll sein

Im Wärmemarkt sieht Hennig ebenfalls durchaus Möglichkeiten für einen sinnvollen Einsatz von Wasserstoff. Fernwärme sei so ein Beispiel. Der Einsatz von Fernwärme mittels Kraft-Wärme-Kopplung mit vielen Abnehmern sei hocheffizient. Aber auch in den Haushalten selbst gäbe es nachvollziehbare Anwendungen für Wasserstoff als Brennstoff – vor allem in Bestandsbauten. Den Einsatz von elektrischen Wärmepumpen, Holzpellets oder Solarthermie würde sich nicht immer als Alternative anbieten – vor allem nicht als kostengünstige.

Einig waren sich beide, dass Wasserstoff noch eine geraume Zeit nicht kostendeckend in Deutschland hergestellt oder vom Ausland bezogen werden kann. „Wir werden auf Förderung angewiesen sein, denn sonst ist das viel zu teuer“, sagte Rothermel. Für ihn sei klar, dass die Rahmenbedingungen für die staatliche Förderungen so geschnitten sein müssten, dass die Industrie genügend Wasserstoff bekommt, um ihre Produktion aufrechtzuerhalten und diese zudem klimaneutral stellen kann.

Die Thüga-Vertreterin stimmt im Großen und Ganzen zu, dass es einer Förderung bedürfe und die Industrie ganz vorne stehen müsse. „Aber: Wenn es heißt, die Industrie wird gefördert und Wasserstoff im Wärmemarkt wird verboten, halte ich das für falsch.“ Sie plädierte generell für Technologieoffenheit, Markt und Wettbewerb.

Ein regionales Stufenkonzept könne dazu beitragen, entsprechende Mengen an Wasserstoff zu organisieren, so Hennig weiter. Direkt vor Ort könne Wasserstoff zum Beispiel mit der Energie aus Müllverbrennungsanlagen produziert werden, die nächste Stufe wären großindustrielle Betriebe, die auch in die Region liefern. Weitere Produktionsstandorte sieht Henning dann Offshore in der Nähe von großen Windparks und schlussendlich im Ausland. Der Vorteil sei dabei, dass Deutschland mit seinem vorhandenen Gasnetz beste Voraussetzung für die Integration des in den verschiedenen Orten erzeugten Wasserstoff mitbringe.
 

Stefan Sagmeister
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Donnerstag, 24.06.2021, 16:55 Uhr

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