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Enerige & Management > Kraft Wärme Kopplungsgesetz - Das "innovative KWK-System" und seine Tücken
Bild: E&M
KRAFT WÄRME KOPPLUNGSGESETZ:
Das "innovative KWK-System" und seine Tücken
Die KWK-Ausschreibungsverordnung (KWKAusV) enthält auch eine neue Förderkategorie für „innovative KWK-Systeme“. Die erste Ausschreibungsrunde dazu findet am 1. Juni statt.  
 
Unter einem innovativen KWK-System (iKWKS) versteht der Gesetzgeber „besonders energieeffiziente und treibhausgasarme Systeme, in denen KWK-Anlagen in Verbindung mit einem hohen Anteil von Wärme aus erneuerbaren Energien KWK-Strom und Wärme bedarfsgerecht erzeugen oder umwandeln“, erläuterte Thomas Gollwitzer vom Institut für Energietechnik (IfE) auf einer Veranstaltung von Bayern Innovativ zum Thema „KWK − Effiziente Kraftwerkslösungen der Zukunft“ in Amberg (Bayern).

Demnach wird in einem solchen System eine flexible KWK-Anlage mit erneuerbarer Wärme beispielsweise aus Solarthermie oder einer Wärmepumpe kombiniert und ist zugleich in ein Wärmenetz eingebettet. Durch die Förderung „innovativer KWK-Systeme“ sollen der KWK Zukunftsperspektiven eröffnet und die Nutzung erneuerbarer Energien in Wärmenetzen vorangetrieben werden.

Die erste Ausschreibungsrunde für innovative KWK-Systeme findet am 1. Juni statt, anschließend jeweils am 1. Dezember und 1. Juni. Das Ausschreibungsvolumen liegt bei je 25 MWel. Die Gebotsmenge beginnt bei mindestens 1 MWel und beträgt maximal 10 MWel. Der Vorteil dieser speziellen Ausschreibung besteht unter anderem in dem Gebotswert. Der Höchstwert liegt bei 12 Ct/kWh statt 7 Ct/kWh wie bei den konventionellen KWK-Ausschreibungen. Der Zuschlag wird für maximal 45 000 Vollbenutzungsstunden (Vbh) bezahlt, jedoch lediglich für 3 500 Vollbenutzungsstunden pro Jahr.

Die notwendigen Bestandteile eines solchen Systems, das zwingend an ein Wärmenetz angeschlossen sein muss, sind folgende:
  • eine neue oder modernisierte KWK-Anlage (Mindestgröße 1 MW),
  • ein fabrikneuer regenerativer Wärmeerzeuger,
  • ein elektrischer Wärmeerzeuger
  • sowie Mess- und Regeltechnik, damit die Komponenten gemeinsam gesteuert werden können.
Wer einen Zuschlag erhält, ist verpflichtet, das Projekt innerhalb von 48 Monaten zu realisieren, die Zulassungsphase, in der die Mindestanforderungen nachgewiesen werden müssen, beträgt nochmals maximal zwölf Monate. Um Spekulationen vorzubeugen, fordert der Gesetzgeber zudem eine Sicherheit. Sie beträgt 70 Euro pro kWel KWK-Leistung. Bei diesem Punkt sieht Gollwitzer auch eines von mehreren Risiken des Ausschreibungsverfahrens, da nach Erhalt des Zuschlags der Ausstieg schwierig wird. „Wer den Zuschlag erhält, muss dafür sorgen, dass die Anlage auch umgesetzt wird. Sonst ist die Sicherheitszahlung von 70 Euro pro Kilowatt weg.“

Außerdem drohen in bestimmten Fällen zusätzliche Pönalen. Es kann passieren, dass der Zuschlagswert nachträglich von der Behörde gekürzt wird oder gar wegfällt. Bei Nichteinspeisung der gesamten Strommenge in das öffentliche Netz entfällt zum Beispiel der Zuschlag für das betreffende Kalenderjahr. Der erneuerbare Wärmeerzeuger muss zudem pro Jahr mindestens 30 % der Referenzwärme bereitstellen; er darf nur einer KWK-Anlage zugeordnet sein. Bei einer Unterschreitung droht eine Verringerung des Zuschlagswertes.

Der Vorteil für den Betreiber liegt bei der insgesamt hohen Vergütung. Nach Ansicht von Gollwitzer ist vor allem bei der Umrüstung bestehender Wärmenetze ein solches innovatives KWK-System denkbar. Jedoch dürfte durch den Mindestanteil an erneuerbarer Wärme die Umsetzung in der Praxis nicht immer einfach sein. Der Experte vom IfE verweist unter anderem darauf, dass dadurch der Flächenbedarf für die Erneuerbaren-Anlagen sehr hoch sein wird.

Damit der Mindestanteil an erneuerbarer Wärme in einem solchen innovativen KWK-System erreicht wird, bräuchte es in Kombination mit einer 1-MW-KWK-Anlage beispielsweise eine Wärmepumpe (bei 5 000 Vollbenutzungsstunden) von mindestens 250 kW. Für die 250 kW werden etwa 50 Erdwärmesonden benötigt und für jede einzelne muss ein Platzbedarf von bis zu zehn auf zehn Meter, je nach Gegebenheit, veranschlagt werden. „Das sehe ich als eines der größten Probleme dieses Konzepts, da dies gerade in Städten nicht immer einfach umzusetzen ist“, sagte Gollwitzer. Um mit Solarthermie auf den erneuerbaren Wärmeanteil zu kommen, muss die Anlage mindestens 1 600 kWp aufweisen. Der Flächenverbrauch kommt auf rund 10 000 Quadratmeter und wäre ebenfalls hoch.

Grundsätzlich empfiehlt der Experte, bei Interesse frühzeitig mit den beiden zuständigen Behörden − der Bundesnetzagentur und dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) − Kontakt aufzunehmen, da bestimmte Punkte noch nicht eindeutig geklärt seien und die Behörden einen Ermessensspielraum hätten. Laut Gollwitzer geht es dabei um Punkte, wie zum Beispiel „Abwärme“ definiert wird. Was die Behörden darunter verstehen und was nicht, sollte im Vorfeld abgeklärt werden, um keine Formfehler zu begehen. Bis Ende April hat die Bafa die Veröffentlichung eines Merkblatts zur „innovativen KWK“ geplant.

Letztlich müssen für ein solches System die Rahmenbedingungen sehr gut passen, dann aber ist nach Ansicht von Gollwitzer ein wirtschaftlich interessantes und zukunftsfähiges System denkbar.
 

Heidi Roider
Redakteurin und Chefin vom Dienst
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