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Enerige & Management > Gasnetz - Das europäische Gasleitungsnetz wird weiter ausgebaut
Bild: Visionsi/Shutterstock
GASNETZ:
Das europäische Gasleitungsnetz wird weiter ausgebaut
Obwohl die EU in Zukunft weniger fossile Brennstoffe einsetzen will, geht der Ausbau der Infrastruktur für den Transport von Erdgas ungebremst weiter.
 
Allein im letzten Jahr stieg die Kapazität der EU, Erdgas zu importieren, um 10 Mrd. Kubikmeter (bcm). In den fünf Jahren davor sogar um 16 bcm pro Jahr, wie aus einer Untersuchung des NGO-Netzwerks Global Energy Monitor    (GEM) hervorgeht.

Danach werden in der EU gegenwärtig neue Gas-Pipelines für 18 Mrd. Euro gebaut. Damit könnte die EU 65 bcm Gas pro Jahr zusätzlich importieren. Das entspricht etwa 10 % der gegenwärtigen Importkapazität. Hinzu kommen neue Anlagen zur Anlandung von Flüssiggas (LNG) für 2,6 Mrd. Euro mit einer Kapazität von 20 bcm im Jahr.

Damit wäre der anvisierte Ausbau der Gasinfrastruktur aber nicht abgeschlossen. Die Unternehmen der Branche planen vielmehr einen weiteren Ausbau der Importkapazitäten durch neue Pipelines um jährlich 85 bcm. Dafür sind sie bereit, 53 Mrd. Euro zu investieren. Die Planungen für neue LNG-Terminals belaufen sich auf 81 bcm im Jahr, was 13 Mrd.Euro kosten würde.

Auf die kurz vor der Fertigstellung stehende Pipeline Nord Stream 2 entfällt mehr als die Hälfte der im Bau befindlichen Kapazität: 55 bcm. Hinzu kommen 10 bcm pro Jahr aus der Ostsee-Pipeline, die norwegisches Gas nach Polen bringen soll. Die Mittelmeeranrainer setzen mehr auf Flüssiggas. Auf Sizilien entsteht gegenwärtig ein LNG-Terminal für 8,2 bcm, Griechenland erhöht seine LNG-Kapazität um 6,1 bcm.

Investitionspläne wurden gekürzt und verschoben

Allerdings wurden die Investitionspläne der europäischen Gasunternehmen im vergangenen Jahr um 5 Mrd. Euro gekürzt. Projekte für 25 Mrd. Euro wurden verschoben. Traditionell übersteigen die Importkapazitäten die tatsächlichen Importe der EU deutlich. Importen von rund 400 bcm pro Jahr (2020 waren es coronabedingt 370 bcm) stehen Importmöglichkeiten über Leitungen und LNG-Terminals von 620 bcm gegenüber. Die EU hatte den Bau neuer Kapazitäten in den letzten Jahren aus Gründen der Versorgungssicherheit vorangetrieben, nachdem ihr wichtigster Lieferant Gazprom seinen Verpflichtungen nicht im vollen Umfang nachgekommen war.

Ein großer Teil der Projekte, die zurzeit gebaut werden, erhält nach den Recherchen von GEM Fördermittel der EU. "Die öffentliche Förderung der EU hat in den letzten zehn Jahren eine wichtige Rolle beim Bau neuer Pipelines und neuer Importterminals gespielt", heißt es in der Untersuchung: "Sie wird jedoch zurückgefahren." Die Autoren gehen davon aus, dass neue Projekte aufgrund des klimapolitischen Kurswechsels in Brüssel keine Förderung oder Kredite der Europäischen Investitionsbank (EIB) mehr erhalten. Private Investoren seien jedoch bereit, Projekte der Gasinfrastruktur weiter zu finanzieren.

Der Branchenverband Entso-G erwartet, dass die Importe der EU in den kommenden Jahren weiter wachsen und ab der zweiten Hälfte des Jahrzehnts kontinuierlich abnehmen. 2050 müsste die EU nach dieser Prognose noch 180 bcm einführen. Die EU-Kommission erwartet einen wesentlich schnelleren Rückgang der Einfuhren auf gut 100 bcm im gleichen Zeitraum.

GEM: ​Geplanter Ausbau mit EU-Klimazielen unvereinbar

Nach Ansicht von GEM ist der geplante Ausbau der Gasinfrastruktur unvereinbar mit den Klimazielen der EU. Würden diese erreicht, müssten die Eigentümer Investitionen im Umfang von 87 Mrd. Euro vorzeitig abschreiben. Die größten Verluste kämen auf Rumänien mit 13,3 Mrd. Euro zu, italienische Gasunternehmen müssten 10, griechische 8,6 und deutsche mehr als 6 Mrd. Euro abschreiben.

Trotzdem seien öffentliche und private Investoren weiter bereit, den Ausbau der europäischen Gasinfrastruktur zu finanzieren. So beteilige sich die Europäische Bank für Wiederaufbau (EBRD) mit 1,2 Mrd. Euro an Pipeline- und LNG-Projekten. Vier internationale Großbanken beteiligten sich zumindest nicht mehr an solchen Investitionen, sofern sie Schiefer-Gas und -Öl betreffen. Solche Einschränkungen seien für private Investoren allerdings nur die Ausnahme. Im Allgemeinen bleibe ihre Bereitschaft, in die Gaswirtschaft zu investieren, trotz der nachlassenden sozialen und politischen Akzeptanz hoch.
 

Tom Weingärtner
© 2021 Energie & Management GmbH
Freitag, 09.04.2021, 15:34 Uhr

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