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Enerige & Management > Aus Der Aktuellen Zeitungsausgabe - Contractoren blicken optimitisch die Zukunft
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AUS DER AKTUELLEN ZEITUNGSAUSGABE:
Contractoren blicken optimitisch die Zukunft
Für Contractinganbieter ist die Immobilienwirtschaft nach wie vor die wichtigste Kundengruppe. Es steigt allmählich die Nachfrage nach regenerativen und ganzheitlichen Lösungen.
 
Insgesamt scheint es, dass der Contractingmarkt weiterhin stabil ist und die Anbieter bislang gut durch die Corona-Krise gekommen sind. Jedoch verzeichnete der Branchenverband Vedec bereits Anfang des Jahres, dass es dem Markt an Dynamik fehle. Allgemein schätzen Unternehmen, die am Contractingmarkt aktiv sind, die künftige Entwicklung jedoch gut ein. Das geht aus der aktualisierten und jährlichen Untersuchung zum Energiedienstleistungsmarkt des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) hervor sowie aus Einzelinterviews.

Wie mehrere Contractinganbieter angaben, sind sie bislang gut durch die Krise gekommen. Bei den Kunden aus der Wohnungswirtschaft − private Immobilieneigentümer oder öffentliche Einrichtungen − habe Corona kaum Auswirkungen gehabt. Der Absatz ging coronabedingt lediglich bei Kunden wie Freizeitparks, Schwimmbädern oder Hotels zurück.

Sowohl Energiespar- und Energieliefercontracting als auch Betriebsführungscontracting werden demnach von den meisten Anbietern (rund 70 %) als wachsend eingeschätzt. Knapp ein Viertel erwartet eine Stagnation des Marktes. Beim Energieliefercontracting fällt die Einschätzung durchweg etwas positiver aus als in den anderen Bereichen. Einen Rückgang von Energiecontracting erwarten je nach Dienstleistung lediglich 5 bis 10 % der Marktakteure, so die Bafa. Diese überwiegend optimistische Einschätzung ist in den vergangenen Jahren relativ konstant gewesen.

Immobilienwirtschaft bleibt wichtigste Kundengruppe

Betrachtet man die Branchenstruktur, stechen nach wie vor die Versorger und Contractinganbieter heraus: Contracting wird vornehmlich von Stadtwerken und Energieversorgern (52 % der Anbieter) und Unternehmen, die sich selbst als Contractoren bezeichnen (26 %), angeboten. Im Jahr 2019 waren somit deutlich mehr EVU im Markt tätig als im Vorjahr (2018: 38 %). Eine weitere kleine Anbietergruppe stellen Architektur-, Energieberatungs- und Ingenieurbüros mit zusammen etwa 10 % dar. Auch Immobilienwirtschaft und Facility Manager sind eine relevante Anbietergruppe, die mit 2 % etwas weniger vertreten ist als im Vorjahr (2018: 6 %).

Die wichtigste Zielgruppe bleibt die Immobilienwirtschaft laut der Bafa-Analyse. Dieser Trend hat sich in den vergangenen Jahren stetig verstärkt. Zweitwichtigste Kundengruppe ist die öffentliche Hand, die ebenfalls einen zunehmend steigenden Anteil ausmacht. An dritter Stelle stehen privaten Haushalte, die immerhin für über 40 % der Contractoren eine wichtige Kundengruppe darstellen. Wobei hier vor allem die Mieterstromversorgung gemeint ist, da Privathaushalte kaum Contractingdienstleistungen in Anspruch nehmen.Der Handel hat als Kundengruppe verglichen mit der Befragung zum Vorjahr deutlich zugenommen. Weitere wichtige Zielgruppen sind Gewerbe und Industrie sowie Hotels und Gastgewerbe.

Insgesamt ist es so, dass der Markt seit Jahren zum überwiegenden Teil aus Energieliefercontracting besteht. Das zeigen die Bafa-Befragungen. Der hauptsächliche Grund, um Contracting zu nutzen, ist die Energie- und somit Kosteneinsparung.

Ausblick sehr positiv

Der Energiedienstleister Enercity Contracting rechnet künftig mit einer steigenden Nachfrage aufgrund gestiegener Anforderungen an die Wärmeversorgung. So kämen verstärkt regenerative Energiequellen und Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen zum Einsatz. Die Planung, Errichtung und der Betrieb solcher Anlagen sind komplexer als bei einer einfachen Kesselanlage. Daher suchen nach den Erfahrungen von Enercity Kunden vermehrt Unterstützung durch Experten, die sich zudem bei den Fördermöglichkeiten wie etwa der Bundesförderung für effiziente Wohngebäude auskennen.

Techem berichtet auf Nachfrage von E&M Ähnliches: Bis 2045 wollen die EU und Deutschland klimaneutral sein. „Da Energiedienstleistern hier zunehmend eine wesentliche Rolle und Bedeutung zukommen, schätzen wir die Entwicklung auch am Contractingmarkt als sehr positiv ein. Wir sind allerdings der Überzeugung, dass traditionelle Contractinglösungen, die sich nur auf die Energieerzeugung beschränken, nicht ausreichen werden“, sagte Holger Suschowk, Managing Director des Energy-Efficiency-Geschäfts von Techem.

Dezentrales Energiemanagement werde in urbanen Mehrfamilienhäusern, Gewerbeimmobilien und Quartieren relevanter. „Wir müssen die Stadt der Zukunft durch energieeffiziente Gebäude, die Reduktion des Energieverbrauchs sowie die Nutzung erneuerbarer Energien zum Beispiel durch Photovoltaik, Solarthermie oder Biogas gestalten.“

Diese Richtung hin zu einer regenerativeren Erzeugung findet sich auch bei anderen Dienstleistern wie der Getec. Sie hat ein Programm mit dem Namen „Green Steam“ aufgesetzt. Getec bietet darüber Outsourcing-Modelle und klimaneutrale Technologien an und kombiniert diese mit verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten. Im Ergebnis sollen Industrieunternehmen so den Wechsel zu einer nachhaltigen Produktion schaffen − bilanzneutral und ohne Investitions- oder Mehrkosten etwa durch die kommende CO2-Abgabe in Kauf nehmen zu müssen.

Neben der klimafreundlichen Einzelversorgung von Liegenschaften geht der Trend in Richtung netzgebundener Quartiersversorgung. Hierzu werden neben der Wärmelieferung auch weitere Dienstleistungen wie Solaranlagen, Mieterstrom und Ladesäulen umgesetzt. In der zukünftigen Energieversorgung werden zudem erneuerbare oder klimaneutrale Energiequellen wie industrielle Abwärme und Abwasserwärme aus den städtischen Kläranlagen verstärkt eingebunden, so die Einschätzung von Enercity Contracting.

Nach einem Positionspapier des Vedec und des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE), das Anfang des Jahres veröffentlicht wurde, könnten Erneuerbare neues Wachstum am Contractingmarkt generieren. Hier fehlten jedoch noch Anreize.
Als wichtigstes Hemmnis haben die befragten Unternehmen auch bei der letzten Umfrage des Bafa die immer noch hohe Komplexität der Förderung angegeben, gefolgt von Fachkräftemangel, der mittlerweile häufiger genannt wird.
 

Heidi Roider
Redakteurin und Chefin vom Dienst
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