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Enerige & Management > Baden-Württemberg - Contracting als Chance in der Krise nutzen
Bild: Fotolia.com, aldorado
BADEN-WÜRTTEMBERG:
Contracting als Chance in der Krise nutzen
Warum sich gerade in der jetzigen Krise Contracting-Modelle anbieten, um bei der Energiewende voranzukommen, war ein Thema auf dem virtuellen KEA-Contracting-Kongress.
 
„Besonders in der derzeitigen Corona-Krise können Investitionen in Klimaschutzmaßnahmen über ein Contracting-Modell eine Lösung sein, die knappen Kassen der Kommunen, des Gewerbes, der Wohnungswirtschaft sowie der Sozial- und Pflegeeinrichtungen zu entlasten“, sagte Volker Kienzlen, Geschäftsführer der KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg, zum Auftakt des diesjährigen Contracting-Kongresses der Landesenergieagentur KEA, der in diesem Jahr virtuell stattfand. Denn Contracting erlaube Investitionen, ohne dabei groß Haushaltsmittel antasten zu müssen. Dabei übernimmt ein Dienstleister – ein Contractor – alle Aufgaben einer Sanierungsmaßnahme – von der Planung bis zur Umsetzung. Das entlaste personelle und finanzielle Ressourcen.

Die KEA veranstaltet jährlich einen Contacting-Kongress in Baden-Württemberg und fördert das Thema auch mit einem in Deutschland einmaligem Kompetenzzentrum Contracting. Bei dem Kongress ging es unter anderem auch um die Frage, wie Contracting auf Landesebene dazu beitragen kann, die Klimaschutzziele zu erreichen.

Insbesondere Baden-Württemberg stehe vor großen Herausforderungen mit dem beschlossenen Kohleausstieg und müsse daher jedes verfügbare Instrument nutzen, sagte Ministerialdirektor Helmfried Meinel vom Umweltministerium des Landes beim Kongress. In Baden-Württemberg finden sich immer noch viele veraltete Ölheizungen in den Kellern sowie ein hoher Anteil an Kohlestrom.

Aus diesem Grund arbeitet das Land derzeit an der Novelle seines Klimaschutzgesetzes   , das im Herbst in Kraft treten soll. Erstmals soll ein verbindliches Klimaschutzziel für das Jahr 2030 festgelegt werden: „Die Treibhausgasemissionen des Landes sollen bis dahin um mindestens 42 Prozent unter denen des Jahres 1990 liegen“, sagte Meinel. Dieses Ziel orientiert sich an den Klimaschutzzielen und -programmen des Bundes.

Ein zentraler Baustein ist dabei die „kommunale Wärmeplanung“. In Baden-Württemberg sollen rund 100 großen Städte und Kommunen mit dem neuen Gesetz verpflichtet werden, eine umfassende Wärmeplanung vorzulegen. Contracting kann hier nach Ansicht des Ministerialdirektors eine „elegante Lösung sein“, Maßnahmen umzusetzen und trotzdem die Kassen zu entlasten. Um Dynamik in das Thema zu bringen, will das Land als weiteren neuen Förderbaustein Contracting-Beratungsleistungen explizit fördern.

Mehr finanzielle Anreize für Contracting nötig

Vertreter von vier Landtagsfraktionen stellten sich beim virtuellen Kongress in einer moderierten politischen Runde im Allgemeinen hinter die Forderung, Contracting weiter zu stärken. Sie betonten aber auch, dass Contracting nach wie vor kein Selbstläufer sei und das Land daher noch mehr Anreize schaffen müsse.

Baden-Württemberg habe zwar mit dem Kompetenzzentrum Contracting eine gute Anlaufstelle, um sich als Unternehmer oder Kommune beraten zu lassen. Das wird nach Meinung von Nils Opitz-Leifheit, dem parlamentarischer Berater der SPD-Fraktion, nicht ausreichen. Er warb daher dafür, Contractoren mit Anschubfinanzierungen unter die Arme zu greifen. „Damit auch kleinere Stadtwerke beispielsweise mit Angeboten an die Gemeinden herantreten können“.

Auch MdL Paul Nemeth, Sprecher für Energie und Klimaschutz der CDU-Fraktion, betonte die wichtige Rolle der Versorger und Stadtwerke. „Contracting ist eine dezentrale Aufgabe“. Daher sei dies eine Aufgabe für Stadtwerke. Sie müsste man als wichtige Zielgruppe daher noch stärker ansprechen. „Contracting ist nicht neu, aber ist in den vergangenen Jahren auch nicht wirklich durchgestartet“, so Nemeth. Hier brauche es zusätzliche Anreize.

Alexander Schoch, im Landtag für die Grünen, betonte in der Diskussionsrunde, dass zudem auch das Land selbst mit der energetischen Sanierung seines Gebäudebestands bei dem Thema Contracting mit einem guten Beispiel vorangehen müsse. Landtagsabgeordneter Daniel Karrais (FDP) sprach sich außerdem dafür aus, dass energetische Sanierungen stärker gefördert werden müssen. Hier sei jedoch die Bundesregierung gefordert, dies auch endlich umzusetzen. Zudem müsste das Thema Contracting noch breiter gestreut werden, da es immer noch Wissensdefizite gebe.

Das bestätigte auch Konstanze Stein vom KEA-Kompetenzzentrum Contracting. „Eine der größten Hürden ist immer noch mangelndes Wissen“. Auch die Komplexität von Contracting-Vorhaben schrecke ab. Hier will das Zentrum weiterhin mit Beratungs- und Ausbildungsangeboten entgegenwirken. Zudem erarbeitet es Musterlösungen für Vorhaben und stellt regelmäßig gelungene Projekte vor.

Das KEA-Kompetenzzentrum ist unter der Adresse kea-bw.de   zu erreichen.
 

Heidi Roider
Redakteurin und Chefin vom Dienst
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