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Enerige & Management > Elektrofahrzeuge - CO2-Rucksack von E-Autos wird immer leichter
Bild: Jonas Rosenberger
ELEKTROFAHRZEUGE:
CO2-Rucksack von E-Autos wird immer leichter
Dass auch E-Autos die Umwelt mit CO2-Emissionen belasten, ist unbestritten. Wie viel genau, daran scheiden sich die Geister. Zwei neue Studien versprechen Aufklärung.
 
Eine Studie der TU Eindhoven in den Niederlanden, die im Auftrag der Grünen in Deutschland erstellt wurde, sieht den CO2-Rucksack, den E-Autos aus Herstellung und Betrieb mit sich herumschleppen, als wesentlich kleiner an als bislang angenommen.

So sei beispielsweise ein Tesla Model 3 bereits nach einer Fahrstrecke von 30.000 Kilometern umweltfreundlicher unterwegs als ein vergleichbarer Mercedes C 220d. Frühere Studien waren von deutlich längeren Fahrstrecken bis zu einer Parität der Systeme ausgegangen. 

Laut den niederländischen Forschern waren dafür unzulässige und zum Teil auch veraltete Annahmen verantwortlich:
  • So wird in vielen früheren Studien die Umweltbelastung bei der Herstellung von Traktionsbatterien mit einem Wert von 175 kg CO2 pro kWh angegeben. Die Autoren der aktuellen Studie, Auke Hoekstra und Prof. Maarten Steinbuch, gehen auf der Grundlage jüngerer Veröffentlichungen von einem Bereich von 40 bis 100 kg/kWh mit einem Mittelwert von 75 kg/kWh aus.
  • Auch die Annahme, dass die Lebensdauer von Traktionsbatterien nur etwa 150.000 Kilometer beträgt, halten sie für zu pessimistisch. Neuere empirische Daten würden darauf hindeuten, dass moderne Batterien höchstwahrscheinlich eine Laufzeit von mehr als 500.000 km haben werden. Für ihre Studie gehen sie von einer Batterie- und Fahrzeuglebensdauer von 250.000 km aus. 
  • Frühere Studien sind von einem unveränderten Strommix während der Fahrzeuglebensdauer ausgegangen, das sei aber nicht korrekt: „Genauso wie sich der Strommix in den letzten 20 Jahren dramatisch verändert hat, wird er sich in den nächsten 20 Jahren erneut verändern.“
  • Bei vielen vergleichenden Studien sei ein Normverbrauch bei Verbrennern zugrunde gelegt worden, der weit unter den realen Verbräuchen liege. Zudem seien die bei der Förderung und Herstellung fossiler Brennstoffe entstehenden Voremissionen nicht berücksichtigt worden. 
CO2-Emissionen seien eine grundlegende Eigenschaft von Verbrennungsmotoren, die niemals verschwinden wird, so die niederländischen Wissenschaftler in ihrem Fazit. Das Elektroauto habe zudem den Vorteil, dass sein Motor im Durchschnitt viermal effizienter ist. Das Endergebnis sei, dass ein Energiesystem mit genügend erneuerbarem Strom zu Elektrofahrzeugen führt, die mindestens zehnmal weniger CO2 ausstoßen als Autos, die mit Benzin, Diesel oder Erdgas fahren.

Noch einen Schritt weiter geht eine andere Studie, die das Ifeu – Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg - im Auftrag der EU-Kommission erstellt hat: Danach könnten Elektrofahrzeuge bis 2050 fast CO2-frei sein – und zwar unter Berücksichtigung des gesamten Lebensweges von der Herstellung über die
Nutzung und das Recycling.

Voraussetzung dafür sei, dass in allen Bereichen des Lebenszyklus erneuerbare Energien eingesetzt werden, schreibt das Ifeu in einer Mitteilung. Zwar werden auch dann für das Elektrofahrzeug noch mehr Ressourcen gebraucht als für den Verbrenner, diese können jedoch großenteils mit erneuerbaren Energien gewonnen sowie weitgehend im Kreislauf geführt werden.

Das Resultat: Während ein elektrobetriebener Mittelklassewagen im Jahr 2020 in der EU über seinen gesamten Lebenszyklus 120 Gramm CO2-Äquivalente je Kilometer ausstößt, kann der Wert laut Studie 2050 bis auf lediglich 33 g CO2-Äquivalente je Kilometer sinken. 
 
Die Studie der TU Eindhoven
(zum Download bitte auf das Bild klicken)

Die Studie von Ifeu kann in englischer Sprache von der Website der EU-Kommission heruntergeladen werden.
 

Peter Koller
Redakteur
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Dienstag, 01.09.2020, 14:47 Uhr

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