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STUDIEN:
CO2-Preis viel wirksamer als Erneuerbaren-Förderung
Wie lässt sich die CO2-Emissionen bei der Stromproduktion am kostengünstigsten senken? Das haben Forschende aus drei Ländern untersucht und kommen zu einem klaren Ergebnis.
 
Energiemarktforscher der Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), der Wirtschaftsuniversität Wien (Österreich) und der Fachhochschule Graubünden (Schweiz) haben untersucht, mit welchen Maßnahmen der Ausstoß von CO2 bei der Stromproduktion am effizientesten gesenkt werden kann. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass eine Verteuerung von CO2-Zertifikaten die Emissionen aktuell wesentlich stärker reduziert als die Förderung regenerativer Energien in gleicher Höhe.

Bei der Bepreisung von Emissionen im Stromsektor folgt Deutschland dem Europäischen Emissionshandelssystem (EU ETS), wobei der Preis für Emissionszertifikate lange Zeit deutlich unter zehn Euro pro Tonne CO2 lag. „Weniger als zehn Euro pro Tonne Kohlendioxid sind schlicht zu wenig, um Emissionen signifikant zu verringern“, sagt Prof. Mario Liebensteiner, Professur für Energiemärkte und Energiesystemanalyse an der FAU.

Gemeinsam mit Prof. Klaus Gugler von der Wirtschaftsuniversität Wien und Adhurim Haxhimusa von der Fachhochschule Graubünden hat der Ökonom am Beispiel Deutschlands und Großbritanniens untersucht, welche Steuerungsinstrumente die Treibhausgasemissionen bei der Stromproduktion am effizientesten senken können. „Die Länder verfolgen unterschiedliche Strategien“, sagt Liebensteiner. Während Deutschland massiv regenerative Energien subventioniere, hätten die Briten eine Kohlendioxid-Steuer für den Strommarkt eingeführt. Damit sei der effektive CO2-Preis auf mehr als 35 Euro pro Tonne angehoben worden.

Welche Maßnahme zeigt mehr Wirkung? Für ihren Ländervergleich werteten die Forscher die Daten der vergangenen Jahre aus: tägliche CO2-Emissionen aus dem Stromsektor, CO2-Preise, eingespeiste Elektrizität aus erneuerbaren Energien und andere Variablen wie Stromnachfrage, Kohle- und Gaspreise sowie saisonale Effekte. Das klare Ergebnis: Während Deutschland seine Emissionen aus dem Stromsektor nur relativ moderat senken konnte, schaffte Großbritannien eine Emissionsminderung von 55 % seit der Einführung der Stromsteuer 2013.

Die Forscher führen dies auf zwei zentrale Aspekte zurück:
  • Zum einen kann die Förderung regenerativer Energien ihre Wirkung nicht wie gewünscht entfalten. Bei einer geringen CO2-Bepreisung verdrängen Wind- und Sonnenstrom nämlich zuerst die relativ „sauberen“ Gaskraftwerke, während die „schmutzige“ Kohle – vor allem die sehr schmutzige Braunkohle – weitgehend im Markt bestehen kann. Erst bei einer sehr hohen Einspeisung von regenerativen Energien wird auch Kohlestrom aus dem Markt gedrängt.
  • Zum anderen – das zeigt Großbritannien – führt eine höhere Besteuerung von Kohlendioxid-Emissionen dazu, dass Kohle als Energieträger zunehmend durch Erdgas ersetzt wird. „Bei der Stromproduktion emittiert Erdgas aber nur zirka halb so viel CO2 wie Kohle“, erklärt Mario Liebensteiner. 


Rechenbeispiel: Was kann man mit einer Milliarde Euro erreichen?

Das Modell der Forschenden ist gut geeignet, die Kosten klimapolitischer Ansätze konkret zu kalkulieren. Die Ökonomen haben ausgerechnet, wie viel Emissionsminderung der Staat beispielsweise mit einer Milliarde Euro „kaufen“ kann. „In Deutschland kann man für diese Summe zum niedrigen Zertifikatspreis von acht Euro pro Tonne rund 20 Millionen Tonnen CO2 reduzieren“, erklärt Liebensteiner. „Investiert man das Geld in derzeitige Einspeisevergütungen für Wind- beziehungsweise Solarenergie, kann man den CO2-Ausstoß um gerade einmal fünf Millionen beziehungsweise eine Million Tonnen senken.“
In Großbritannien wäre der Effekt ungleich größer: Zu einem moderat hohen CO2-Preis von 36 Euro pro Tonne könnte man mit einer Milliarde Euro 33 Millionen Tonnen CO2 reduzieren, mittels derzeitiger Einspeisetarife für Windenergie etwa 18,5 Millionen Tonnen.

Der entscheidende Vorteil der britischen Strategie besteht nach Einschätzung der Forscher darin, dass ein CO2-Preis marktbasierte Anreize setzt und nicht vorgibt, welche Technologie zum Zuge kommt. Damit kann beispielsweise relativ sauberes Gas die wesentlich problematischere Kohle weitgehend vom Markt verdrängen.„Unsere Ergebnisse demonstrieren, dass selbst ein moderat hoher CO2-Preis helfen kann, kurzfristig und kostengünstig große Mengen an CO2 zu reduzieren, sofern Gaskraftwerke als Brückentechnologie vorhanden sind“, sagt Liebensteiner. „Langfristig sollte man selbstverständlich auch Gas als fossilen Energieträger durch alternative Energiequellen ersetzen.“
 

Peter Koller
Redakteur
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Dienstag, 09.02.2021, 11:02 Uhr

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